Schwarzarbeit

111 Strafen für Schwarzarbeit

Verdeckt: Arbeitgeber und Arbeitnehmer, die nicht korrekt abrechnen, haben eine riesige Schattenwirtschaft aufgebaut. (wal)

Schwarzarbeit im Aargau

Verdeckt: Arbeitgeber und Arbeitnehmer, die nicht korrekt abrechnen, haben eine riesige Schattenwirtschaft aufgebaut. (wal)

Landesweit hat sich fast bei jeder zweiten Kontrolle ein konkreter Verdacht auf Schwarzarbeit ergeben. Im Kanton Aargau war das nur bei 19 Prozent der Kontrollen der Fall. Darf man daraus schliessen, dass im Aargau weniger schwarzgearbeitet wird als anderswo? Leider nein.

Urs Moser

Expertenschätzungen gehen davon aus, dass in der Schweiz jährlich gegen 40 Milliarden oder 9 Prozent des Bruttoinlandprodukts am Fiskus und an den Sozialversicherungen vorbeigeschleust werden. Schwarzarbeit ist damit quasi einer der ganz gewichtigen Wirtschaftszweige: fünfmal grösser als die Land- und Forstwirtschaft, deutlich grösser als das Baugewerbe. Wirtschaftsministerin Doris Leuthard hat deshalb eine Sensibilisierungs- und Informationskampagne lanciert. Diese Woche wurde eine Bilanz über die Wirkung des Bundesgesetzes gegen die Schwarzarbeit gezogen. Fazit: Der Vollzug in den Kantonen ist gut angelaufen.

457 Kontrollen im Aargau

Für den Aargau gibt es keine konkreten Untersuchungen oder zumindest Schätzungen über das Ausmass der Schwarzarbeit. Stimmen die landesweiten Schätzungen, dürfte man aber davon ausgehen können, dass hier auf schwarz erwirtschafteten Einkommen von rund 2,5 Milliarden keine Steuern und Sozialabgaben bezahlt werden. Seit 2008 stehen beim Amt für Migration 200 Stellenprozente für die Bekämpfung der Schwarzarbeit zur Verfügung, eine Inspektorin und drei Inspektoren sind für die Kontrollen zuständig.

Im ersten Jahr seit Inkrafttreten des Schwarzarbeitsgesetzes haben sie 457 Kontrollen durchgeführt und 827 Personen unter die Lupe genommen. Auffällig dabei: Von den schweizweit gut 9000 Kontrollen ergab sich in 46 Prozent der Fälle der Verdacht auf mindestens einen Verstoss gegen das Schwarzarbeitsgesetz. Im Kanton Aargau lag diese Quote nur bei 19 Prozent. Heisst das nun, dass man im Aargau ehrlicher ist als anderswo?

Leider nein. Wie Sandra Fritschi, die Inspektorats-Teamleiterin beim Migrationsamt ausführt, liegt die Differenz eher in einer anderen Arbeitsweise begründet. Das Staatssekretariat für Wirtschaft begründet die schweizweit hohe Quote damit, dass sehr viele Kontrollen aufgrund von Meldungen aus der Öffentlichkeit oder von anderen Behörden ausgelöst werden. Im Aargau führe man im Sinne der Prävention mehr Zufallskontrollen durch, so Sandra Fritschi.

111 Strafen verhängt

Konkrete Aussagen über das tatsächliche Ausmass der Schwarzarbeit lässt die erste Bilanz nur sehr bedingt zu. Man könne aber sagen, dass man sich in etwa im Rahmen des Erwarteten bewege und man davon ausgehe, dass das Phänomen im Aargau weder auffallend mehr noch weniger verbreitet sei als anderswo.

Die spezifischen Kontrollen durch die Inspektoren des Migrationsamts führten zusammen mit Meldungen von Polizei, Steuerbehörden oder Arbeitslosenversicherungen zu insgesamt 111 strafrechtlichen Sanktionen (Busse oder Geldstrafe): Zu den 58 Verstössen gegen das Schwarzarbeitsgesetz kamen 9 weitere gegen das Ausländerrecht und 44 wegen Verstoss gegen das Arbeitslosenversicherungsgesetz (Personen, die Arbeitslosentaggelder bezogen und gleichzeitig schwarzarbeiteten).

Das Schwarzarbeitsgesetz sieht als neue Sanktionsmöglichkeit auch vor, Betriebe von staatlichen Auftragsvergaben auszuschliessen oder Subventionen zu kürzen. Das kommt aber nur bei schweren und wiederholten Verstössen zum Tragen, im Aargau wurde bisher nicht zu dieser Massnahme gegriffen.

Unterschiede in den Branchen

Ein «Klassiker» wenn es um Schwarzarbeit geht: die Putzfrau im Privathaushalt, für die keine AHV-Beiträge abgerechnet werden. Doch der Missbrauch scheint hier weniger verbreitet als angenommen. 30 Kontrollen wurden im Bereich Dienstleistungen für Privathaushalte durchgeführt. Ein konkreter Verdacht auf Schwarzarbeit stellte sich aber nur in 3 Fällen ein. Die «Verdachtsquote» von 10 Prozent (bei 32 Kontrollen in professionellen Reinigungsbetrieben gab es übrigens gar nichts zu beanstanden) liegt hier deutlich tiefer als in anderen Branchen.

Im Baunebengewerbe liegt die Quote bei fast 30, in der Industrie sogar bei über 30 Prozent. Die Zahlen sind allerdings nur bedingt repräsentativ, da das Schwarzarbeitsgesetz erst seit 2008 in Kraft und das Datenmaterial noch eher dünn ist. Man habe sich aber bei den Kontrollen schon auf die Branchen ausgerichtet, wo man typischerweise am ehesten Schwarzarbeit vermuten würde. Insofern lasse sich zumindest eine Tendenz ablesen, sagt Sandra Fritschi. Am meisten Kontrollen wurden im Gastgewerbe durchgeführt (143 mit 282 kontrollierten Personen). Es ergaben sich 22 Hinweise auf einen Verstoss gegen das Schwarzarbeitsgesetz, eine «Verdachtsquote» von 15 Prozent.

Meistgesehen

Artboard 1