Gadmen
Windhundhilfe ist nicht willkommen

Auch der Kanton ist gegen Ernst Vocks Windhundhilfe am Sustenpass. Er spricht von «Behördenfilz und Klüngelei».

Samuel Thomi
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Solothurner Zeitung

Drei Jahre ging alles gut. Dann, «vor etwa zwei Jahren», hat Ernst Vocks Ärger begonnen. «Ein Nachbar wehrte sich gegen die Umnutzung der zweiten Bauernhaus-Hälfte» seines etwas ausserhalb von Gadmen am Sustenpass gelegenen Tierheims. Zu laut sei die Hundehaltung, dazu nicht zonenkonform. Das geforderte, nachträglich eingereichte Baugesuch von Hunde-Liebhaber und IV-Rentner Vock lehnte der Regierungsstatthalter ab. Zum selben Schluss kam eben in zweiter Instanz auch die Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion. Wie der Kanton mitteilte, richte sich der Entscheid nicht gegen Vocks Windhundehilfe, sondern setze lediglich geltendes Recht um. Noch kann Ernst Vock den Entscheid ans Verwaltungsgericht ziehen.

«Berichte unter den Tisch gewischt»

«Das macht für mich mein Anwalt, der hat noch jeden Prozess gegen die Gemeinde Gadmen gewonnen», sagte der 62-jährige Hundenarr gestern am Telefon zum az Langenthaler Tagblatt. Nur ganz selten war im Hintergrund ein Hund zu hören. Im Gespräch kam Vock denn schnell auf den «einfachen Grund» für den Weiterzug zu reden: «Diese Vetterliwirtschaft hier im Haslital akzeptieren wir nicht.»

Im Verlauf des Verfahrens habe er «zig Amtsvertreter auf Besuch gehabt», und alle deren Berichte kämen zum Schluss, es lägen keine Gründe zu Beanstandungen vor: «Ob des Behördenfilzes und der Klüngelei hier wurden die Beurteilungen im Verfahren gar nicht berücksichtigt.»

Zudem werde ihm erst jetzt klar, dass es dem Nachbarn offenbar nur darum gehe, mehr aus dem Verkauf der baureifen Liegenschaft herauszuholen: «Gut ein Dutzend Offerten mit Marktpreisen wurden eingereicht», so Ernst Vock, der in Chur aufwuchs und dann lange Jahre im Toggenburg gelebt hat: «Eben hat eine befreundete Person ein letztes Angebot eingereicht. Erhält sie den Zuschlag, möchte sie die Liegenschaft danach der Windhundhilfe überschreiben.»

Derzeit hält Ernst Vock auf dem 4200 Quadratmeter grossen Umschwung des gemieteten Bauernhauses rund 40 Tiere. Ein Teil seien eigene, andere würden ihm vorab aus der Schweiz, aus Deutschland, Rumänien oder gar Taiwan abgegeben und vermittelt: «Die Töffs im Sommer auf der Sustenpass-Strasse machen mehr Lärm als meine Hunde», sagt Vock. Entsprechend wenig Verständnis hat er dafür, dass ihm nun «so viele Steine in den Weg gelegt» würden.

Besonders ärgert Vock aber, dass inzwischen auch Gadmens Gemeindepräsidentin Barbara Kehrli öffentlich gegen ihn antritt. «Sie wusste stets Bescheid. Schon am zweiten Tag nach meiner Ankunft kam nämlich ihre Tochter zu Besuch und umsorgte fortan viele Welpen. Seither besitzt Barbara Kehrli wie viele andere im Dorf sogar einen Windhund aus dem Betrieb.» Die Gemeindepräsidentin war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Zurück zum ursprünglichen Streitpunkt: Erst recht siegesgewiss zeigt sich Ernst Vock, da seine Zäune den doppelten Abstand zur Grenze aufwiesen wie erforderlich. Und eine Umnutzung des Bauernhauses habe nicht stattgefunden; es werden ja immer noch Kleintiere gehalten. Dazu habe das Bundesamt für Veterinärwesen (BVET) eben seine Windhundhilfe als Tierheim anerkannt.

Die nötigen theoretischen Tests als Tierheimleiter werde er sofort nachholen, wenn sie im Kanton Bern angeboten würden. Die praktischen Prüfungen erlasse ihm das BVET, so Vock.