Ferieninitiative
Zu viele Ferienwochen gefährden die Arbeitsplätze

Die Gegner der Ferieninitiative, über die im März abgestimmt wird, befürchten steigende Personalkosten und ins Ausland abwandernde Unternehmen.

Dean Fuss
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Mehr Ferien fordert die Initiative. Gegner befürchten, dass mit einer Annahme Arbeitsplätze abgebaut werden müssen. (Archiv)

Mehr Ferien fordert die Initiative. Gegner befürchten, dass mit einer Annahme Arbeitsplätze abgebaut werden müssen. (Archiv)

Keystone

«Wir müssen dafür sorgen, dass die Region ein attraktiver Standort für Unternehmen bleibt», sagte Marc Jaquet, Präsident Arbeitgeberverband Basel, an der gestrigen Medienkonferenz des regionalen Komitees «Nein zur Ferieninitiative» in Basel.

Mehr als 97 Prozent der Unternehmen in der Nordwestschweiz beschäftigen weniger als 50 Mitarbeitende, 99,7 Prozent aller Schweizer Unternehmen unter 250. Und gerade sie würde eine Annahme der Ferieninitiative im März gemäss den Gegnern schädigen.

Trugschluss der Initianten

Die von den Initianten versprochene Entlastung der Arbeitnehmer durch zwei zusätzliche Wochen Ferien sei ein Trugschluss. Stattdessen würden diese zu einer Mehrbelastung für jeden einzelnen Mitarbeiter führen, wie Jaquet, CEO der Jaquet AG, die in Basel rund 140 Angestellte hat, ausführte. «Persönlich stelle ich fest, dass sich mein Stress nicht reduziert, wenn ich viel Ferien nehme. Bis zur Rückkehr ins Büro sammelt sich dann einfach alles auf meinem Arbeitstisch an.»

Auch die Baselbieter CVP-Präsidentin Sabrina Mohn argumentierte in diese Richtung: «Längere und mehr ferienbedingte Absenzen haben mehr Stellvertretungen zur Folge.» Diese könnten nicht immer durch eine zusätzliche Arbeitskraft ausgeglichen werden, «oftmals müssen Mitarbeiter ihre Kollegen vertreten».

Bundesrat zieht massgeschneiderte Lösungen vor

Der Basler Gewerbeverbandsdirektor Peter Malama erläuterte die enormen Auswirkungen einer Annahme an einem einfachen Beispiel: «Für eine Firma mit 9 Mitarbeitenden bedeutet dies, dass das Unternehmen während zusätzlich 18 Wochen, also während insgesamt 54 Wochen im Jahr, auf seine Mitarbeitenden verzichten muss.» Weil es dadurch schwieriger werde, verlässlich zu planen, drohe den Unternehmen ein möglicher Abbau von bestehenden Arbeitsplätzen.

«Wir haben in der Schweiz bereits jetzt sehr hohe Lohnkosten», bemerkte Nicole Weiland, CEO des Allschwiler Life-Science-Unternehmens Xenometrix AG. «Wird die Initiative nicht abgelehnt, würde die Abwanderung vieler Firmen ins Ausland weiter begünstigt.»

Bundesrat und Parlament hatten das Begehren abgelehnt, weil sie massgeschneiderte Lösungen einer einheitlichen Regelung vorziehen. Dem stimmt Barbara Gutzwiler, Direktorin des Basler Arbeitgeberverbands, zu. Mit der Annahme der Ferien-Initiative riskiere die Schweiz den Vorteil der tiefen Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Ausland. «Gerade die starren Lösungen nehmen dem Werkplatz in der Krise die Flexibilität.»

Auch der Zeitpunkt passt nicht

Die Gegner kritisieren auch den Zeitpunkt. «Die Annahme der Ferieninitiative alleine könnte unser Unternehmen noch verkraften, aber in Verbindung mit dem starken Franken ist für einen Exporteur im Moment jegliche Erhöhung der Produktionskosten ein Problem», sagte Theodor Burckhardt, CEO des Basler Unternehmens Christoph Burckhardt AG. «Der Zeitpunkt ist natürlich gerade jetzt doppelt schlecht», pflichtete ihm Jaquet bei. Für ihn ändere sich aber auch zu einem späteren Zeitpunkt nichts. Längerfristig würde die Initiative der Attraktivität des Wirtschaftsstandortes schaden.

«Ich denke, spontan würde sich jeder freuen, wenn man ihm mehr Ferien anbietet», führt Jaquet aus. Wenn man aber die Folgen für die Sicherheit des eigenen Arbeitsplatzes und vielleicht auch für denjenigen der Kinder bedenke, so könne wohl jeder die Gedankengänge und die Schlussfolgerung des Komitees nachvollziehen. «Deshalb sehe ich dieser Abstimmung auch mit positiven Gefühlen entgegen.» Mitarbeit: öpf