Standortmarketing
Zürich nutzt die Olympischen Spiele für die Imagepflege

Je 300000 Franken bezahlen Stadt und Kanton für ihre Präsenz in London. Doch nicht alle freuen sich über das Engagement. Die SVP beispielsweise hat schon bei der Budgetierung des Projekts Kritik geübt.

Dean Fuss
Drucken
Teilen
Auf der Openair-Bühne vor dem «House of Switzerland» in London werden unter anderem acht Zürcher Bands auftreten

Auf der Openair-Bühne vor dem «House of Switzerland» in London werden unter anderem acht Zürcher Bands auftreten

Keystone

Wenn morgen die Olympischen Spiele 2012 in London eröffnen, hat Zürich dort bereits seit einer Woche für sich geworben. Stadt, Kanton und Zürich Tourismus wollen während der Spiele ihr Image in der Olympiastadt pflegen. Das kostet etwas: Rund 600 000 Franken lassen sich Stadt und Kanton ihren knapp dreieinhalbwöchigen Auftritt im «House of Switzerland» kosten.
«Das ‹House of Switzerland› bietet aus Sicht des Standortmarketings eine Plattform mit einer guten Basis», sagt Anna Schindler, Direktorin der Stadtentwicklung der Stadt Zürich. Die Beziehung zur britischen Hauptstadt sei für Zürich schon immer wichtig gewesen. Weil die Leichtathletik-Europameisterschaften 2014 in Zürich stattfinden, gebe es zudem auch noch einen sportlichen Anknüpfungspunkt.
Der Auftritt Zürichs in London erfolgt im Rahmen des Integrierten Standort- und Destinationsmarketings von Stadt und Kanton Zürich, sowie Zürich Tourismus (ISDM). «ISDM dient dazu, die Führung der Marke Zürich zu beanspruchen und Standortqualitäten in der öffentlichen Wahrnehmung zu verankern und zu fördern», sagt Stephan Laug, Sprecher der kantonalen Volkswirtschaftsdirektion. «Zürich soll nicht nur als Finanzplatz, sondern auch als Wissens- Wirtschafts- und Denkplatz wahrgenommen werden.» Zürich Tourismus hat ähnliche Beweggründe, streicht aber naturgemäss den touristischen Aspekt heraus: «Wir wollen das Image von Stadt und Region stärken und Zürich als attraktiven Standort und besuchenswerte Destination präsentieren», sagt Lilian Spörri, Mediensprecherin von Zürich Tourismus.
Zwischen Life-Science und Musik
Die von den Zürcher Organisatoren eingefädelten Thementage reichen denn auch von Game-Design und Graffiti am Creative Day, bis hin zum Life Science Day. Und auch kulturell wird den Londonern und den Olympia-Besuchern einiges geboten: In der Zürcher Konzertreihe auf der Openair-Bühne vor dem «House of Switzerland» geben sich unter anderem acht Zürcher Bands die Ehre. Bei einer Plakatausstellung werden einander Werke von Gestaltern aus Zürich und London entgegengestellt.
Lohnen sich denn die Investitionen in das Projekt überhaupt? «Die Kosten von 300 000 Franken sind nicht sehr hoch», sagt Schindler. Darin enthalten seien nämlich auch die seit zwei Jahren andauernden Vorbereitungsarbeiten. «Wir erwarten uns von diesem Auftritt schon einiges, sonst hätten wir das Projekt gar nicht erst angestossen», so Schindler. Den Erfolg des Auftritts in Zahlen zu bemessen sei aber schwierig. «Die Auswirkungen werden sich erst nach und nach herauskristallisieren.»
Für SVP eine verpasste Gelegenheit
Nicht alle freuen sich über das Engagement: «Aus unserer Sicht ist ein solcher Auftritt keine Aufgabe der Stadt, sondern von Zürich Tourismus alleine», sagt Roger Liebi, Präsident der Stadtzürcher SVP. Für die Beziehungspflege mit London möge der Auftritt gut sein, aber man habe eine Chance vertan: «Vielmehr benötigt Zürich eine Imagekorrektur für den Finanzplatz. Das ist für die Stadt die grösste Einnahmequelle und nicht Game-Design.» Der Auftritt Zürich sei zudem zu teuer. Deshalb habe die SVP auch schon bei der Budgetierung Kritik geübt.
Beatrice Reimann, Co-Präsidentin der Stadtzürcher SP sieht die Sache positiver: «An einem Anlass dieser Bedeutung darf sich eine Stadt wie Zürich durchaus vor Ort zeigen.»
Seit Freitag ist Zürich im «House of Switzerland» präsent. Und das offenbar erfolgreich: «Die ersten Rückmeldungen aus London sind sehr positiv. Es sind viele Besucher und Touristen da», sagt Schindler.

Aktuelle Nachrichten