Wiedlisbach
Wird das Wiedlisbacher Städtli zum Wohnquartier?

Mit der Ortsplanungsrevision und dem Richtplan Städtli werden derzeit die Bauvorschriften im Herzen der Gemeinde Wiedlisbach diskutiert. Das Netzwerk Altstadt bezeichnet die Ausgangslage im Zentrum mit Städtli und Vorstadt als gut.

Andrea Marthaler
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Alte Plakate blättern von der Wand.
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Der Schandfleck im Städtli.
Im Restaurant Bürgerhaus gibt es schon länger nichts mehr zu essen.
Das Städtli in Wiedlisbach soll umgestaltet werden

Alte Plakate blättern von der Wand.

ama

Gleichzeitig wurde aber eine Arbeitsgruppe Städtli Anfang dieses Jahres gebildet mit dem Ziel, die Altstadt ganzheitlich zu betrachten und Massnahmen zur Verbesserung der Situation zu schaffen. Denn in den letzten Jahren hat sich das Gewerbe aus dem Städtli zurückgezogen und von drei grossen Gasthöfen hat einer bereits geschlossen.

«Wir wollen mit kleinen Massnahmen auf die Veränderungen reagieren», erklärte Gemeindepräsident Martin Allemann am Montagabend an einem von knapp 50 Personen besuchten Informationsanlass. An diesem ging es vorerst darum, die Ausgangslage aufzuzeigen und die Bevölkerung zu einer ersten Diskussion einzuladen.

Der Ingenieur Paul Dominik Hasler vom Netzwerk Altstadt, einem Kompetenzzentrum für Altstadtfragen, beurteilte die Ausgangslage in Wiedlisbach als gut: «Wenn man die Gesamtsituation inklusive Vorstadt betrachtet, treffen wir eine gute Situation an. Die effektiven Probleme sind gering, allerdings gibt es gewisse Gefahren.»

Städtli primär als Wohngebiet

Auf die Gefahren ging der Architekt Urs Brülisauer, ebenfalls vom Netzwerk Altstadt, in seinem Referat näher ein. So sei Wiedlisbach wie auch andere Altstädte vom Rückzug des Detailhandels betroffen. Dieser suche sich ausserhalb der Zentren grosse Flächen. Brülisauers Vision ist deswegen ein Städtli, das hauptsächlich als Wohnzone genutzt wird: «Das Städtli hat Kapital, ist als Einheit erhalten und bietet gute Wohnlagen.» Insbesondere gebe es schöne Aussenflächen mit Gärten.

Gleichzeitig gelte es aber auch, dem noch verbleibenden Gewerbe Sorge zu tragen. Insbesondere drängt sich die Frage auf, wie die drei grossen Gasthöfe erhalten bleiben können. Für diese müsse eine wirtschaftliche Basis geschaffen werden. Auch für Läden sieht Brülisauer Potenzial: «Allerdings eher Liebhabergeschäfte, die zum Beispiel von Pensionären oder Hausfrauen betrieben werden, die nicht davon leben müssen.» In der Vorstadt, im Osten und im Westen des Städtlis, haben sich dagegen der Detailhandel sowie Dienstleistungsbetriebe und Gastronomie etablieren können.

Haltungen gehen auseinander

In der Diskussion zeigte sich, dass die Vorstellungen bezüglich des Städtlis auseinanderdriften. «Mit reiner Wohnnutzung wird es zu einem toten Quartier wie die Vororte von Bern werden. Die Wohnnutzung macht nur Sinn, wenn es gleichzeitig Events gibt und das Komerzielle auch stimmt», meldete sich ein Votant. Ein Anwohner widersprach dem: «Für Anwohner ist es nicht von Vorteil, wenn das Städtli zu einer Festhütte wird, im Gegenteil.» Er bemerkte zugleich, dass fast keine Familien mit Kindern in der Altstadt leben. «Wir müssen diese attraktiver für Familien machen.»

Als Problem kristallisierten sich die Parkplätze heraus. Diese sind derzeit gelb als Privatparkplätze markiert. «Das zeigt Besuchern gegenüber eine abweisende Haltung. Dabei wollen wir die Leute herbringen», so eine Äusserung. Wie dies allerdings geändert werden könnte, ist fraglich. Denn die Gewerbetreibenden sind auf die Parkplätze angewiesen. «Meine Kunden wollen zum Kiosk zufahren. Sind die Parkfelder nicht privat, parkieren andere stundenlang davor», äusserte sich die Betreiberin des Städtlikiosks.

Konzept wird erstellt

Pfannenfertige Lösungen wurden am Montagabend keine präsentiert. Aber darum ging es auch gar nicht. «Wir wollten zeigen, wie komplex und vielschichtig das Thema ist», sagte Allemann. In einem nächsten Schritt wird die Arbeitsgruppe zusammen mit dem Gemeinderat und dem Netzwerk Altstadt ein Nutzungskonzept vorschlagen. Die erstellte Städtlianalyse wird zudem ab dem 5. Mai auf der Gemeindehomepage aufgeschaltet.

Anregungen für Massnahmen gab Urs Brülisauer an einzelnen Beispielen bereits am Montag. So müsse man sich überlegen, wie das Depot am Bahnhof genutzt werden könnte. «Vielleicht könnte man daraus ein Museum fürs Bipperlisi machen oder es mit dem Museum im Kornhaus verknüpfen», schlug Brülisauer vor. Gerade das Kornhaus habe Potenzial, wobei die Besucherfrequenz gesteigert werden müsste. Weiter habe Wiedlisbach tolle Brunnen: «Man könnte das Thema Wasser in der Gasse in Szene setzen.» Ein besonderes Augenmerk gelte aber, so Brülisauer, dem Städtli als Einheit.