Regierungsratskandidaten im Gespräch

Thomas Burgherr: «Mit uns könnte man einen Dienstwagen sparen»

Wieso Thomas Burgherr in den Regierungsrat will

Wieso Thomas Burgherr in den Regierungsrat will

Thomas Burgherr (SVP) wohnt im Nachbardorf von Regierungsrätin Hochuli. Gegenüber der az Aargauer Zeitung sagt er, er wäre bereit, jedes Departement kompetent und engagiert zu führen.

Sie haben eine 1 Meter lange Holzbrücke mitgebracht. Warum?

Thomas Burgherr: Die Holzbrücke habe ich von einem Lehrling erhalten, der im Aargau die Lehre bei einer Holzbaufirma absolviert hat. Ich selbst habe Zimmermann gelernt und mich weitergebildet. Brücken haben mich schon immer fasziniert: Sie sind ein Sinnbild für Wille, Stärke und Durchsetzungskraft. Politisch will ich ebenso Brücken bauen, damit wir mit unseren Anliegen eher durchkommen. Zudem braucht es Brückenbauer, weil die politischen Lösungen immer Kompromisse sind. Bestes Beispiel ist das Steuergesetz.

Sie tönen schon fast wie ein Mittepolitiker. Wollen die SVP-Wähler nicht einen Typ mit Ecken und Kanten wie diese Holzbrücke?

Ich bin ein Typ mit Ecken und Kanten. Ich gehe nicht mit Kompromissen in die Verhandlungen. Meine politischen Gegner will ich überzeugen von meiner Haltung. Aber einmal merkt man, dass es nicht weitergeht, wenn man auf etwas beharrt. In der Politik benötigen wir mehrheitsfähige Lösungen. Das braucht es auch in der Regierung.

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Auffallend ist, dass Sie in bisher 15-Grossrats-Jahren nur fünf Vorstösse zu Nebenthemen wie Waldschäden nach Stürmen eingebracht haben. Warum?

Man kann Vorstösse einbringen, damit man in den Medien kommt. Das habe ich nie gesucht. Vieles habe ich mit einem Anruf erfahren oder erledigen können. Die Leistung eines Politikers darf man nicht an der Anzahl Vorstösse messen. In den Kommissionen war ich sehr aktiv, zum Beispiel präsidierte ich vier Jahre die Geschäftsprüfungskommission.

Was würden Sie neben Ihrer politischen Erfahrung in die Regierung einbringen?

Meine vielfältige Lebenserfahrung, mein Wissen als Unternehmer und den gesunden Menschenverstand.

Wie stellen Sie sich eine bürgerliche Regierung vor?

Die SVP will, dass die Regierung bürgerlicher wird. Wir möchten zwei Mitglieder stellen. Unseren bürgerlichen Partnern FDP und CVP gehört entsprechend ihrer Stärke je ein Sitz.

Wer hat als Fünfte(r) in der Regierung Platz: Hofmann oder Hochuli?

Das muss der Bürger entscheiden.

Die grüne Regierungsrätin Susanne Hochuli wohnt in Reitnau, der Nachbargemeinde von Ihrem Wiliberg. Zwei so kleine Gemeinden aus dem gleichen Kantonsteil verträgt die Regierung nicht.

Roland Brogli und Alex Hürzeler kommen mit dem Fricktal auch aus dem gleichen Kantonsteil.

Aber Zeiningen (Brogli) und Oeschgen (Hürzeler) sind keine Nachbargemeinden.

So könnte man bei mir und Hochuli einen Dienstwagen sparen.

Sie haben im az-Interview Anfang Jahr gesagt, der Wähleranteil der Grünen mit knapp 9 Prozent (Wahlen 2009) legitimiere diese nicht zu einem Sitz. Stimmt das nun nicht mehr?

Doch, bei fünf Regierungsräten ist es für die Meinungsbildung besonders wichtig, dass die grossen Parteien entsprechend ihrer Stärke in der Regierung vertreten sind. Dies ist auch für die Zusammenarbeit zwischen Regierung und Grossem Rat wichtig.

Das heisst, die SVP ist mit 32 Prozent Wähleranteil eher legitimiert, zwei Sitze zu besetzen als die Grünen mit 9 Prozent einen Sitz?

Ja.

Das hiesse, Hochuli hätte in der Regierung nichts mehr zu suchen?

Nein, das habe ich nicht gesagt. Das sagen Sie jetzt.

Welches Departement wäre auf Sie zugeschnitten?

Ich wäre bereit, jedes Departement engagiert und kompetent zu führen.

Die SVP hat in letzter Zeit die Regierung stark im Asyl- und Sozialbereich kritisiert, dem Departement Hochulis.

Das ist so. Wir waren sehr erbost, weil die Regierung diesen Bereich sehr unfähig angegangen ist.

Die Regierung kann mit der Task-Force Crime Stop aber erste Erfolge vorweisen. Es gibt weniger Straftaten bei den Asylunterkünften.

Man liest nach wie vor täglich in den Medien von Asyl-Kriminalität. Die Regierung will nicht auf unsere Forderung von einem geschlossenen Lager für kriminelle und renitente Asylbewerber eingehen, wo man sie unter Kontrolle hätte. Daher sind die Massnahmen nach meiner Ansicht immer noch ungenügend.

Was müsste man machen?

Sicher ein oder zwei geschlossene Lager für straffällige Asylbewerber. Für die übrigen Asylbewerber müssten die Rayons noch enger gesetzt werden, die Kontrollen intensiviert und sie müssten eine Beschäftigung haben. Zudem müssten die Verfahren drastisch verkürzt werden. Lachhaft ist es aber, Zivilschützer für Kontrollen einzusetzen. Das ist nicht ihre Aufgabe und dafür sind sie auch nicht ausgebildet.

Wo drückt den Unternehmer Burgherr der Schuh?

Zwei Sachen: Die 300000 KMU in der Schweiz machen pro Jahr 670 Stunden gratis administrative Arbeit. 1987 waren das erst 370 Stunden. Das ist eine starke Belastung. Das andere sind immer mehr Auflagen, die man einhalten muss und die unsere Produkte verteuern.

Aber beides ist doch Bundessache?

Wenn mehrere Kantone gegenüber Bern Druck etwa im Asylbereich aufbauen, kann man etwas erreichen. Der Bundesrat will doch nicht an den Kantonen vorbeipolitisieren. Ich würde zudem mit unseren Aargauer Bundespolitikern und mit anderen Kantonen das Gespräch suchen.

Der Aargau soll weitere 100000 Einwohner aufnehmen. Ist das verkraftbar?

Es kommt darauf an, wie die Zuwanderung aussieht. Der Aargau kann weitere Einwohner aufnehmen, aber es muss erträglich sein. Wir brauchen unsere Erholungszonen. Daher müssen wir verdichteter und in die Höhe bauen sowie Industriebrachen nutzen. Land ist ein kostbares Gut.

Wie viele Einwohner erträgt der Aargau noch?

Ich will mich nicht auf eine Zahl festlegen. 100000 zusätzliche Einwohner kann ich mir jetzt kaum vorstellen. Gewisse Regionen sind schon sehr dicht besiedelt, andere Regionen haben noch Platz für neue Bewohner.

Müsste die Regierung die Zuwanderung steuern?

Die Gemeinden sollen selbst bestimmen, wie sie wachsen möchten. Der Kanton soll nicht von oben herab definieren, welche Regionen noch wachsen sollen. So würde man gewissen Regionen die Luft abstellen. Auch die ländlichen Gebiete benötigen eine Entwicklungsmöglichkeit. Dieser Ausgleich ist enorm wichtig.

Die SVP steht nicht geschlossen hinter dem Atomausstieg. Sie müssten diesen als Regierungsmitglied aber mittragen. Wie geht das?

Ich würde meine kritische Haltung in die Regierung einbringen. Denn ein Ausstieg bis 2035 ist nicht realistisch. Wir beziehen 90 Prozent der Energie im Aargau aus Wasser- und Atomkraft. Ohne gesicherte Alternativen dürfen wir die AKW nicht abschalten. Wir brauchen Energie zu einem bezahlbaren Preis für Private und Firmen, dürfen nicht abhängig werden von Stromimporten und der CO2-Ausstoss darf sich nicht erhöhen.

Was ist in Ihren Augen zu tun?

Die Wasserkraft muss man im Aargau ausbauen. Auch grosse Flusskraftwerke an der Reuss sind zu prüfen. Das Verbandsbeschwerderecht wäre entsprechend anzupassen. Und die AKW müssen sicherer werden. Mit Anlagen der neuen Generation wird man das erreichen. Zugleich sind auch Wind, Sonnenenergie und Geothermie auszubauen. Aber mit diesen erneuerbaren Energien können wir die Energie aus Wasser- und Atomkraft nicht ersetzen. Gaskombikraft wäre ein totaler Rückschritt: wegen des CO2-Ausstosses und der Abhängigkeit vom Ausland.

Der andere Teil ist, Energie einzusparen. Müsste der Kanton weitere Vorschriften erlassen?

Wir sollten nicht alles regulieren und die Eigenverantwortung der Leute nicht unterschätzen. Ein Beispiel: Als ich 1980 die Lehre als Zimmermann machte, hatten die Neubauten eine Dämmung von 8 Zentimetern. Heute sind das 20 bis 40 Zentimeter – ohne Vorschriften. Mit zu vielen Vorschriften bei Um- und Neubauten könnten sogar energetische Sanierungen verhindert werden, weil die Leute mit einem beschränkten Budget sich dies nicht leisten könnten.

Sie sind Inhaber einer Holzbaufirma in fünfter Generation, Dozent an der Techniker- und Fachhochschule und Vater dreier Kinder. Wie geht das als Regierungsrat aneinander vorbei?

Das hat mich meine Frau auch gefragt. Als Regierungsrat hätte ich nur noch einen Job und würde meine ganze Energie darauf verwenden. Alles andere würde ich selbstverständlich aufgeben. Bei meinem Geschäft würde ich die Aktien verkaufen und die Geschäftsleitung übergeben.

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