Spitalfinanzierung
Zürcher Unispital verliert Patienten aus anderen Kantonen

Die vom Zürcher Regierungsrat festgelegten Grundtarife führten dazu, dass das Unispital Patienten aus anderen Kantonen verliere, klagt dessen ärztlicher Direktor Jürg Hodler. «Das USZ ist konkurrenzfähig», beschwichtigt die Gesundheitsdirektion.

Matthias Scharrer
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Blick auf das Unispital Zürich (Archiv)

Blick auf das Unispital Zürich (Archiv)

Keystone

Die neue Spitalfinanzierung, die seit Anfang Jahr in Kraft ist, sorgt für Unruhe im Universitätsspital Zürich (USZ): «Weil die provisorische Basisrate, die der Zürcher Regierungsrat für das USZ festgelegt hat, über der Basisrate vieler anderer Spitäler liegt, scheuen sich mehrere Kantone davor, uns auf die Spitalliste zu setzen. So gehen uns Patienten verloren», klagte Jürg Hodler, ärztlicher Direktor des USZ, im Interview mit dem «Sonntag».

Und weiter: «Sorgen macht uns, dass die Pauschalen gemäss Swiss DRG (Diagnosis Related Groups) unsere Kosten nicht genügend abbilden. Wir werden zu schlecht entschädigt.» Weniger Patienten aus benachbarten Kantonen, zu wenig Geld für das USZ, das dem Kanton Zürich gehört – wie reagiert die Zürcher Gesundheitsdirektion?

Höhere Kosten

«Die Anliegen der Ärzteschaft im USZ und anderer Universitätsspitäler sind bekannt», erklärt deren Sprecher Daniel Winter – und fügt an: «Im nationalen Wettbewerb unter den Universitätsspitälern ist das USZ sehr wohl konkurrenzfähig.» So sei das USZ im Jahr 2012 auf mehr Spitallisten der anderen Kantone aufgeführt als 2011.

Schwieriger sehe es im Konkurrenzkampf mit Nicht-Universitätsspitälern aus: «Die komplexen Behandlungen im USZ, der 24-Stunden-Dienst auch für sehr schwere Fälle sowie der Zugang der Patienten zu innovativer Technologie führen bekanntermassen zu höheren Kosten als in einem anderen Spital. Es wäre stossend, bei solchen nur die Kosten und nicht auch die Qualität dahinter zu vergleichen.»

Langfristig wünschten deshalb die Universitätsspitäler auch tiefere Pauschalen, dafür Zusatzentgelte. Wie die Kosten der Universitätsspitäler langfristig besser abzubilden seien, müsse auf nationaler Ebene geklärt werden. «Alle Universitätsspitäler haben höhere Kosten als andere Spitäler in der Schweiz. Ob hier Zusatzentgelte oder andere Massnahmen sinnvoll sind, wird in den nächsten Monaten vertieft geprüft», hält Winter fest.

Allgemein Versicherte betroffen

Wie viele Patienten das USZ wegen der neuen Tarife verloren hat, ist unklar: «Es ist noch zu früh, um den Effekt quantifizieren zu können», sagt USZ-Sprecher Gregor Lüthy. «Für einzelne Kantone, die das USZ nicht oder nur für wenige Leistungen auf die Spitalliste genommen haben, zeichnet sich bereits jetzt ein deutlicher Rückgang der Fallzahlen ab.» Betroffen seien allgemein versicherte Patienten, die die Differenz zwischen dem Wohnorttarif und dem Tarif des USZ selber bezahlen müssten.

Beziffern lässt sich laut Lüthy aber die Höhe der Einnahmen, die den Universitätsspitälern aufgrund der Fallpauschalen gemäss DRG entgehen: 350 Millionen Franken. Betroffen seien alle Unispitäler, also auch das Kinderspital und die Uniklinik Balgrist in Zürich, aber auch andere Spitäler, die hochspezialisierte Medizin anböten. Der Fehler liege im System: «Swiss DRG erkennt derzeit nur 60 Prozent der Kosten- und Fallschwereunterschiede», so Lüthy.

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