Am vergangenen Freitag traf sich der Verwaltungsrat der MCH Group in Zürich zu seiner ordentlichen Herbstsitzung. Die schwere Kost, die den Verwaltungsräten vorgesetzt wurde, hat das Unternehmen am Montag vor Börsenstart der Öffentlichkeit präsentiert: Der Messe- und Live-Entertainment-Konzern wird dieses Jahr mit einem Verlust von rund 170 Millionen Franken abschliessen. Die schlechten Prognosen vom Herbst werden damit noch deutlich übertroffen. Hat das erste Halbjahr noch mit einem Betriebsgewinn von rund 20 Millionen Franken abgeschlossen, resultiert im zweiten Halbjahr ein Verlust von rund 35 Millionen Franken.

Es wird bereits der zweite Jahresabschluss in Folge sein, den die MCH Group mit einem Minus in dreistelliger Höhe abschliesst. Nach den 110 Millionen Franken im Vorjahr werden es insgesamt 280 Millionen Franken sein, die als operative Verluste, als Restrukturierungskosten sowie als Abschreiber auf das Basler Messezentrum in den Büchern aufscheinen. Das Finanzpolster ist damit aufgebraucht, eine Wiederholung kann sich das Unternehmen kaum leisten.

Halbierter Aktienkurs

Parallel zur Geschäftsentwicklung schwand der Börsenwert des Unternehmens im vergangenen Jahr um 63 Prozent. Mittlerweile sind die Aktien der MCH Group noch rund 150 Millionen Franken wert. 49 Prozent der Wertschriften sind in öffentlicher Hand, wobei Basel-Stadt der grösste Einzelaktionär ist. 51 Prozent der Aktien werden privat gehalten. Anders gesagt: Je 125 Millionen Franken an öffentlichem wie privatem Vermögen wurden im vergangenen Jahr vernichtet.

Während die Aktionärs-Kantone Basel-Stadt, Basel-Landschaft und Zürich sowie die Stadt Zürich bisher aus politischen Gründen an der Beteiligung festhielten, fehlten privaten Grossaktionären die Käufer, wollten sie ihr Paket abstossen. Wäre die MCH Group eine private Firma, würde sie bis zur erfolgten Restrukturierung von der Börse genommen. Doch als gemischtwirtschaftliches Unternehmen ist dies allenfalls bei einer vollständigen Verstaatlichung oder Privatisierung denkbar.

Ohne die politischen Implikationen, die historisch mit dem Messeunternehmen verknüpft sind, könnte die MCH Group für Investoren ein Schnäppchen sein. Denn der Börsenwert von 150 Millionen Franken liegt unter dem Wert der Einzelteile des Imperiums mit seinen unzähligen internationalen Tochterunternehmen, die in den vergangenen Jahren zugekauft worden sind.

Der Wert der Einzelteile

Alleine für die US-amerikanische Gesellschaft mc2 hat die Schweizer Firma vor zwei Jahren rund 100 Millionen Franken ausgegeben. Die Live-Entertainment Firma ist spezialisiert auf Grossevents für Produktlancierungen etwa von Nokia oder Toyota. Sofern diese Akquisition werthaltig ist, wäre der Rest des Unternehmens lediglich noch 50 Millionen Franken wert. Dazu gehörten beispielsweise nicht nur die Marke «Art Basel», die in der Kunstwelt einen exzellenten Ruf geniesst, sondern auch alle Messeimmobilien in Basel und Zürich samt dazugehörenden Musical-Theatern.

Hypothek Messezentrum

Das 2013 fertiggestellte Messezentrum in Basel kostete 430 Millionen Franken, wobei die öffentliche Hand wesentlich mitfinanzierte. Die Mehrheit der Stimmbevölkerung wurde mit dem Argument gewonnen, die Baselworld benötige einen neuen Prunkbau, um weiter zu florieren. Nun ist es das Darben der Uhren- und Schmuckmesse, das den Wertverfall verantwortet. Bereits im vergangenen Jahr wurde das Messezentrum um 102 Millionen Franken abgeschrieben, im laufenden Jahr ist ein Abschreiber in Höhe von 120 Millionen Franken zu erwarten. Trotz dieser Halbierung des Werts der Immobilie ist ihr Bilanzwert immer noch höher als der Börsenwert des gesamten Unternehmens.

Im Jahresabschluss 2018 werden auch Rückstellungen in Höhe von 30 bis 40 Millionen Franken verpackt. Mit diesem Geld soll eine tiefgreifende Restrukturierung des Unternehmens finanziert werden. Mit der Beerdigung von Muba, Züspa und des Comptoir Suisse sowie den Desinvestitionen in regionale Kunstmessen hat die MCH Group zwar definiert, was sie nicht mehr machen will. Das Ziel des «Transformationsprozesses» ist allerdings noch unscharf. Ein gewichtiges Wort soll dabei der neue Konzernchef mitreden können. Dieser ist allerdings noch nicht gefunden. Der Verwaltungsrat wartet auf Kandidaten.