Humor
«Wir sind den Deutschen ein gutes Stück voraus»

Komiker Marco Rima über sein neues Musical, den anstehenden Besuch in Wettingen und die Frage, wieso er einen Irren Dieter Bohlen parodieren lässt.

Pascal Münger
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«Wir sind den Deutschen ein gutes Stück voraus»

«Wir sind den Deutschen ein gutes Stück voraus»

Marco Rima, was können wir von Ihrem aktuellen Comedy-Musical «Die Patienten» erwarten?

Multimediale Show

«Es ist das Innovativste, das ich jemals gemacht habe», betont Marco Rima immer wieder, wenn er über sein neues Comedy-Musical «Die Patienten» spricht. Inhaltlich trifft das nicht unbedingt zu: Die Story spielt in einer psychiatrischen Klinik, aus der eine Handvoll Patienten ausbrechen, um Rockstars zu werden. Dabei geraten sie in die Fänge eines durchgeknallten Radiomoderators, gespielt von Marco Rima.

Aber abgesehen von der Geschichte hat Rima in diesem Musical tatsächlich seine Grenzen ausgelotet.

Zum ersten Mal arbeitet er zum Beispiel mit vielen bekannten Schweizer Musikern zusammen: Bo Katzman, Isabelle Flachsmann, Mia Aegerter und Ritschi von Plüsch stehen gemeinsam mit ihm auf der Bühne. Unterstützt werden sie dabei von einem grossen Ensemble. Bisher hat Marco Rima in seinen Produktionen auf Reduktion gesetzt - sowohl beim Ensemble als auch bei der Bühne. Aber auch die Bühne ist dieses Mal grösser: 72 Quadratmeter umfasst die Rückwand des multimedialen Spektakels, das mit Digital- und Animationseffekten angereichert wird. Damit wird das Musical «Die Patienten» mit Live-Band eigentlich mehr zu einem unterhaltsamen Show-Event, das für einmal nicht nur von Marco Rima und seinem Humor lebt. (az)

Marco Rima: Unterhaltung pur. Die Geschichte spielt in einem Irrenhaus, dessen Bewohner eine Band gründen. Wir haben ein eindrückliches Bühnenbild aufgebaut und die Darsteller, Sänger Ritschi, Bo Katzman, Mia Aegerter und Isabelle Flachsmann, liefern eine grossartige Performance.

Die aufgezählten Darsteller sind auch darum beliebt, weil sie das typisch Schweizerische vertreten. Warum müssen sie nun in ihrem Musical Hochdeutsch singen?

Eine gute Frage. Bei Humor geht es in erster Linie um Befindlichkeiten. Um die Lust an der Sache. Wichtig ist, dass der Zuschauer die Dialoge versteht. Der Dialekt spielt dabei nur eine Nebenrolle. In erster Linie muss man sich in den Figuren wiedererkennen können. Wenn das gelingt, realisiert das Publikum am Ende vielfach gar nicht, dass alle Dialoge in Hochdeutsch gesprochen wurden.

Oder liebäugeln sie einfach damit, «Die Patienten» auch in Deutschland aufführen zu können?

Wer mich kennt, weiss, dass ich auch immer etwas auf den deutschen Markt schiele. Das ist kein Geheimnis. Ein paar Produzenten aus dem Norden haben die Produktion auch schon besucht und waren beeindruckt. Momentan setzt man in Deutschland aber eher auf Altbewährtes wie «Die Schweizermacher» oder auch «Dällebach Kari». Neue Produkte wie «Die Patienten» sind weniger gefragt, weil sie natürlich auch immer ein Risiko darstellen. Keiner kann garantieren, dass das Programm auch in Deutschland funktionieren würde.

In Deutschland sollte zumindest die Grundidee ihres Stücks auf offene Ohren stossen. Ihre Figur Bastian ruft zu «Bastian sucht die Megaband» auf. Sie parodieren damit offen Dieter Bohlen.

Das stimmt auch wieder. Darum schicken wir in dem Stück den Dieter auch zurück nach Bohlen. Guter Humor sollte auch immer ein Zeitzeugnis sein. In das Gesamtpaket von «Die Patienten» versuche ich aktuelle Geschichten zu verpacken, dazu gehört natürlich auch der ganze Wahnsinn um Dieter Bohlen und sein Format «Deutschland sucht den Superstar».

Man kennt Sie in der Schweiz wie auch in Deutschland. Welches Land hat eigentlich mehr Humor?

Wenn man Geschichten aus dem Leben thematisiert, haben diese immer mit Menschen zu tun. Dabei spielt es keine grosse Rolle, ob jemand aus der Schweiz oder aus Deutschland kommt. Ganz grundsätzlich kann man aber sagen, dass der Schweizer weniger fordernd, eher wohlwollend ist. In Deutschland sind die Ansprüche an den Humor höher und sie sind ehrlicher in ihrer Kritik. Einmal ist es mir dort passiert, dass jemand während einer meiner Nummern auf die Bühne schrie: «Soll das etwa witzig sein?» Worauf ich sagte: «Nein. Aber wenn es Ihnen nicht passt, können Sie ja nach Hause gehen.» Alle im Saal haben gelacht. In Deutschland ist der Humor härter und direkter.

Das wiederum sind keine guten Vorzeichen für «Die Patienten» in Deutschland. Der ehemalige Plüsch-Sänger Ritschi und auch
Bo Katzman haben kaum Erfahrung als Komiker auf einer Theaterbühne.

Darum lass ich sie auch so oft singen in dem Stück (lacht). Nein im Ernst. Nun komme ich zur anderen Seite: Wir hier in der Schweiz sind den Deutschen nämlich auch ein gutes Stück voraus. Es ist unglaublich, wie viele hochwertige Produktionen hier auf kleinstem Raum auf die Beine gestellt werden. Ich bin jedes Mal wieder von neuem beeindruckt, wenn ich sehe, was wir in der Schweiz alles in Sachen Humor anzubieten haben. Dadurch, dass Ritschi oder auch Bo Katzman nun durch ihre Musik eigentlich Performer sind, haben sie das Talent zum Schauspielern bereits in sich. Man merkt ihnen sofort an, dass sie sich auf einer Bühne wohl fühlen. Zudem ist es doch auch sehr interessant für die Fans, ihre Lieblinge einmal in einer komplett neuen Rolle zu sehen. Ich sehe daher keinen Nachteil darin, dass ich mit solchen Leuten arbeite.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Ritschi und Co.?

Ritschi war mein Wunschkandidat. Ich wollte ihn unbedingt einmal in einer meiner Produktionen haben. Und mit Bo Katzman und Isabelle Flachsmann habe ich schon in meinem Stück «Keep Cool» zusammengearbeitet, was damals eine grossartige Erfahrung war.

Und wie sieht die Zukunft von Marco Rima nach der Schweizer Tournee mit «Die Patienten» aus?

Die steht weit offen. Vielleicht bekommen wir ja wirklich eine Chance, dieses Stück auch auf deutschem Boden aufzuführen. Ansonsten habe ich für nächstes Jahr erfrischend wenig Pläne. Ich lasse einfach einmal alles auf mich zukommen. Das ist für mich momentan, der in der Vergangenheit immer in irgendwelche Projekte verwickelt war, eine aussergewöhnliche, aber auch sehr befreiende Erfahrung.

Wettingen Zirkuswiese Margeläcker, Keep Cool Arena, 1.–13. Oktober, Mo–Sa, jeweils 20 Uhr, So jeweils 17 Uhr. Vorverkauf Ticketcorner.