Dietikon
«Wo ist denn das ‹cis›?» - Bei der Sanierung von Orgelpfeifen kann die Übersicht schon einmal verloren gehen

Gleich zwei Limmattaler Kirchgemeinden sanieren dieses Jahr ihre Orgel.

Flurina Dünki
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Orgelsanierung
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wird auch die Kirchenorgel der reformierten Kirche Schlieren
bei Metzler Orgelbau aufgebaut, um sie zu sanieren.

Orgelsanierung

Flurina Dünki

Einen so gedrängten Zeitplan hätten sie nicht oft, gibt Mathias Metzler zu. Im Dietiker Orgelbauunternehmen, dass er mit seinem Bruder Andreas führt, herrscht seit Anfang Jahr Hochbetrieb. Sowohl die katholische Kirchgemeinde Dietikon wie auch die reformierte Kirche Schlieren wollten 2016 ihre Orgeln frisch saniert sehen. «Während die Orgel der Dietiker St. Agatha-Kirche einer einfachen Revision unterzogen wurde, ist der Aufwand für die Schlieremer Orgel schon einiges grösser», sagt Mathias Metzler. Die Arbeit an letzterer müsse man eher als Neubau denn als Revision bezeichnen.

Von Grund auf neu

Die Technik der von Metzler erbauten und 1936 in der reformierten Kirche Schlieren eingeweihten Orgel sei mit dem Alter zunehmend störungsanfälliger geworden und habe nicht mehr zuverlässig funktioniert, so Mathias Metzler. Aus klimatischen Gründen waren zudem viele Teile nicht mehr brauchbar. Die Orgel muss also bis auf die Pfeifen praktisch von Grund auf neu gebaut werden. «Optisch gefällt die Orgel den Schlieremern sehr, weshalb wir an der Erscheinung bis auf den nun eingebauten Spieltisch nichts verändern werden», sagt Metzler.

«Wo ist denn das ‹cis›?», fragt Mathias Metzler in der Pfeifenwerkstatt seinen Angestellten. Bei o vielen Orgelpfeifen, die es zu restaurieren gilt, kann schon einmal die Übersicht verloren gehen. In der Werkstatt stehen die grossen Klangkörper stolz der Grösse nach im Raum. Die kleinen Orgelpfeifen ähneln aneinandergereiht einem hochpolierten Munitionslager. «Wir machen Munition für Musik», betont Mathias Metzler.

Das ursprüngliche Pfeifenwerk wird von den Orgelbauern nach Reinigung und Ausbau wieder eingebaut, ebenso zwei Original-Blasbälge. Wenn die Bestandteile noch funktionierten , so Mathias Metzler, gäbe es keinen Grund, sie auszuwechseln. Zudem könnten Neuproduktionen der Teile, die nun aus der alten Orgel übernommen worden seien, für die Kirchgemeinde in die Hunderttausende Franken gehen. Die Totalsanierung der Schlieremer Orgel wird noch bis im Juni andauern.

Tiefer Bass für Dietikon

Auch wenn die St. Agatha-Orgel die kleinere Überholung hinter sich hat, so dürfen die Orgelbauer nicht weniger stolz auf ihr Werk sein. Bei ihr wurde nicht das Äussere, sondern der Klang ausgebaut, indem – speziell auf Wunsch des Organisten Bernhard Hörler – das Tiefbassregister Subbass 32’ eingebaut wurde, das noch tiefere Basstöne erzeugt. Die extrem tiefen Schwingungen des neu eingebauten Registers seien für den Kirchenbesucher durchaus wahrnehmbar, ist Metzler überzeugt: «Mit seinen 30-Hertz-starken Schwingungen verleiht der Subbass 32’ der Orgel zusätzliche Gravität.» Der Kirchenbesucher dürfte also die Bass-Schwingungen vom Fussboden her spüren.

Die sanierte Orgel der St. Agatha-Kirche Dietikon mit dem neuen Subbass 32› wird am Freitag, 1. April um 18.40 Uhr mit einer «Feierabendmusik Spezial» eingeweiht.