Sendung: TeleZüri / Zusammenschnitt: gue

TalkTäglich
«Haben Sie das Gefühl, es geht schneller mit der Initiative?» – Nationalrätin Sauter und Pflegefachmann Hässig zur Pflegeinitiative

Die Krise in der Pflege streitet niemand ab. Aber wie muss das Problem angegangen werden? Ist die Initiative der richtige Weg dafür? Die Zürcher Nationalrätin Regine Sauter und Pflegefachmann Patrick Hässig diskutierten im TalkTäglich mit viel Herzblut über die anstehende Abstimmung.

Gülpinar Günes
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«Wir rennen jeden Tag einem Phantom nach, das man vor Jahren hätte fangen müssen», beginnt der Pflegefachmann Patrick Hässig die Diskussionsrunde im vergangenen TalkTäglich auf «TeleZüri». Thema ist die Pflegeinitiative, deren Botschafter er ist. Seine Sparring-Partnerin ist Regine Sauter, Zürcher FDP-Nationalrätin. Es sei, wie wenn man einem Esel ein Rüebli vor die Nase hält. «Er rennt und rennt bis er nicht mehr kann – so fühlen wir uns in der Pflege.»

Die Initiative des Verbands der Pflegefachleute will sowohl die Ausbildung von zukünftigen Pflegerinnen und Pflegern fördern, als auch bessere Arbeitsbedingungen für seine Berufsleute schaffen. Das Parlament jedoch möchte mit einem indirekten Gegenvorschlag 1 Milliarde Franken für die Ausbildung neuer Pflegefachleute zur Verfügung stellen. Laut Regine Sauter habe das Parlament damit das Problem der fehlenden qualifizierten Pflegefachleuten erkannt. «Aber die Initiative ist nicht der richtige Weg dafür – man muss schneller und direkter handeln», verteidigt sie den Gegenvorschlag in der Sendung.

Wohin wollen wir?

«Was ist denn das Ziel, wo wollen wir hin?», fragt Moderator Oliver Steffen die beiden Gäste. Gemäss einer Studie aus dem Jahr 2014 fallen in der Schweiz auf einen Pflegenden rund acht Patienten. In Norwegen seien es nur fünf. «Wenn ich nur fünf Patienten habe, dann kann ich wieder gut pflegen», unterstützt Hässig die Idee, die Patientenzahl auf fünf runterzubringen. Sauter allerdings stellt die Frage, wer denn zuständig dafür sei. «Es kann nicht sein, dass wir das schweizweit definieren.» Das müsse dort geschehen, wo gearbeitet wird. Darum sei es richtig, bei der Ausbildung der Pflegerinnen und Pfleger zu beginnen.

«Die kann man nicht von heute auf morgen aus dem Boden stampfen, auch nicht mit der Initiative.»

«Wir wollten mit der Initiative nicht so weit gehen, aber sie haben die Arbeitsbedingungen gänzlich vom Gegenvorschlag gestrichen», kontert Hässig in der Diskussion, die immer lebendiger und aufgebrachter geführt wird. 40 Prozent der Pflegefachleute würden den Beruf nach nicht einmal fünf Jahren verlassen. Daher müsse man im übertragenen Sinn zuerst die Badewanne zustöpseln bevor man sie mit Wasser füllt. Mit der Initiative sorge man also sowohl für bessere Arbeitsbedingungen und für den Nachwuchs. «Leider haben sie den Stöpsel vergessen», sagt er zu Sauter.

Es wird in beiden Fällen einige Jahre dauern

Mehr als Mittel für die Ausbildung zur Verfügung zu stellen, könne der Bund aber nicht, verteidigt Sauter den Gegenvorschlag weiterhin. Auf die Kritik von Hässig, der Vollzug des Gegenvorschlags dauere mehrere Jahre antwortet sie: «Entschuldigung, aber haben Sie das Gefühl, es geht schneller mit der Initiative?» Eine rhetorische Frage. Der Ausbildungsweg der Pflegefachleute bleibe gleich, aber mit dem Gegenvorschlag würden nach der Abstimmung unmittelbar Mittel dafür zur Verbesserung der Situation vorliegen.

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