Statistik
Zürcher Tropfen sind bei den Weinliebhabern nicht so gefragt

Im letzten Jahr wurden weniger Zürcher Weine getrunken als im Vorjahr. Dies geht aus der Statistik des Bundesamts für Landwirtschaft (BWL) hervor. Insgesamt tranken Herr und Frau Schweizer im Jahr 2011 1,3 Millionen Liter Zürcher Weisswein.

Dominic Kobelt
Merken
Drucken
Teilen
Die Zürcher Weinernte war im letzten Jahr deutlich besser als noch 2010.archiv/kob

Die Zürcher Weinernte war im letzten Jahr deutlich besser als noch 2010.archiv/kob

Das sind 68'900 Liter oder 5 Prozent weniger als im Vorjahr. Weniger Einbussen musste der Zürcher Rotwein verbuchen: Der Konsum ging um gute 3 Prozent auf 3,5 Millionen Liter zurück.

Zusammenhang mit Gastgewerbe

Allerdings muss bedacht werden, dass für den Konsum von Wein die im Jahr davor geerntete Menge eine Rolle spielt – unter der stark vereinfachten Annahme, dass mindestens ein grosser Teil des Weines aus dem einen Jahr im Folgejahr getrunken wird. 2010 war ein schlechtes Jahr für Zürcher Weine, betrachtet man die Zahlen des BWL – die Erntemenge 2010 lag bei rund 3,2 Millionen Liter. Im Vergleich: 2011 waren es knapp 3,8 Millionen Liter.

«Der Rückgang des Konsums von Zürcher Wein liegt im Rahmen des allgemein rückläufigen Absatzes von Schweizer Weinen, den das BWL konjunkturell begründet», sagt Othmar Stäheli, Chefredaktor vom «Wine and Spirits»-Journal. Er vermutet einen Zusammenhang mit dem Gastgewerbe: «Im Kanton Zürich, wo fast 100 Prozent der Zürcher Weine konsumiert werden, ist das Gastgewerbe ein überdurchschnittlich wichtiger Absatzkanal», sagt Stäheli.

«In diesem Sektor wurden bekanntlich beim Weinabsatz enorme Einbrüche um über 10 Prozent registriert.» Eine weitere Erklärung sieht Stäheli beim Konsumenten. «Ich nehme an, dass für den Zuwachs beim Absatz von ausländischen Weissweinen nicht zuletzt ein modernerer, eher aufgeschlossener und städtischer Konsument verantwortlich ist.»

Das Wachstum in diesem Bereich gehe aber wohl auf Kosten der einheimischen Weissweine, sagt Stäheli. Es fehle eine Marketing-Gemeinschaft, sagt er. «Die immer wieder bejubelte Vielfalt im Zürcher Weinbau – es sind fast 60 Sorten im Anbau – verhindert einen gemeinsamen Auftritt.» Damit sei auch der Aufbau einer Marke «Zürcher Wein» schwieriger, sagt Stäheli.

Ernte war grösstenteils erfreulich

Erfreulicher als 2010 fiel die Zürcher Ernte im letzten Jahr aus, zumindest gesamthaft betrachtet. Trotz Hagel, Nässe und vielen Wespen sei 2011 für die Zürcher Winzer ein gutes Jahr gewesen, ist dem Bericht des Rebbaukommissariats zu entnehmen: «2011 wird als sehr frühes und hervorragendes Weinjahr in Erinnerung bleiben.» Die Qualität der geernteten Trauben dürfe als hervorragend eingestuft werden, heisst es weiter. Allerdings werden nicht alle Winzer das Jahr in guter Erinnerung behalten: In manchen vom Hagel betroffenen Gebieten, unter anderem in Weiningen, kam es zu erheblichen Ausfällen.

Auch Stäheli sagt, es sei falsch, die Lage allzu negativ zu beurteilen. «Die Vorräte sind zwar überdurchschnittlich, und vor allem beim Weisswein zu gross, aber noch nicht riesig. Das ist eine Folge der relativ opulenten Ernte 2011. Es könnte ja schon 2012 eine etwas bescheidenere Menge eingekellert werden, und die Lage wäre fast wieder ausgeglichen.»