Regierungsrat

Wer schafft das Rennen um die fünf Sitze?

Wer wird den Sprung in den Regierungsrat schaffen? Im Bild das Regierungsratsgebäude in Aarau.

Wer wird den Sprung in den Regierungsrat schaffen? Im Bild das Regierungsratsgebäude in Aarau.

Wer wird 2012 in den Aargauer Regierungsrat gewählt werden? Kann eine zahlenbasierte Prognose aufgrund der Resultate der Vergangenheit gemacht werden?

Dazu muss man erst mal wissen, wie viel Unterstützung ein Regierungsratskandidat braucht, um überhaupt gewählt zu werden. Landläufig nimmt man an, dass über 50 Prozent der Wähler und Wählerinnen einen Kandidaten wählen müssen, damit er im 1. Wahlgang gewählt wird. Dem ist aber nicht so. Im Jahr 2000 brauchte es 38,6 Prozent der Stimmen, um gewählt zu werden; im Jahr 2004 brauchte es 41,1 Prozent der Stimmen; im Jahr 2008 brauchte es für eine Wahl 39,7 Prozent der Stimmen. Kurzum: Wer es geschafft hatte, eine Minderheit von rund 40 Prozent der Wählenden zu überzeugen, wurde im Aargau Regierungsrat.

Minderheit reicht

Wieso braucht es nur eine Minderheit? Früher musste ein Kandidat oder eine Kandidatin im Aargau auch auf mehr als jedem zweiten Stimmzettel stehen, um gewählt zu werden. Nach heutigem Gesetz aber werden die leeren Linien auf einem Stimmzettel bei der Berechnung des absoluten Mehr abgerechnet, was üblicherweise zu einem niedrigeren absoluten Mehr führt. Es gilt: Wenn sämtliche Stimmenden 5 Namen auf ihren Wahlzettel (also keine einzige leere Linie übrig bleibt) schreiben würden, bleibt das absolute Mehr wie früher bei 50 Prozent der Wählenden.

Sind aber auf den Stimmzetteln im Schnitt nur 4 Namen aufgeführt und eine Linie bleibt leer, fällt das absolute Mehr auf 40 Prozent der Stimmenden. Werden im Schnitt nur 3 Namen auf den Wahlzetteln aufgeführt, braucht ein Kandidat, eine Kandidatin nur 30 Prozent der Stimmenden, damit er oder sie im 1. Wahlgang Regierungsrat wird.

Wer überzeugte die Mehrheit?

Damit wird die Überlegung interessant, wer in den letzten beiden Wahlen eigentlich eine Mehrheit der Wählenden überzeugt hatte und wer nur eine Minderheit. Hier die Resultate von 2004 und 2008 aufgelistet, mit den Prozentzahlen der Stimmenden, die sie gewählt haben:

2004: Beyeler 60,9, Wernli 57,1, Brogli 53,0, Huber 52,9, Hasler 42,7, Roth 33,7 und Hürzeler 33,0 Prozent. Daraus ersichtlich ist, dass der Bisherige Ernst Hasler damals nur eine Minderheit der Wählenden überzeugt hatte, aber dank dem tiefen absoluten Mehr von 41,1 Prozent trotzdem knapp gewählt wurde. Auch erscheint klar, dass Barbara Roth (SP) und Alex Hürzeler (SVP) damals nur jeweils die Stimmen von rot-grün bzw. der SVP erhielten.

2008: Beyeler 59,3, Brogli 58,6, Hofmann 50,3, Hochuli 44,8, Hürzeler 39,4, Fischer-Taeschler 37,8, Stamm 37,4, Huber 36,7, Lischer 10,9 Prozent. Hier fällt auf, dass Urs Hofmann als neuer Kandidat ganz knapp mehr als die Hälfte der Stimmenden überzeugte, während Susanne Hochuli nur von einer Minderheit gewählt wurde, aber das absolute Mehr deutlich übertraf, weil dieses bei tiefen 39,7 Prozent lag. Es brauchte trotzdem einen 2. Wahlgang, weil alle andern noch unter dieser Hürde lagen.

Bisherigenbonus wirkt stark

Was lässt sich aus diesem Rückblick für die Wahlen 2012 ableiten? Man dürfte nicht fehlgehen, dass angesichts der ziemlich populären Bisherigen das absolute Mehr dieses Mal eher über 40 Prozent denn unter 40 Prozent zu liegen kommt. Rechnet man den üblichen Bisherigenbonus mit ein, sollten alle Bisherigen über dieser Hürde liegen. Und angesichts des Respekts, den Alex Hürzeler (SVP) bei den Linken und Urs Hofmann (SP) bei den Rechten hat, würde es nicht erstaunen, wenn beide mit Roland Brogli (CVP) dieses Jahr weit über 50 Prozent der Wählenden überzeugten. Auch Susanne Hochuli müsste mit dem üblichen Bisherigenbonus ihr Resultat von 2008 von rund 44 Prozent zumindest übertreffen können, bei einem guten Wahlkampf könnte sie aber auch mitten im Umfeld der anderen Bisherigen landen.

Attiger schon im ersten Wahlgang?

Zur Ausgangslage der neuen Kandidaten: Betrachtet man die Wahlresultate der FDP in den vorgängigen Regierungsratswahlen, müsste der Badener Stephan Attiger (FDP) das absolute Mehr im ersten Wahlgang mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls übertreffen, da vor 4 Jahren schon Fischer-Taeschler bei viel mehr Kandidaten nur ganz knapp daran gescheitert war. Rechnet man gar einen Ostaargauer-Bonus mit ein, welcher Parteikollege Beyeler 2004 und 2008 jeweils eine Unterstützung von 60 Prozent der Wählenden einbrachte, müsste Stephan Attiger das absolute Mehr sogar deutlich übertreffen.

Wie schneidet Burgherr ab?

Der SVP-Kandidat Thomas Burgherr? Erreicht er ein ähnliches Ergebnis wie seine Parteikollegen von 2004 (Hasler 42 Prozent, Hürzeler 33 Prozent) und 2008 (Hürzeler 39 Prozent, Stamm 37 Prozent), würde er knapp über oder knapp unter dem voraussichtlichen absoluten Mehr liegen. Für eine Wahl müsste er deutlich besser abschneiden. Ist dies möglich?

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