Huttwil
Wird der Mohren zum Mohrenkönig?

Der Hotelier Fritz Graber macht im Streit um den Namen einen Kompromissvorschlag. Dieser scheint nun auf gutem Weg zu sein. Aus dem Mohren könnte folglich schon bald ein kleiner Prinz werden.

Bruno Utz
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Jetzt zeichnet sich eine Lösung ab für den Huttwiler «Mohren».

Jetzt zeichnet sich eine Lösung ab für den Huttwiler «Mohren».

Solothurner Zeitung

Mit seinem Gesuch, das «Mohren»-Wirtshausschild durch eines mit der Bezeichnung «Zum kleinen Prinz» zu ersetzen, löste der Huttwiler Hotelier und Gastwirt Fritz Graber im vergangenen Sommer ein veritables mediales Erdbeben aus. Journalisten aus dem In- und Ausland erkundigten sich bei Graber, was es mit dem Namenswechsel des urkundlich bis ins Jahr 1469 zurückreichenden «Mohren» auf sich habe. Vor allem ausländische Hotelgäste täten sich schwer mit dem Namen «Mohren», die Bezeichnung werde als rassistisch empfunden, erklärte Graber.

Sein Reklamegesuch landete schliesslich auf dem Tisch des Regierungsstatthalteramtes von Martin Sommer und der dort zuständigen Bauinspektorin Heidi von Arx. Und es gab Einsprachen. Unter anderen die Einwohnergemeinde, die Burgergemeinde, die Herdgemeine und der Huttwiler Verschönerungsverein wollten, dass der «Mohren» der «Mohren» bleibt. Ende Oktober informierte Sommer über die «sehr konstruktiv» verlaufene Einigungsverhandlung.

Gemeinde gibt sich bedeckt

Darauf reagierte Graber mit einem neuen Vorschlag: Das Hotel soll «Kleiner Prinz» heissen, das Restaurant den Namen «Mohrenkönig» erhalten, wie der «Unter-Emmentaler» in seiner jüngsten Ausgabe berichtet. Gemäss Heidi von Arx haben die Einsprecher noch bis am 3. Januar Zeit, ihre Meinung kundzutun: «Danach entscheidet der Regierungsstatthalter und informiert die Öffentlichkeit.»

Was der Gemeinderat vom neuen Vorschlag Grabers hält, will Gemeindepräsident Hansjörg Muralt (SVP) nicht sagen. «Alle Einsprecher haben beschlossen, dass der Regierungsstatthalter informiert.»

Weniger zugeknöpft gibt sich Fritz Graber. «Ich weiss bisher von keiner Einsprache. Und bei ihrem Besuch äusserte sich auch die Vertreterin der kantonalen Denkmalpflege sehr positiv.» Die beiden neuen Namen seien ein Kompromiss, der offenbar gut ankomme. «Ich habe seit vielen Jahren nach einer für alle Seiten akzeptablen Lösung gesucht. Mit dem ‹Mohrenkönig› hoffe ich die vielen Huttwilerinnen und Huttwiler zufrieden zu stellen, denen der ‹Mohren› am Herzen liegt.»

Ein Problem hat Graber jedoch übersehen: «Mohrenkönig» hat die Heimberger Chocolat Ammann AG vor Jahrzehnten als Marke für ihre in gelber, blauer oder roter Alufolie eingewickelten Mohrenköpfe eintragen lassen. «Wenn der Huttwiler ‹Mohren› ein schlecht geführter Betrieb oder gar ein Drogenumschlagplatz wäre, dann würden wir uns gegen die Namenverwendung wehren. Das ist er aber nicht. Deshalb unternehmen wir nichts», sagt Direktor Peter Ammann. Die mit Eiweiss-Zucker-Schaum gefüllte Süssigkeit ist übrigens immer noch mit Mohrenkopf angeschrieben. In der Korrespondenz und auf den Fakturen werde jedoch der politisch korrekte Begriff «Schoko-Köpfli» verwendet, sagt Ammann.

Übrigens: Im Restaurant bietet Fritz Graber seinen Gästen auch Mohrenköpfe an. Allerdings von Dubler, der Konkurrenz von Ammann. Peter Ammann: «Es wäre schön, wenn im künftigen Huttwiler ‹Mohrenkönig› Mohrenkönige von uns auf den Tisch kämen.»

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