Simonetta Sommaruga
«Wunschdepartement – plus die Justiz»

Die Berner Vorortsgemeinde Köniz empfängt ihre neue SP-Bundesrätin Simonetta Sommaruga mit einem Volksfest.

Samuel Thomi
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Solothurner Zeitung

«Bernmobil gratuliert Frau Sommaruga zur Wahl!» – Nach dem offiziellen Empfang im Berner Rathaus kehrte die neue SP-Bundesrätin Simonetta Sommaruga mit ihrer Entourage gestern Vorabend mit einem entsprechend beschrifteten Bus zurück in die Wohngemeinde. Von ihren einstigen Untergebenen, der Feuerwehr Köniz, wurde Sommaruga bei der Kirche empfangen. Durch ein Tunnelwerk von Wasserschläuchen, vorbei an viel Volk und Freunden, führte der Weg in den Schlosshof. Da war ein Fest mit Ansprachen, Gratis-Bratwürsten und -Getränken vorbereitet.

Whiskey für ruhigere Stunden

«Bundesratsfeiern sind stets unvorhersehbar», kommentierte Gemeindepräsident Luc Mentha. «So bin ich beispielsweise eben erst aus den lang geplanten Schottlandferien zurück.» Und darum, so der SP-Grossrat, habe er seiner einstigen Gemeinderatskollegin auch eine Flasche Whisky mitgebracht: «Für ruhigere Stunden.»

«Wir sind trotz allem nicht nur ein Vorort von Bern», rief Christian Burren den mehreren hundert Gästen in Erinnerung. Dazu überreichte der Präsident des Gemeindeparlamentes Sommaruga eine zweiseitige Fotografie: auf der Vorderseite der Blick übers hügelige Könizer Hinterland auf die Hauptstadt. Und auf der Rückseite der Blick vom Bundeshaus auf Köniz’ dicht bebautes Dorfzentrum.

Noch kein Rücktrittsschreiben

«Mit deiner Wahl, liebe Simonetta, entstand bei mir und vielen anderen ein gutes Gefühl», sagte Annemarie Berlinger. Obschon Politik als «knallhartes Geschäft» gelte, so die lokale SP-Präsidentin, «ist Vertrauen extrem wichtig». «Gerade die letzten Tage haben dies erneut verdeutlicht», spielte sie auf die viel diskutierte Departementsverteilung im Bundesrat an.

Dieses «gute Gefühl», so Berlinger, habe mit Sommarugas «Nähe zur Basis» zu tun: «Dich verstehen wir. Und du interessierst dich für uns.» Das dürfe sie sagen: «Bis jetzt zumindest habe ich noch kein Rücktrittsschreiben für deine Vorstandstätigkeit erhalten.» Die Pointe sitzt, Gelächter breitet sich aus im Schlosshof.

Die Erwartungshaltung steigt: Wann spricht sie? Dann gehts schnell: Simonetta Sommaruga steigt auf die Bühne und nimmt das Mikrofon. Statt wie geplant erst vor geladener Schar beim Dinner in der Turnhalle zu reden, bedankt sie sich bei den Könizerinnen und Könizern sowie allen Bernerinnen und Bernern, dass sie als gebürtige Aargauerin trotz mangelhaftem Berndeutsch in den letzten 14 Jahren «gut aufgenommen» wurde: Nur ein Jahr, nachdem sie zu ihrem langjährigen Partner und heutigen Ehemann Hans-Rudolf Lehmann aka Lukas Hartmann in den Spiegel zog, wurde sie Gemeinderätin. «Diese Offenheit hat unser Land reich gemacht, nicht nur wirtschaftlich, sondern auch an Erfahrungen.» Nur die Politik könne jedoch ein Leben in Frieden garantieren. Dazu wolle sie ihr Bestes geben.

«Man sagte, ich werde abgeschoben»

Auf dem Weg dazu dürfe man etwaige Auseinandersetzungen jedoch nicht scheuen, so Sommaruga. Diese Lust am Politisieren habe ihr die SP Köniz jedenfalls nie nehmen können. Sommaruga erinnert beispielsweise an die Ressort-Zuteilung 1997 im Gemeinderat. Die Konsumentenschützerin und Neo-Politikerin erhielt da die Feuerwehr und den Zivilschutz zugeteilt: «Man sprach damals ebenfalls davon, ich werde abgeschoben.» Doch: «Jetzt kann ich es Ihnen ja sagen: In Wahrheit wünschte ich mir da die Polizei.» Nach der viel diskutierten Bundesratsrochade vom Montag sei klar: «Jetzt habe ich mein Wunschdepartement. Und dazu noch die Justiz», so die neue EJPD-Vorsteherin.

Das Publikum lacht und klatscht. Ein Lächeln huscht auch über Simonetta Sommarugas ansonsten ernsthaftes Gesicht; dann steigt sie von der Bühne und bahnt sich händeschüttelnd einen Weg durch die Menge.