Spitäler
Zürcher Spitäler hoffen auf Beiträge, denn die Ärzteausbildung kostet

Die Spitäler, die im laufenden Jahr noch keine Entschädigung für die Ausbildung der Assistenzärzte erhalten, können hoffen: Die Gesundheitsdirektion hält es für möglich, dass ab 2013 alle Spitäler in den Genuss entsprechender Beiträge kommen.

Alfred Borter
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Ein Assistenzarzt renkt unter Aufsicht eines Arztes einem Patienten die Schulter ein.Peter Mosimann/EQ Images

Ein Assistenzarzt renkt unter Aufsicht eines Arztes einem Patienten die Schulter ein.Peter Mosimann/EQ Images

Die meisten Spitäler im Kanton Zürich sind frustriert: Sie werden im laufenden Jahr für den grossen Aufwand, der ihnen durch die Ausbildung von Assistenzärzten entsteht, vom Kanton nicht entschädigt.

Der Regierungsrat hat beschlossen, dass bloss das Universitätsspital, das Kinderspital, das Stadtzürcher Triemlispital, die Psychiatrische Universitätsklinik sowie mehrere kleinere Psychiatrieinstitutionen 10000 Franken je Assistenzarzt erhalten.

Die anderen gehen leer aus. «Das ist nicht so gut angekommen», erklärt Willy F. Rufer, Geschäftsleiter des Verbands Zürcher Krankenhäuser (VZK). Schliesslich hätten sämtliche Spitäler bei der Ausbildung der Assistenzärzte Kosten zu tragen. Diese entstehen etwa dadurch, dass ein Assistenzarzt die Begleitung durch einen Oberarzt braucht, bis er erfahren genug ist, um ohne eine solche Aufsicht tätig zu sein.

Beitrag gegen den Ärztemangel

Allerdings ist es schwieriger anzugeben, welcher Aufwand einem Spital entsteht, wenn es Assistenzärzte beschäftigt, die noch wenig produktiv arbeiten. Je nach Berechnung kommt man aber auf mehrere 10000 Franken. Dieser Zusatzaufwand wird durch die Fallkostenpauschale nicht gedeckt.

Hoffnung für 2012

Am Limmattalspital werden gegenwärtig 54 Assistenzärzte ausgebildet. Wie Basil Caduff, Chefarzt Medizinische Klinik, erwähnt, nimmt man gerne den Aufwand auf sich, den es bedeutet, den teils frisch vom Staatsexamen kommenden jungen Ärzten die Möglichkeit zu geben, Erfahrungen zu sammeln. «Aber das ist mit Aufwand verbunden», gibt er zu verstehen.

Der Entscheid des Regierungsrats, vorerst bloss einige wenige Spitäler zu entschädigen, schaffe nur böses Blut. Und wenn die Gesundheitsdirektion darauf verweise, die andern Spitäler könnten die Kosten ja mit den Einnahmen decken, die mit zusatzversicherten Patienten zu erzielen seien, müsse er sagen: «Wir schöpfen nicht aus dem Vollen.»

Für ihn ist klar: «Der Kanton soll alle Spitäler mit der gleichen Elle messen.» Er hofft, dass das mindestens ab 2013 so sei. (abr)

Für Willy Rufer ist klar: «Das sind gemeinwirtschaftliche Kosten, die vom Kanton abgegolten werden müssten.» Ein Spital stelle ja Assistenzärzte nicht aus eigennützigen Motiven an, sondern um einen wichtigen Beitrag an die Weiterbildung der Ärzte zu leisten, die später zum Teil als Hausärzte oder in einem Spezialbereich tätig sind.

Eine gerechte Lösung wäre laut Rufer eine Entschädigung an sämtliche Spitäler, die Assistenzärzte ausbilden, und zwar in der Höhe von 20000 oder 30000 Franken. Der Kanton Bern zahle sogar 40000 Franken. Er hofft, dass es schweizweit zu einheitlichen Ansätzen kommt, damit keine Wettbewerbsverzerrungen entstehen. Der VZK, der 21 Spitäler vertritt, will im Mai seine konkreten Vorstellungen formulieren.

«Nicht ungerecht»

Die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich ist dezidiert der Meinung, die jetzt getroffene Lösung sei nicht ungerecht, wie ihr Sprecher Daniel Winter erklärt. Der Kanton richte nämlich gemäss dem Spitalplanungs- und -finanzierungsgesetz genau an diejenigen Betriebe eine Subvention als Beitrag an die Weiterbildung der Assistenzärzte aus, die voraussichtlich keinen oder nur einen geringen Gewinn erzielen.

Die andern Spitäler, die dank der Behandlung von Zusatzversicherten oder dank Einnahmen aus besonders rentablen Bereichen Gewinne erzielen, könnten den Aufwand für die Assistenzärzte daraus decken.

Winter tönt aber unter Hinweis auf die Diskussion über diese Frage auf eidgenössischer Ebene an, ab 2013 «könnten weitere Zürcher Spitäler in den Genuss dieser Beiträge kommen».

Inakzeptabler Entscheid des Regierungsrat

Im laufenden Jahr wendet der Kanton für die Abgeltung der gemeinwirtschaftlichen Leistungen 10 Millionen Franken auf, den Löwenanteil bekommt das Universitätsspital.

Dass die Regierung ihre Praxis ändert, erwartet auch Barbara Federspiel, die Präsidentin der Chefärztegesellschaft des Kantons Zürich. «Was der Regierungsrat für dieses Jahr beschlossen hat, ist nicht zu akzeptieren», sagt sie. Im letzten Jahr seien im Kanton 1789 Assistenzärzte angestellt gewesen, die Mehrzahl davon in nichtuniversitären Spitälern.

Federspiel, selber Chefärztin am Seespital, betont: «Es darf nicht dazu kommen, dass gewisse Spitäler keine Entschädigung erhalten und dann, um Kosten zu sparen, weniger Assistenzärzte anstellen. Sonst würde der Ärztemangel noch mehr verschärft.»

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