SC Langenthal
«Wir sind in Schoren an der oberen Grenze»

Der Eishockeyspieler Alex Chatelain leitet seit einem halben Jahr die Nachwuchsabteilung des NLB-Vereins. Nach mehreren Jahren in der höchsten Liga, hauptsächlich beim SC Bern, wechselte der Eishockeyprofi letzten Dezember zum SC Langenthal (SCL).

Tobias Granwehr
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Alex Chatelain

Alex Chatelain

Solothurner Zeitung

Alex Chatelain macht zurzeit keine leichte Phase durch. Nach mehreren Jahren in der höchsten Liga, hauptsächlich beim SC Bern, wechselte der Eishockeyprofi vergangenen Dezember zum SC Langenthal (SCL). Mit seiner Erfahrung sollte Chatelain zu einem Leistungsträger in der Mannschaft werden. Jetzt ist der 32-Jährige vorderhand zum Zuschauen verdammt. Er muss sich kommende Woche zum zweiten Mal in diesem Jahr am rechten Knie operieren lassen. Wann der gebürtige Bündner aufs Eis zurückkehrt, ist deshalb nicht absehbar. «Das ist ein Rückschlag», sagt Chatelain. Nach der ersten Operation im Sommer habe es gut ausgesehen; er habe sich entsprechend auf die neue Saison gefreut. Aufgrund seiner Verletzung hat er jetzt mehr Zeit für seine neue Aufgabe beim SCL: Seit diesem Frühling ist er mit einem 50-Prozent-Pensum Geschäftsführer der Nachwuchsabteilung.

Herr Chatelain, als Spieler des SC Langenthal erleben Sie gerade eine schwierige Zeit. Wie sieht es als Geschäftsführer der Nachwuchsabteilung aus?

Alex Chatelain: Für meine Arbeit als Nachwuchsverantwortlicher ist meine Verletzung fast besser, als wenn ich fit wäre, weil ich mehr Zeit habe. Zurzeit leiste ich mehr als ein 50-Prozent-Pensum. Da viele neue Kinder zu uns kamen, wurden wir etwas überrascht von der Grösse der Nachwuchsbewegung. Jetzt müssen wir in erster Linie schauen, dass alle Kinder beim SCL trainieren und spielen können. Wir stossen momentan an vielen Orten an unsere Grenzen.

Welche Probleme bringt die grössere Nachwuchsabteilung denn mit sich?

Mehr Kinder bedeutet: Wir brauchen mehr Trainer, mehr Schiedsrichter, mehr Eiszeit und mehr Transportmittel. Jedes Wochenende spielen vier bis fünf Juniorenmannschaften auswärts. Das heisst, wir müssen Busse und Fahrer organisieren. Je mehr Teams, desto grösser wird der logistische Aufwand. Das müssen wir künftig weiter optimieren; dazu braucht es auch mehr Leute. Überhaupt müssen wir im Nachwuchsbereich noch professioneller werden.

Das Eis in Schoren ist knapp für elf Mannschaften, die alle trainieren und spielen wollen. Kann das mittel- bis längerfristig gut gehen?

Mehr Teams verträgt es tatsächlich nicht. Wir könnten zwar noch mehr Kinder in den Teams aufnehmen, aber bezüglich Mannschaften sind wir in Schoren an der oberen Grenze angelangt. Trägt die 1. Mannschaft zum Beispiel an einem Dienstag ein Heimspiel aus, fallen einige Trainings bei den Junioren aus. Da müssen wir flexibel sein. Im Übrigen ist der SCL zwar Hauptmieter der Eishalle, es gibt allerdings noch andere Mieter. Diese haben selbstverständlich auch ihre Berechtigung.

Eishockey ist ein aufwändiger Sport, gerade finanziell. Wie kann der SC Langenthal eine so grosse Nachwuchsbewegung finanzieren?

Wir konnten mit vielen Sponsoren der 1. Mannschaft ebenfalls Verträge abschliessen. Diese unterstützen jetzt auch den Nachwuchs. Diese Saison ist die Finanzierung der Nachwuchsabteilung gesichert. Doch es ist unser Ziel, mehr Geld für den Nachwuchs zu generieren. Dafür müssen wir die Juniorenbewegung jedoch besser vermarkten und professionellere Strukturen schaffen. Und man muss auch sehen: Viele Leute arbeiten im Nachwuchsbereich ehrenamtlich im Hintergrund. Ohne diese freiwilligen Helferinnen und Helfer geht es natürlich nicht.

In den vergangenen zwei Saisons hatte die 1. Mannschaft des SCL ein Imageproblem. Es gab im Umfeld des Vereins oft Unruhe. Hatte das Auswirkungen auf Ihren Arbeitsbeginn als Nachwuchschef?

Nein, ich habe rund um den SCL eine sehr positive Grundstimmung wahrgenommen. Es stimmt, dass es unruhige Zeiten gegeben hat. Doch ich denke, mit der Playoff-Serie gegen den EHC Olten hat der SCL viel «Goodwill» zurück gewonnen. Das war sicher ein Schritt vorwärts. Diesen Aufwind habe ich bei meinem Amtsantritt gespürt und den müssen wir jetzt nutzen.

Welche Ziele verfolgt der SC Langenthal im Nachwuchsbereich?

Wir wollen jedem Junior die Möglichkeit bieten, entsprechend seinen Fähigkeiten im einem Team Eishockey zu spielen. Wir wollen also Leistungs- und Breitensport fördern. Es gibt andere Nationalliga-Vereine, die setzen viel mehr auf Leistungssport. Dort haben schwächere Spieler teilweise keinen Platz mehr. Das wollen wir nicht. Klar haben wir aber auch das Ziel, gute Spieler wie Sven Bärtschi, der diesen Sommer nach Nordamerika wechselte, herauszubringen. Wenn junge Spieler in der Schweiz transferiert werden, erhalten die Clubs Ausbildungsentschädigungen. Da haben wir gegenüber anderen Vereinen Nachholbedarf.

Trotzdem: Das Aushängeschild jedes Profivereins ist die 1. Mannschaft. Beim SCL spielen zurzeit nur wenige Spieler aus dem eigenen Nachwuchs im NLB-Team. Lohnt sich da der Aufwand überhaupt, eine so grosse Nachwuchsbewegung zu führen?

Ich denke schon. Wenn wir im Nachwuchs gut arbeiten, gibt es auch wieder Spieler, die den Sprung in die 1. Mannschaft schaffen. Zudem hat der Fokus auf die Profimannschaft für uns auch einen Vorteil: So können wir ohne den Druck, den es im Profisport gibt, im Hintergrund arbeiten. Die Nachwuchsbewegung hat nicht zuletzt auch einen gesellschaftlichen Aspekt. Wir wollen Jungen eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung bieten.

Die SCL-Nachwuchsabteilung vergrösserte sich auf die neue Saison hin auf einen Schlag um etwa 50 Kinder, weil viele Junioren vom EHC Napf nach Langenthal wechselten. Was sagen Sie mit etwas Abstand zur gescheiterten Zusammenarbeit mit den Huttwil Falcons?

Ich finde es schade. Aufgrund der geografischen Nähe müsste es möglich sein, zusammenzuspannen. Es gab sicher Gründe für eine getrennte Nachwuchsarbeit, trotzdem bedauere ich es. Uns beschäftigt das in der täglichen Arbeit jedoch nicht mehr. Wir schauen jetzt vorwärts.

Ihre Karriere als Spieler wird nicht mehr ewig dauern. Sie leiten jetzt die Nachwuchsabteilung des SC Langenthal. Sehen Sie Ihre Zukunft im Eishockey?

Das ist schwierig zu sagen, ich bin erst seit einem halben Jahr Geschäftsführer des Nachwuchses. Vielleicht würde es mir gut tun, nach meiner Karriere etwas anderes zu machen. Ich bin aber sehr stark mit dem Eishockey verbunden, da möchte ich auch etwas zurückgeben. Ich habe im vergangenen Jahr mein Wirtschaftsstudium abgeschlossen – das lässt mir viele Möglichkeiten offen. Im Moment ist meine Arbeit hier sehr interessant und herausfordernd.