Kehrtwende
12, 4 Millionen Gewinn: Schmolz + Bickenbach wieder in schwarzen Zahlen

Schmolz + Bickenbach gelingt die Rückkehr in die Gewinnzone. Für dieses Jahr winkt wieder ein Reingewinn – nach zwei Verlustjahren in Serie.

Matthias Niklowitz
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Die GV von Schmolz und Bickenbach 2013.

Die GV von Schmolz und Bickenbach 2013.

Keystone

Kavalierstart für den neuen CEO Clemens Iller: Der schweizerisch-deutsche Spezialstahlkonzern Schmolz + Bickenbach (S+B) wies für das erste Quartal des zum ersten Mal seit sieben Quartalen wieder einen Reingewinn aus. Unter dem Strich blieben 12,4 Millionen Euro in der Kasse, nachdem der Konzern vor einem Jahr noch einen Verlust von fast 8 Millionen Euro ausgewiesen hat.

„Die Nachfrage nach Spezialstahl zog im Januar wieder an, nachdem die Lager Ende 2013 leer waren und wieder aufgefüllt werden mussten", sagte Iller am Konferenzgespräch am Donnerstag. Dem Optimismus aus der Auto- und Ölbranche - beides sind wichtige Abnehmer des Spezialstahls - steht Zurückhaltung bei den Maschinenbauern entgegen und während in Deutschland die Nachfrage steigt, bleibt sie in Frankreich und Italien mau. So kompensieren sich gestiegene Absatzmenge und der Druck auf die Preise praktisch.

Altlasten werden bereinigt

Im ersten Quartal begann der Verkaufsprozess für die Distributionseinheit in Deutschland. Die passt seit letztem Jahr nicht mehr in die Strategie des Konzerns, weil ein hoher Anteil von Drittprodukten ebenfalls verkauft wird. Laut Iller soll diese Einheit in die Hände eines strategischen Investors gelangen, der das Geschäft inklusive Kundenbeziehungen fortführen will. Über die Abspaltung dieses Geschäfts, das den Kern eines Teils der ursprünglichen Besitzerfamilien bildet, war schon im letzten Jahr diskutiert worden.

Es ist aber nicht nur diese Abspaltung, welche den Weg zurück zum gesunden Geschäftsgang ebnet. Der unter Analysten hoch geschätzte, als überaus tüchtig geltende Finanzchef Hans-Jürgen Wiecha hatte einen grossen Teil des freien Cashflows für den Abbau der Schulden genutzt und so das vor einem Jahr bedenklich hohe Verhältnis von Vorsteuergewinn zu Schuldlast von 7,4 auf 2,8 zurück gebracht werden konnte. Mittelfristig strebt Wiecha ein Verhältnis von 2,5 an.

Unveränderte Prognose

Das ist auch deshalb so wichtig, weil dann die Belastung durch (zu) hohe Zinsen fallen und die operativen Gewinne nicht durch den Schuldendienst wieder aufgefressen werden. Wiecha hat bereits mit dem Bankenkonsortium Kontakt aufgenommen, er zeigte sich zuversichtlich, dass es gelingt, bessere Konditionen auszuhandeln.

Für das Gesamtjahr bleibt die Prognose unverändert: Der Vorsteuergewinn soll zwischen 190 und 230 Millionen Euro betragen. Die Werte der ersten Jahreshälfte lassen sich nicht auf das zweite übertragen, die ersten Monate des Jahres sind normalerweise besser, erklärte Iller. Laut den Analysten von JP Morgan, einer US-Bank, ist die Stahlproduktion im April weltweit leicht gestiegen. Unverändert blieb die Auslastung der Stahlwerke weltweit. In China bestehen weiter leichte Überkapazitäten, was kaum Spielraum nur schon für stabile Preise lässt.

Analysten zeigten sich positiv überrascht. Sowohl bei der Zürcher Kantonalbank als auch bei Vontobel rechnet man mit einer Rückkehr in die Gewinnzone auch für das Gesamtjahr und für das nächste Jahr bereits wieder mit einem Reingewinn in zweistelliger Millionenhöhe. „Die starken Zahlen sind für uns die neuste Bestätigung, dass sich die Fundamentaldaten tatsächlich verbessern und dass S+B mit dem Turnaround auf gutem Weg ist", kommentiert Vontobel-Analyst Patrick Rafaisz.