Ratgeber Gesundheit
Wieso werde ich nicht krankgeschrieben?

Bei der Arbeit nimmt der Leistungsdruck zu, das Klima im Team ist schlecht. Seit zwei Monaten leide ich unter Schlafstörungen, Bauch- und Kopfweh. Als es gar nicht mehr ging, hat mich der Hausarzt krankgeschrieben. Nach drei Wochen hat er das Arztzeugnis aber nicht verlängert. Dabei bin ich doch krank! Was kann ich tun? Frau L. S. aus M.

Jochen Uebel
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Gesundheit Aargau
Jochen Uebel Oberarzt und Standortleiter Ambulantes Zentrum Aarau PDAG

Jochen Uebel Oberarzt und Standortleiter Ambulantes Zentrum Aarau PDAG

Gesundheit Aargau

Verständlicherweise fühlen Sie sich durch Ihre Beschwerden krank. In einer Krise ist eine kurze Krankschreibung als Entlastung zunächst oft hilfreich und richtig. Jedoch ist es wichtig, bei jeder Krankschreibung von Anfang an einen Plan zur Rückkehr an den Arbeitsplatz zu entwickeln. Dazu können Arbeitgebergespräche gehören, Anpassungen am Arbeitsplatz, ein Arbeitscoach, psychotherapeutische Unterstützung zum Umgang mit Belastungen sowie die Tagesstrukturierung durch Aktivitäten. Denn mit jeder Woche «zu Hause sitzen» sinkt die Chance, wieder in die Arbeit zurückzufinden. Zudem darf Sie der Arzt nur krankschreiben, wenn eine definierte Krankheit Sie so sehr einschränkt, dass Sie Ihre Tätigkeit nicht mehr oder nur noch teilweise ausüben können. Die Arbeitsfähigkeit wird berechnet aus der Belastbarkeit (wie viele von Ihren Aufgaben können Sie noch übernehmen?) und dem zeitlichen Einsatz (z. B. halbtags). In Ihrem Fall müsste sorgfältig geprüft werden, ob eine psychiatrische Diagnose vorliegt und inwiefern die Beschwerden Ihre Funktionen am Arbeitsplatz konkret beeinträchtigen. Ein belastendes Arbeitsumfeld oder überwindbare Beschwerden reichen dafür nicht aus. Das Arztzeugnis stellt eine Urkunde dar und muss daher medizinischen und rechtlichen Vorgaben entsprechen, die mittlerweile sehr umfassend sind. Die Krankschreibung, gerade bei psychischen Beschwerden, ist also eine herausfordernde Aufgabe, die spezielles Fachwissen und Erfahrung erfordert. In den vier regionalen Ambulatorien der Psychiatrischen Dienste Aargau AG (PDAG) in Aarau, Baden, Rheinfelden und Wohlen ist die entsprechende Kompetenz vorhanden, von der insbesondere Patienten mit komplexen Krankengeschichten profitieren: Nach der Zuweisung durch den Hausarzt klären erfahrene und gut vernetzte Experten aus verschiedenen Berufsgruppen eingehend die Diagnose und Arbeitsfähigkeit ab, beraten und unterstützen bei der Wiedereingliederung in die Arbeit.

ambulatorium.aarau@pdag.ch, www.pdag.ch