So schnell kann es gehen: Im vergangenen Jahr waren nur gerade drei kleinere Grundversicherer krank. Jetzt sind es bereits 14. Dazu gehören die Groupe-Mutuel-Kassen Avenir, Easy Sana, Mutuel und Philos sowie die Berner KPT. Das sind Anbieter mit mehr als 200 000 Grundversicherten.

Solvenz bestimmt Prämienhöhe

Diese fünf mittelgrossen sowie neun kleinere Kassen unterschreiten gemäss den gestern von dem für die Aufsicht über die Krankenkassen zuständigen Bundesamt für Gesundheit (BAG) veröffentlichten Solvenztest für 2016 die gesetzlich vorgeschriebene Minimalquote von 100 Prozent. Dies bedeutet: Ihre Reserven sind ungenügend dotiert. Diese sind dazu da, um beispielsweise im Fall einer Pandemie den Anstieg der Ausgaben für Behandlungen von Ärzten und Spitälern oder Medikamente auffangen zu können. Zum anderen federn sie Verluste ab, die wegen zu tief kalkulierter Prämien anfallen können. Wächst deswegen eine Kasse stark, schwächt dies meist die Reserven.

Wer eine zu tiefe Solvenzquote ausweist, muss in der Regel die Prämien stärker erhöhen, um die Finanzpolster wieder zu äufnen. Dazu sagt BAG-Sprecherin Michaela Kozelka: «Je nach Stand der Solvenzquote wie auch der Risikoexposition des Versicherers hat das BAG mit den einzelnen Versicherern einen Plan für den Aufbau der Reserven festgelegt.»

Erschreckend ist der Fall der Kassen der Groupe Mutuel. Mit 100 Prozent war die Solvenzquote der Easy Sana im vergangenen Jahr gerade noch knapp genügend. Die Avenir, die Mutuel und die Philos wiesen gar mehr als 110 Prozent aus. Jetzt sind sie allesamt deutlich unter die Minimalquote gerutscht (siehe Tabelle links). Denn im vergangenen Jahr erwirtschafteten die Walliser einen kumulierten Verlust von 127,1 Millionen Franken. Passiert sei dies, weil die Ausgaben für Behandlungen von Versicherten höher ausgefallen seien als kalkuliert worden sei, räumt Sprecher Christian Feldhausen ein. Die Prämienanpassungen im kommenden Jahr beruhten zum «Grossteil auf dem nicht beherrschten, generellen Anstieg der Gesundheitskosten».

Auch die mit 79 Prozent zu tiefe Solvenzquote der KPT sei eine Folge «der negativen Ergebnisse der Vorjahre aufgrund der überdurchschnittlich gestiegenen Gesundheitskosten», sagt Sprecherin Barbara Weber. Zudem müsse die KPT aufgrund der neuen Berechnungsmethode, eben des Solvenztests, zusätzliche Reserven aufbauen.

CSS-Streit mit BAG noch offen

Erwischt hat es auch die beiden Billigkassen der Luzerner CSS-Gruppe, die Arcosana und die Sanagate. Die für 2016 ausgewiesenen Solvenzquoten sind möglicherweise gar noch tiefer. Denn sie enthalten vom BAG im Frühjahr 2015 nicht bewilligte Zuschüsse der Holding in der Höhe von 12,8 Millionen für die Arcosana und 8,5 Millionen Franken in die Sanagate. Gegen diese Verfügung des BAG hat die CSS-Gruppe rekurriert. Dieser Streitfall ist immer noch beim Bundesgericht hängig.

Am schlechtesten schneidet aktuell die im Aargau domizilierte KK Birchmeier ab. Wegen zu tief angesetzter Prämien wuchs sie enorm. Daher musste sie ihre Prämien bereits auf Anfang September massiv anheben. Die Kolping liess sich wegen der Schieflage von der Basler Sympany retten. Die KMU Krankenkasse verschwindet auf Anfang Jahr. Sie wird von ihrer Muttergesellschaft ÖKK übernommen. Leicht verbessert hat sich hingegen der kleine Walliser Krankenversicherer Vallée d’Entremont. Nicht mehr auf der Liste der kranken Kassen figuriert hingegen die in Laufen BL domizilierte EGK. Ihre Solvenzquote beläuft sich neu auf 107 Prozent.

Tiefe Renditen auf Reserven

Allerdings hängt die Solvenz der Krankenversicherer nicht nur von der Entwicklung ihrer Kosten ab. Verluste erlitten sie auch wegen der von der Nationalbank eingeführten Negativzinsen, wie Gesundheitsminister Alain Berset gestern in Bern einräumte. Dazu kommt, dass diese Finanzpolster an den Finanzmärkten angelegt sind. Früher hätten diese Gelder eine Rendite von fünf bis zehn Prozent abgeworfen, sagte Berset: «Heute fällt diese aus.» Daher müssten sie ihre Reserven über die Prämien erhöhen.

Grafik: Elia Diehl