Schlieren
Wo früher gedruckt wurde, hat es heute eine Piazza

Die Mitarbeitenden des Schlieremer Traditionsunternehmens Zühlke haben ihre neuen Büros in der ehemaligen NZZ-Druckerei bezogen. Damit sie sich dort gut austauschen können, setzt die neue Architektur auf viel Offenheit und Glas. Dies machte aber auch verschiedene Sicherheitsvorkehrungen nötig, damit die Vertraulichkeit gewährleistet bleibt.

Alex Rudolf
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Ein Rundgang durch die ehemalige NZZ-Druckerei
17 Bilder
Noch ist vor dem Gebäude, wo dereinst ein Platz entstehen soll, eine Baustelle.
Im Inneren nehmen die Büroräume allmählich Gestalt an.
Bei dieser Erweiterung habe man geschaut, dass die Materialien zum bestehenden Bau passen würden.
Hier wird Halter ab Ende dieses Jahres seinen Sitz einrichten.
Gianfranco Basso von Swiss Prime Site erklärt, man wolle einen Ort schaffen, wo man sich austauschen könne.
Markus Thoma von Zühlke zeigt hinter die Fassade des Innovation-Unternehmens.
Auf dieser Tribüne kann man essen, sich unterhalten oder arbeiten.
Sie steht inmitten der grossen Piazza, wie sie Zühlke nennt. Ein Raum mit Mensa und Arbeitsplätzen.
Zahlreiche gestalterische Element wurden von der ehemaligen Druckerei übernommen.
Im 20 Meter hohen Raum, wo früher die Druckerei steht, wurden Böden eingebaut, die mit dieser Holztreppe verbunden sind.
Den Zühlke-Mitarbeitern scheint ihr neues Zuhause zu gefallen.
In den Sitzungszimmern ist der Boden jeweils in unterschiedlichen Farben gehalten.
Doch nicht nur der Boden unterscheidet sich: So sind die Sitzungszimmer für verschiedene Arten von Meetings konzipiert.
Bei Zühlke munkelt man scherzhaft, dass es sich hierbei um das längste Whiteboard Europas handelt.
Durch diese Luken konnte man früher hinein zu der massiven Druckmaschine schauen.
In der Prototypen-Werkstatt gleich neben der Rezeption wird getüftelt.

Ein Rundgang durch die ehemalige NZZ-Druckerei

Limmattaler Zeitung

Dass hier noch vor wenigen Jahren eine imposante Druckmaschine tagtäglich in Betrieb war und zahlreiche Zeitungen und andere Publikationen herstellte, kann man sich nur schwer vorstellen. Die rund 20 Meter hohe Halle am Ostende des ehemaligen NZZ-Areals ist seit einigen Wochen der neue Standort von Zühlke. Das Schlieremer Traditionsunternehmen zügelte vom Rietbachquartier an die Zürcherstrasse 39, wo heute rund 450 Arbeitsplätze zur Verfügung stehen. Aktuell sind jedoch nur wenige besetzt. Es sei Ferienzeit und viele Mitarbeitende seien nach wie vor im Home Office, sagt Markus Thoma. Er ist Head of Facility Management bei Zühlke, kennt das Gebäude aus dem Effeff und gewährte der «Limmattaler Zeitung» einen Blick in den neuen Sitz des Innovationsdienstleisters.

Wie bei anderen Unternehmen bildet auch hier die Mitarbeiterkantine das Herzstück des Gebäudes. Die Bezeichnung Kantine wird dem Raum, der sich gleich neben der ehemaligen Druckereihalle befindet, aber nicht gerecht. So befinden sich hier neben dem Bereich für die Essensausgabe und neben zahlreichen Tischen auch mehrere Arbeitsebenen. Etwa eine mit dunklem Holz ausgekleidete Tribüne, auf der dank kleiner Tische individuell gearbeitet werden kann. Dahinter verbirgt sich ein Konferenzraum mit riesigen Flachbildschirmen, gegenüber davon zwei durch Glasscheiben abgetrennte Sitzungszimmer. Dank der überhohen Räume befinden sich auf den abgetrennten Sitzungszimmern verspielte Ecken, in denen ebenfalls alleine oder in Teams gearbeitet werden kann. Dass sich die Mitarbeiter bereits eingelebt haben, zeigt eine Discokugel, die behelfsmässig an einer Lampe angebracht wurde. Daneben befindet sich ein roter Knopf. Werde dieser betätigt, wird die Kugel beleuchtet und beginnt zu rotieren. «Das heisst, dass bald ein Spontan-Apéro stattfindet», so Thoma.

Auf 2500 Quadratmetern wird gearbeitet und gegessen

«Der Austausch unter den Mitarbeitern wurde zusehends wichtiger. Es war für uns zentral, dass dieser in einer angenehmen Umgebung stattfinden kann», so Thoma. Damit es im rund 2500 Quadratmeter grossen Mensa-ArbeitsRaum, Zühlke nennt ihn treffenderweise Piazza, nicht zu laut wird, hängen schalldämpfende Elemente an der Decke. Die Stahlrohre darüber stammen noch aus der Zeit, als hier Zeitungen gemacht wurden. In der mit vier Zwischenböden ausgestatteten ehemaligen Druckereihalle gleich neben der Piazza befinden sich die eigentlichen Büroplätze. Doch auch dieser Begriff ist nur wenig akkurat. So sind auch hier auf jedem Geschoss zahlreiche Sitzungszimmer zu finden. In durch Stellwände getrennten Arbeitsbereichen erhalten die Mitarbeitenden ihre Privatsphäre, wenn sie dies wünschen.

«Die Vergangenheit soll sichtbar bleiben»

Der Umbau und die Erweiterung des ehemaligen NZZ-Areals in Schlieren sei oftmals ein Balanceakt, sagt Gianfranco Basso. «Einerseits soll die Vergangenheit des Gebäudes als Druckerei und Vertriebszentrum sichtbar bleiben und andererseits wollen wir modernste Arbeitsplätze erstellen.» Basso ist Head Construction und Mitglied der Geschäftsleitung der Swiss Prime Site Immobilien (SPS), welche die Liegenschaft seit 2015 besitzt und sie bis 2022 entwickelt.

Der Hallenbau direkt an den SBB-Gleisen, der 2016 über zwei Monate von einem Gastro-Unternehmen zwischengenutzt wurde, ist das Herzstück des Areals. Das oberste Geschoss, das wie ein Kreuz auf dem Gebäude liegt und teilweise aufgestockt wurde, wird derzeit zu Arbeitsplätzen ausgebaut. Hier wird der Bau- und Immobiliendienstleister Halter ab Ende 2020 seinen Hauptsitz einrichten. Wie dereinst gearbeitet wird, lässt sich bereits heute erahnen. So sind die Flächen – es handelt sich um rund 5000 Quadratmeter auf mehreren Geschossen – offen gestaltet und lediglich von Holzkuben gegliedert. Diese dienen dereinst als Sitzungszimmer oder ruhige Arbeitsplätze. «Die rund 250 Mitarbeiter sollen sich in dieser offenen Umgebung austauschen können», so Basso. Da die Fassade der Aufstockung wurde in der ähnlichen Stahl- und Glaskonstruktion erreichtet sei wie die bestehende Druckerei, füge sich das neue Bauteil gut in die bestehende Struktur ein.

Von den rund 24000 Quadratmetern Nutzfläche in den beiden Gebäuden Hallen- und Kopfbau sind bereits rund 75 Prozent vermietet. Neben Halter verlegte auch Zühlke seinen Hauptsitz an die Zürcherstrasse 39. «Nicht nur innerhalb der einzelnen Büroflächen sollen sich die Mitarbeiter austauschen, das soll auch ausserhalb geschehen», erklärt Basso. So entstehen auf dem ganzen Areal grosse öffentliche Bereiche mit verschiedenen Gastroangeboten. Im Erdgeschoss des Kopfbaus, jener mit der Glasfassade gegen die Zürcherstrasse, wird im April 2021 ein Restaurant mit Terrasse eröffnen. Betrieben wird es vom selben Gastronomen, der die Zwischennutzung in der Halle organisierte.

Aber auch Plätze im Aussenraum sollen den Austausch unter den Mitarbeitern und Besuchern erleichtern. «Auf diese Weise lassen sich möglicherweise neue gemeinsame Projekte oder Ideen realisieren, die ohne den Austausch nicht möglich gewesen wären», sagt Basso.

Bis Frühling 2021 sollen die Arbeiten an Kopf- und Hallenbau vollbracht sein, sodass nur noch der Innenausbau durch die Mieter erfolgen muss. Dieser sei in der Regel weniger lärmintensiv. Aktuell können noch Büroflächen von 240 bis 700 Quadratmeter im Kopfbau sowie zwei Hallen mit 700 und 1500 Quadratmetern gemietet werden.
Das Areal trägt den Namen JED, was für Join, Explore und Dare (Beitreten, Entdecken und Wagen). «Mit diesen Stichworten wird das Potenzial zusammengefasst, das wir bei der ehemaligen Druckerei sahen. Es soll ein Zentrum für Wissenstransfer und Innovation werden», so Basso.

Bald beginnen auch die Bauarbeiten des dritten Teilstücks, dem Neubau 2226 (die «Limmattaler Zeitung» berichtete). Eine rechtskräftige Baubewilligung liegt vor. Im Gebäude, das energetisch autark funktionieren wird, werden weitere rund 14000 Quadratmeter Nutzfläche geschaffen. Es kommt ohne Heizungs-, Lüftungs- und Kühlungsanlagen aus. Ist es Ende 2022 fertiggestellt, werden auf dem ganzen Areal bis zu 2000 Personen arbeiten.

Ein Lift verbindet die Geschosse in der ehemaligen Halle miteinander. «Dieser wird bislang jedoch sehr selten genutzt, da es die Mitarbeiter schätzen, durch das Treppensteigen ein wenig in Bewegung zu kommen und so auch das Büro besser zu erleben», erklärt Thoma. Die Holztreppen sind wohl die Hauptattraktion. Sie werden aber auch aus einem anderen Grund rege genutzt. So verfügt jede Etage über einen sogenannten Service-Point. Im offenen Holzkubus können sich die Angestellten mit dem Nötigsten wie Wasser und Briefpapier versorgen und gebrauchtes Geschirr deponieren. Eine Kaffeemaschine fehlt jedoch. «Das ist seit den Gründungsjahren ein Grundsatz von Zühlke. Die Mitarbeitenden sollen sich bei der zentralen Kaffeemaschine treffen und sich so austauschen», sagt Thoma. Zwar komme hin und wieder eine Anfrage, ob nicht doch eine Maschine von Zuhause aus mitgebracht werden könne. Erkläre man die Motivation dahinter, würden die Angestellten aber Verständnis zeigen.

Neben der Rezeption wird in der Werkstatt getüftelt

Gleich neben dem Haupteingang, wo sich die Rezeption befindet, platzierte man auch das wohl ursprünglichste der Geschäftsfelder von Zühlke. Hier befindet sich die Prototypen-Werkstatt, wo diverse Teile hergestellt werden. Anhand von detaillierten Plänen wird in der Fünfachsen-Fräsmaschine ein kleines Stück Metall geformt. Wofür es genau bestimmt ist, muss ein Geheimnis bleiben.
Geheimhaltung ist ohnehin zentral, wenn es um Innovation geht. Damit dennoch ein offenes Betriebsklima geschaffen werden konnte, kleidete man die Glasscheiben der Sitzungszimmer auf der Zühlke-Piazza mit einer Spezialfolie aus. Sie macht das auf den grossen Bildschirmen Gezeigte von Ausserhalb des Raums unkenntlich.