Ratgeber Gesundheit
Wie können wir unserer Mutter helfen?

Meine Mutter (89) lebt seit sechs Monaten im Pflegeheim. Der Eintritt wurde nach dem Tod meines Vaters notwendig, da sie sich nicht mehr ausreichend versorgen konnte. Sie ist mehrmals gestürzt und hat nur wenig gegessen. Im Heim hat sie sich zunächst körperlich erholt. Jetzt wirkt sie auf mich deprimiert und verwirrt. Zudem klagt sie, dass kein Besuch kommt, obwohl wir Kinder oft bei ihr sind. Das Pflegepersonal beschreibt sie als abweisend und unruhig. Meine Geschwister und mich belastet die Situation. Wie können wir ihr helfen?

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Gesundheit Aargau

Dr. med. Andrea Wälder

Leitende Ärztin Ambulante Alterspsychiatrie PDAG

Ihre Mutter ist mit mehreren belastenden Situationen konfrontiert. Der Verlust des Ehemanns und die veränderte Wohnsituation mit Eintritt in das Pflegeheim sowie die körperlichen Einschränkungen sind Faktoren, die zu depressiven Symptomen führen können. Angesichts des Alters und der beschriebenen kognitiven Beeinträchtigungen ist auch eine Demenzerkrankung ursächlich in Betracht zu ziehen. Gerade bei einer beginnenden Demenz ist für die Abgrenzung zu einer Depression eine fachärztliche Beurteilung sehr hilfreich. So können Menschen neben den abnehmenden Gedächtnisleistungen auch Symptome zeigen, die an eine Depression erinnern, wie Niedergeschlagenheit, Stimmungsschwankungen, aber auch Gereiztheit. Zudem können Beschwerden wie Unruhe, Schlafstörungen oder wahnhafte Ideen auftreten. Das Nachlassen der kognitiven Fähigkeiten wird dabei von den Betroffenen oft nicht wahrgenommen. Sie können die Veränderungen selbst nicht benennen. Begebenheiten wie Besuche werden nicht mehr erinnert, was zu Gefühlsausbrüchen, Vorwürfen und Anschuldigungen führen kann. Dies ist wiederum für Angehörige sehr belastend. Mit einer fachärztlichen Diagnostik und Therapie kann hier gezielt weitergeholfen und die Lebensqualität oft deutlich verbessert werden. Da es für die Betroffenen zu beschwerlich sein kann, unsere Sprechstunde aufzusuchen, bieten wir dies auch vor Ort an. Ein grosser Vorteil dabei ist, dass neben den Angehörigen auch das Pflegeteam direkt einbezogen werden kann. Im Rahmen unseres alterspsychiatrischen Konsiliar- und Liaisondienstes suchen wir deshalb Alters- und Pflegeheime im ganzen Kanton auf. Weitere Informationen erhalten Sie über das Sekretariat Alters- und Neuropsychiatrie, Tel. 056 462 23 51, E-Mail: memoryclinic@pdag.ch, oder auf www.pdag.ch.