Das getrübte Resultat war absehbar. Dennoch schmerzt es: Die Post hat im vergangenen Jahr 122 Millionen Franken weniger Gewinn erwirtschaftet als 2017. Die Gründe dafür sind die deutlich tieferen Erträge bei Postfinance sowie die Rückzahlungen nach der Postauto-Affäre.

Der Konzerngewinn sank auf 405 Millionen Franken, wie der Bundesbetrieb in Bern bekannt gab. Im Jahr zuvor waren es 527 Millionen gewesen. Insbesondere der Einbruch bei Postfinance trübte die Bilanz. Das Betriebsergebnis sackte von 549 auf 220 Millionen Franken ab. Der Ertrag sank um 372 Millionen auf 1704 Millionen Franken. Hauptursachen für den Rückgang waren einmalige Realisierungsgewinne aus Aktienverkäufen im Vorjahr von 109 Millionen Franken sowie der marktbedingt tiefere Zins- und Dividendenertrag, der um 155 Millionen Franken abnahm.

«Das ist ein dramatischer Rückgang», sagt Postfinance-Chef Hansruedi Köng. Um Profitabilität und Wettbewerbsfähigkeit von Postfinance langfristig zu gewährleisten, müsse das Kredit- und Hypothekarverbot aufgehoben werden. «Das ist eine unglaublich hinderliche Restriktion.» Der Bundesrat hat einen entsprechenden Richtungsentscheid getroffen. Die zuständigen Departemente erarbeiten derzeit eine Vorlage. Das letzte Wort hat das Parlament. Die Postfinance verspricht sich viel von einer Freigabe: Der Hypothekarmarkt in der Schweiz sei 1000 Milliarden Franken gross und wachse jährlich um 30 bis 40 Milliarden, sagte Köng.

Um den schwindenden Erträgen entgegenzutreten, erhöhte Postfinance vergangenen Oktober die Gebühren. «Wir können uns nicht mehr leisten, Produkte und Dienstleistungen anzubieten, die unsere Kosten bei weitem nicht decken», schreibt das Geldhaus im Geschäftsbericht. Die Gebührenerhöhung wirkte sich auch auf die Zahl der Kunden aus. Diese sank um 30 000 auf 2,86 Millionen Kunden, wobei auch Abgänge enthalten sind, die nicht auf die höheren Gebühren zurückgehen. Von einem Massenexodus könne nicht die Rede sein, sagte Köng. Gleichzeitig sank die Zahl der Konten um 300 000 auf 4,5 Millionen.

Boni werden zurückbehalten

Bei der Postauto-Tochter ist das Betriebsergebnis von Rückzahlungen geprägt: Unter dem Strich weist das Unternehmen einen Verlust von 58 Millionen Franken aus – ein Rückgang von 77 Millionen Franken. Der Betriebsertrag konnte jedoch um 29 Millionen gesteigert werden. Dieser ergab sich aus einem Ausbau der Leistungen, womit sich die Fahrgasteinnahmen erhöhten.

Bei der Aufarbeitung der Postauto-Affäre habe die Post ihre Versprechen gehalten, sagt Verwaltungsratspräsident Urs Schwaller. «Wir haben jeden Franken zurückbezahlt, an Bund, Kantone und Gemeinden.» Soweit es in der Verantwortlichkeit der Post liege, sei die Angelegenheit abgeschlossen. Noch am Laufen ist die strafrechtliche Aufarbeitung des Falls durch das Fedpol.

Die Postauto-Affäre wirkt sich auch auf die Managerlöhne aus. Wie bereits für das Jahr 2017 wird auch für 2018 der Bonus von Ex-Konzernchefin Susanne Ruoff vorerst nicht ausbezahlt. Ruoff erhielt für 2018 einen Fixlohn von 620 000 Franken. Daneben stünde ihr ein variabler Anteil von rund 450 000 Franken zu. Ob Ruoff dieser Betrag ausbezahlt wird, entscheidet die Post erst nach Abschluss der Untersuchung. Das Gleiche gilt auf für den Ex-Postauto-Chef Daniel Landolf.

Das seit Jahren defizitäre Postnetz konnte den Betriebsverlust verkleinern. Das Minus verringerte sich von 94 auf 65 Millionen Franken. Das Schaltergeschäft und mit ihm die Briefmengen (–2 Prozent) sowie der Zahlungsverkehr wegen E-Banking (–6 Prozent) wurden nochmals kleiner. Um den Verlust weiter einzugrenzen, will der Konzern die Zahl der Poststellen bis in gut zwei Jahren weiter senken – von 1400 auf 800.

Der Verwaltungsrat sei zufrieden, dass sich alle Unternehmensbereiche des Postkonzerns mit Ausnahme von Postfinance behaupten und alle ihr Betriebsergebnis gegenüber dem Vorjahr steigern konnten, sagte Schwaller. Auch der Interims-Chef Ulrich Hurni spricht von einer «positiven Bilanz übers Ganze». Die Post wolle auch in den kommenden Jahren die Grundversorgung selber finanzieren. (chm/sda)