Tennisclub
Wie weiter mit dem Tennisclub?

Der Wegzug des Tennisclub aus Langenthal ist definitiv. Präsident Hanspeter Stucker spricht über das Geduldsspiel und die schwierige Suche nach neuem Land.

Tobias Granwehr
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An diesem Standort im Lotzwiler Chilefeld will der Tennisclub Langenthal bauen. hanspeter bärtschi

An diesem Standort im Lotzwiler Chilefeld will der Tennisclub Langenthal bauen. hanspeter bärtschi

Solothurner Zeitung

Es ist keine alltägliche Geschichte: Ein Sportverein ist unzufrieden mit seiner veralteten Anlage und möchte eine neue bauen. Doch woher das Geld nehmen? Der Klub verkauft sein eigenes Land an guter Lage an eine Investorin. Mit den knapp drei Millionen Franken hat der Verein nun die Möglichkeit, eine eigene Sportanlage zu realisieren. Davon können die meisten Schweizer Sportvereine nur träumen. Dazu gehören auch prominente Beispiele aus der Region wie der SC Langenthal oder die SC Langnau Tigers. Der Tennisclub Langenthal (TCL) dagegen träumt nicht – oder zumindest nicht von Geld, höchstens von Land.

Das eigene Grundstück hat der TCL bereits Ende 2009 verkauft. Zwar spielte er diese Saison noch am bisherigen Standort im Dreilinden Tennis. Aber irgendwann hat es sich dort ausgespielt. Die Investorin aus Dübendorf ZH möchte dort nämlich Wohnhäuser bauen. Bauen will auch der TCL. Nach langen Verhandlungen mit der Stadt stellte diese dem Verein ein Grundstück im Hard zur Verfügung. Bald kamen jedoch die Schwierigkeiten. Der TCL entschied deshalb, Langenthal zu verlassen (das az Langenthaler Tagblatt berichtete).

Farbe bekennen und entscheiden

Was nach dem Verkauf des Grundstücks und dem damit einhergehenden Geldsegen noch nach einem Glücksfall aussah, wurde mehr und mehr zum Problemfall – oder zum Geduldsspiel. Doch jetzt soll alles gut werden. Hanspeter Stucker, Präsident des TCL, macht im Gespräch mit dem az Langenthaler Tagblatt einen gelösten Eindruck. Die Vereinsmitglieder sind ihm und seinen Vorstandskollegen gefolgt – und beschlossen den Wegzug aus der Stadt. «Das Thema Tennisanlage in Langenthal ist für uns erledigt.» Der Verein habe das Baugesuch für die Plätze im Hard zurückgezogen, sagt er. Stucker ist überzeugt: In Lotzwil hat der TCL den perfekten Standort gefunden.

Dass es schon geheissen hat, der Verein habe zu schnell aufgegeben, kann der Präsident nicht nachvollziehen: «Neben dem Hard gleichzeitig ein oder zwei andere Projekte als Alternativen zu verfolgen, wäre gegenüber den Mitgliedern nicht fair gewesen.» Das koste viel Geld und brauche personelle Ressourcen. «Wir mussten uns entscheiden und Farbe bekennen», sagt Stucker. Die Situation im Hard veränderte sich je länger, desto mehr zum Schlechten. «Das Gesamtpaket stimmte nicht mehr.» Der Vorstand nahm im Oktober eine Neubeurteilung der Situation vor. «Danach beschlossen wir, vor die Mitglieder zu treten und diese entscheiden zu lassen.» Stucker schüttelt den Kopf, wenn er an den «Papierkrieg» denkt, den das Baugesuch im Hard auslöste. «Es wurden verschiedene Gutachten erstellt. Für ein Lärmgutachten gaben wir fast 7000 Franken aus.» Gescheitert sind die Tennisfreunde letztlich an Einsprachen und Rechtsverwahrungen. Über 20 wurden beim Regierungsstatthalteramt in Wangen eingereicht. Trotz dieses Widerstands wählt der Präsident seine Worte mit Bedacht: «Die Einsprecher haben uns das Genick gebrochen. Ich mache ihnen jedoch keine Vorwürfe, sie haben schliesslich ihr Recht ausgeschöpft. Sie sind nicht schuld an der Entscheidung.» Wer ist es dann?

Auch Lotzwil noch nicht fix

Stucker will keine Schuldigen suchen, vielmehr preist er die Vorteile der Nachbargemeinde an: Der Bau wird günstiger als in Langenthal; die vorgeschriebene öffentliche Nutzung fällt weg; die Tennisplätze können Nord-Süd ausgerichtet werden – in Langenthal wäre das nur bedingt möglich gewesen; es gibt keine Nachbarn als Gegner des Projekts. Gerade den letzten Punkt streicht der TCL-Präsident heraus: «Auch wenn wir in Langenthal hätten bauen können. Nach den vielen Einsprachen von Nachbarn wäre ein einvernehmliches Nebeneinander kaum möglich gewesen.» Übrigens: In Lotzwil gibt es ebenfalls einen Tennisklub. «Ich hatte schon Kontakt mit den Verantwortlichen. Ich kann mir gut vorstellen, dass der Lotzwiler Tennisclub unsere Anlage auch nutzen wird», sagt er. Noch gibt es in Lotzwil aber ebenfalls eine politische Hürde: Das Stimmvolk muss die Umzonung des Grundstücks im Chilefeld genehmigen.

Einige Vereinsmitglieder äusserten ihr Bedauern, Langenthal zu verlassen. Negative Reaktionen habe es sonst jedoch keine gegeben. «Wir werden nicht der erste Sportverein sein, der nicht an jenem Ort spielt, der in seinem Namen steht», sagt Stucker. Und mit einem Lächeln fügt er an: «Wir heissen ja TCL.» Tennis sei grundsätzlich ein Einzelsport, den Mitgliedern sei es egal, wo sie spielen. «Wichtig ist, dass ihnen der Verein eine gute Infrastruktur zur Verfügung stellt.» Zudem: Das Chilefeld in Lotzwil sei gut erschlossen. Es sei nahe am Bahnhof und auch mit dem Auto gut zu erreichen. «Ich denke, unsere Vereinsmitglieder haben durchschnittlich nicht den weiteren Weg als ins Hard», sagt er. Im Winter müssten Tennisspieler aus Langenthal zudem nach Balsthal, Derendingen oder noch weiter fahren, um einen Platz zu finden. Stucker ist deshalb überzeugt: «Im Tennis müssen wir nicht nur für Langenthal denken, sondern für die Region. Es gibt sicher einige Tennisspieler im Oberaargau, die von einer neuen Anlage Gebrauch machen würden.»

Der Gemeinderat muss antworten

In Kürze will der Vorstand in Lotzwil ein Baugesuch einreichen. Stucker hofft, dass im nächsten Sommer der Bau beginnt. Zuvor wird sich die Langenthaler Politik mit dem Wegzug des TCL beschäftigen. Der Gemeinderat muss dem Parlament einige Fragen beantworten. Stadtrat Urs Zurlinden (FDP) will mittels Interpellation wissen, was die Stadtregierung über den Wegzug denkt. Und er hofft darauf, dass der Gemeinderat noch Möglichkeiten findet, den TCL in Langenthal zu behalten. Stucker will sich zum politischen Vorgehen gar nicht äussern. Aus seiner Sicht sind die Würfel gefallen.

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