Baldeggtunnel
Zurzibieter sind enttäuscht über das Baldeggtunnel-Aus, die Grünen freuen sich sehr

Die Reaktionen zur Beerdigung des Baldeggtunnels könnten nicht unterschiedlicher sein: Sie reichen von bitterer Enttäuschung im Zurzibiet bis zur grossen Freude von VCS und Grünen. Die IG Baldegg krebst zurück und will eine neue Lösung.

Hans Lüthi
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Weniger Stau in Baden – das war ein Ziel des geplanten Baldeggtunnels.

Weniger Stau in Baden – das war ein Ziel des geplanten Baldeggtunnels.

Alex Spichale

Die Überraschung vieler Politiker und Verbände ist Baudirektor Stephan Attiger fast perfekt gelungen. Der VCS Aargau wollte mit einer vorbereiteten Mitteilung gegen den milliardenteuren Baldeggtunnel protestieren und musste rasch eine neue Reaktion zusammenbasteln. Bei den Planungsgruppen aus den tangierten Regionen Baden, Brugg und Zurzach fällt das Echo unterschiedlich aus.

Tief enttäuscht ist Felix Binder, Präsident im Planungsverband Zurzibiet: «Das habe ich nicht erwartet, nach der Präsentation durch den früheren Baudirektor Peter C. Beyeler im November hatte ich ein gutes Gefühl», sagt Binder zur dringend erhofften Verkehrslösung. Allein könne das Zurzibiet nichts bewegen, «aber zusammen mit Baden und Brugg wäre eine politische Akzeptanz möglich gewesen», ist der frühere CVP-Grossrat überzeugt. Die Wirtschaftsförderung im Bezirk habe über 10 000 Unterschriften für den Baldeggtunnel gesammelt, «jetzt weiss ich nicht, wie es weitergeht», betont ein besorgter Felix Binder.

Verständnis für Marschhalt

Weniger dramatisch sehen es die Nachbarverbände: «Grundsätzlich habe ich Verständnis für den Marschhalt. Aber das Ziel muss es bleiben, einen Autobahnanschluss für das untere Aaretal zu finden und Baden und Brugg zu entlasten», betont Daniel Moser, Vizepräsident von Brugg Regio. Vielleicht bringe eine Aufteilung des Verkehrs die Lösung. Nachteile für die geplanten Umfahrungen von Brugg und Windisch sieht Moser keine.

Mehr als gelassen äussert sich auch Markus Dieth, Präsident von Baden Regio, welcher der Regierung zu ihrem Entscheid gratuliert. Beim vorhandenen Verhältnis von Kosten und Nutzen sei der Marschhalt richtig, «um die Lage neu beurteilen zu können».

Für eine neue Lösung will Dieth weiter nach Süden schauen, «denn in Wurfdistanz befindet sich das verkehrstechnische Netzwerk Heitersberg-Mellingen.» Dieses müsse man auf der Suche nach neuen Lösungen unbedingt einbeziehen. Im Baldeggtunnel bestand laut Markus Dieth auch die reale Gefahr einer neuen Einfallsachse, von der deutschen A 98 direkt zur A1/A3 bei Baden.

IG Baldegg will neues Projekt

Noch vor rund einem Jahr forderte die aus den Verkehrsverbänden TCS, ACS, Astag, der Handelskammer und des Gewerbevereins prominent besetzte IG Baldegg die rasche Realisierung des teuren Tunnels. Jetzt hat der Leitende Ausschuss den Verzicht akzeptiert, das Projekt sei ungenügend, die Kosten zu hoch.

Die IG Baldegg stellt strenge Forderungen an den Kanton. Ein neues Gesamtprojekt sei in Jahresfrist vorzulegen, das die drei Ziele erfülle. In einem weiteren halben Jahr müsse die Festsetzung im Richtplan erfolgen.

Vorstellen kann sich die IG Baldegg ein Projekt mit zwei Bauwerken in der tangierten Region. Der bestehende Eintrag im Richtplan dürfe bis zu einer Lösung nicht gelöscht werden. Das ist gemäss Baudirektor Attiger auch nicht vorgesehen.

Von den Verkehrsverbänden hat der VCS Aargau am schnellsten reagiert – obwohl er seine Mitteilung revidieren musste. Jetzt nimmt er den Entscheid der Regierung «mit Genugtuung zur Kenntnis» und fordert, dass in erster Linie Lösungen geprüft werden, die ohne neue Strassen auskommen. Der viel zu teure Tunnel hätte den Regionen «keine nennenswerten Verbesserungen gebracht». Für den VCS zeigt das Scheitern exemplarisch, «dass die Ausbaustrategie an ihre Grenzen stösst».

Freude aus grüner Sicht

Die Grünen bezeichnen das gekillte Projekt als «Bald-weg-tunnel» und betonen, der Regierungsrat habe «die richtige Konsequenz gezogen». Die volkswirtschaftlichen Kosten seien viel zu hoch gewesen. Nötig sei jetzt ein Gesamtverkehrskonzept mit viel Gewicht auf dem öffentlichen Verkehr und dem Langsamverkehr.

Auch die Grünliberalen begrüssen es, dass ihre Forderungen «endlich in die Strassenplanung eingeflossen sind». Siedlung und Verkehr müssten durch ein Gesamtkonzept viel besser abgestimmt werden.