Kanton Zürich
Wieso Konrad Langhart gute Chancen auf das SVP-Präsidium hat

Konrad Langhart will Präsident der Zürcher SVP werden und die bürgerliche Zusammenarbeit im Kanton Zürich stärken. Seine Chancen gegen Favorit Claudio Zanetti sind intakt.

Rafael Rohner
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Konrad Langhart auf seinem Hof in Oberstammheim.

Konrad Langhart auf seinem Hof in Oberstammheim.

Marc Dahinden

Der Frühling ist für Konrad Langhart eine intensive Zeit: Äcker pflügen, Weiden säumen, Zuckerrüben aussäen. Und dann kommt noch die Politik hinzu. Der 52-Jährige ist Kantonsrat, im Vorstand des Zürcher Bauernverbands und seit kurzem Kandidat für das Zürcher SVP-Präsidium. Hektik kommt beim Landwirt aus Oberstammheim aber nicht auf. Dafür ist er nicht der Typ. Langhart spricht ruhig, wirkt besonnen. Laute Töne sind nicht sein Ding.
Ganz anders präsentiert sich Claudio Zanetti in der Öffentlichkeit. Der Jurist ist in jüngster Zeit vor allem mit provokativen Äusserungen auf Twitter aufgefallen. Im Kampf um das Präsidium der Zürcher Kantonalpartei gilt er bei vielen als Favorit.

Konrad Langhart sieht seine Chancen gleichwohl als intakt an. Er ist zwar in den Medien weniger präsent, spürt aber aus ländlichen Gebieten Rückhalt. Er hofft auf jene Kräfte in der Partei, die sich einen sachlicheren Auftritt der Zürcher SVP wünschen. Und auf jene, die nach Erfolgen von Akademikern auch Arbeiter in Spitzenpositionen sehen wollen.
Keine leichte Aufgabe für den Vorstand der Kantonalpartei: Morgen entscheidet das Gremium voraussichtlich, welche Kandidaten es der Delegiertenversammlung am 28. April zur Wahl vorschlagen wird.

Regelmässig Spitzenresultate

Im Zürcher Weinland muss Konrad Langhart kaum jemanden in der SVP von seiner Kandidatur überzeugen. Bei Wahlen erzielt er regelmässig Spitzenresultate, vor Abstimmungen hat sein Wort Gewicht. Langharts unaufgeregte Art kommt über die Parteigrenzen hinaus gut an. «Er bringt den nötigen Rucksack für das Zürcher SVP-Parteipräsidium mit», sagt Martin Farner, FDP-Kantonsrat und Oberstammer Gemeindepräsident. Schon in der Schulzeit habe er immer ein klares Ziel vor Augen gehabt und sei ehrgeizig gewesen.

Auch SP-Kantonsrat Markus Späth aus Feuerthalen hat ein gutes Verhältnis zu Langhart. «Er ist intelligent und beredt», sagt er. «Als Parteipräsident müsste er im öffentlichen Auftritt aber gewaltig zulegen.» Im Kantonsrat agiere Langhart eher im Hintergrund. Späth nimmt den Weinländer zudem als linientreuen SVP-Politiker wahr, der die Interessen der Partei höher gewichte als jene der Region.

Tatsächlich hat Langhart während des Treffens auf seinem Hof in Oberstammheim das SVP-Parteiprogramm vor sich auf dem Tisch liegen. «Da stehen viele gute Sachen drin», sagt er und tippt mit dem Finger drauf. Es gehe ihm vor allem darum, wie man diese umsetze. In der Vergangenheit habe man häufig mit Provokationen gearbeitet, was gut gewesen sei. «So hat die Zürcher SVP ihre heutige Grösse erreicht», sagt er. Nun stagniere der Wähleranteil seit einiger Zeit, die Proteststimmen seien weitgehend abgeholt. Langhart sieht deshalb Potenzial in einem gemässigteren und unaufgeregteren Auftritt der Partei. Der Tatbeweis werde in manchen ländlichen Bezirken bereits heute erbracht. Hier stehe häufig Sachpolitik im Vordergrund und nicht einzelne Personen. Damit erreiche die SVP Anteile von über 40 Prozent. Ein Anliegen ist Langhart aber auch eine bessere Zusammenarbeit mit anderen Parteien, insbesondere der FDP. «Da wurde zu viel Geschirr zerschlagen», sagt er. Langhart ist überzeugt, dass die Bürgerlichen gemeinsam mehr erreichen könnten.

Als Langhart 2015 seine Nationalratskandidatur lancierte, waren Roger Köppel und Hans-Ueli Vogt auf seinem Hof zu Gast. Er habe sich mit beiden auf Anhieb gut verstanden. «Grabenkämpfe zwischen Akademikern und Landwirten gibt es in der Partei nicht.» Wichtig sei aber eine gute Durchmischung, damit sich alle Wählerschichten vertreten fühlten. Sieben Jahre habe mit Alfred Heer ein Städter die Kantonalpartei präsidiert. «Wieso nicht jetzt wieder jemand aus den SVP-Stammlanden?»

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