Schwyz

Im Steuerparadies Schwyz herrscht die Schweizerische Volkspartei

Blick vom Rossalpelispitz auf Zindlenspitze und Wägitalersee.

Zindelspitze und Wägitalersee

Blick vom Rossalpelispitz auf Zindlenspitze und Wägitalersee.

Dieser Kanton hat mit Wollerau die steuergünstigste Gemeinde der Schweiz und eine klar dominierende Partei, die SVP. Die FDP schaffte 2007 nicht einmal den Sprung ins Parlament – das soll sich jetzt ändern.

Was haben Tennisstar Roger Federer, UBS-Chef Oswald Grübel, Marcel Ospel, der frühere Präsident der Grossbank, sowie die Formel-1-Piloten Lewis Hamilton und Felipe Massa gemeinsam? Sie alle haben viel Geld. Sie alle wollen möglichst wenig Steuern bezahlen. Und sie alle haben sich aus diesem Grund in Wollerau im Kanton Schwyz niedergelassen, der steuergünstigsten Gemeinde der Schweiz.

Wollerau ist denn auch Sinnbild für die schwyzerische Wandlung von einem einst bitterarmen zu einem heute reichen Kanton. Bedingt durch die Nähe zur Wirtschaftsmetropole Zürich, kann Schwyz die Vorteile des Steuerwettbewerbs unter den Kantonen optimal nutzen. Das hat einerseits zwar dazu geführt, dass die reichen Gemeinden am Ufer des Zürichsees während der letzten 30 Jahre ein enormes Wachstum haben verkraften müssen. Gleichzeitig können sich mittlerweile aber auch die von ihrer Lage her weniger privilegierten Gemeinden ein Stück des Kuchens abschneiden – dank dem innerkantonalen Finanzausgleich, der Geld in die Kassen ärmerer Ortschaften spült. Das hat dazu geführt, dass heute alle Gemeinden im Kanton Schwyz steuerlich attraktiv sind.

Der Siegeszug der SVP

Geändert hat sich im Kanton Schwyz aber nicht nur die finanzielle Situation, auch die Parteienlandschaft wurde seit Anfang der 1990er-Jahre kräftig durcheinandergeschüttelt. Vor 20 Jahren holte die CVP noch ein Drittel der Wählerstimmen, die SVP kam nicht einmal auf zehn Prozent. Mittlerweile hat sich das Blatt eindeutig gewendet: 2007 entschieden sich satte 45 Prozent der Stimmberechtigten für die SVP, als zweitstärkste Kraft kam die CVP nur noch auf etwas über 20 Prozent. FDP und SP holten knapp 17 respektive 14 Prozent.

CVP muss auf Zugpferd verzichten

Heute ist Schwyz mit vier Männern im Nationalrat vertreten. Neben den zwei SVP-Vertretern Pirmin Schwander und Peter Föhn sind dies Reto Wehrli von der CVP und Andy Tschümperlin von der SP. Die vier grossen Parteien werden auch am
23. Oktober unter sich ausmachen, wer einen der vier Nationalrats- und der zwei Ständeratssitze erhält. Chancenlos sind kleinere Parteien.

Verzwickt präsentiert sich vor allem die Situation der CVP. Ihr Vertreter Reto Wehrli, der seit zwei Legislaturperioden im Bundeshaus sitzt, hat im Februar überraschend angekündigt, nicht mehr für eine weitere Amtsperiode zu kandidieren. Nun muss die CVP den Sitz ohne ihr Zugpferd verteidigen. Obwohl auch Peter Föhn nicht mehr antritt, ist die SVP in einer weit komfortableren Situation. Wenn sie an das Glanzresultat der Wahlen 2007 auch nur annähernd herankommt, wird Föhns Sitz zu halten sein. Gute Chancen auf den Einzug ins Bundeshaus kann sich vor allem Kantonsratspräsident Xaver Schuler ausrechnen. Unbestritten ist die Wiederwahl des populären Pirmin Schwander, der die rechtsnationale Aktion für eine unabhängige und neutrale Schweiz (Auns) präsidiert.

Knapp werden könnte es hingegen für die SP. Denn Andy Tschümperlin konnte 2007 nur deshalb reüssieren, weil die SP eine Listenverbindung mit SP und Grünen eingegangen war. Tschümperlin selber war zu jenem Zeitpunkt im Kanton noch weitgehend unbekannt. Mittlerweile hat er dies aber ändern können – nicht zuletzt wegen seiner Funktion als Vizepräsident der SP-Bundeshausfraktion. Trotzdem, die FDP, die seit acht Jahren nicht mehr in nationalen Parlament sitzt, hat es auf Tschümperlins Sitz abgesehen.

Die FDP will aber auch im Ständerat einen Sitz holen. Diese Mission erfüllen soll Vincenzo Pedrazzini, Kantonalpräsident sowie Vizepräsident der Mutterpartei und deren Wahlkampfleiter. Den für einen Ständeratswahlkampf erforderlichen Bekanntheitsgrad bringt Pedrazzini also mit. Trotzdem dürfte es nicht einfach werden, einen der amtierenden Ständeräte – Bruno Frick von der CVP und Alex Kuprecht von der SVP – aus dem Amt zu drängen. Gerade Frick ist nicht einmal in der eigenen Partei unbestritten. Denn nach seiner 20-jährigen Amtszeit wünschen sich viele Wähler einen Generationenwechsel in der kleinen Kammer.

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