Wahlen
Wie gewinnt die SVP wieder, Herr Joder?

Die SVP erlitt eine erneute Niederlage bei Majorzwahlen. Amstutz musste Stöckli seinen Platz im Ständerat überlassen. Nun spricht der Parteipräsident über den neuen Bürger-Block.

Samuel Thomi
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Der abgewählte SVP-Ständerat Adrian Amstutz (r.) gratuliert am Sonntagabend im Rathaus Ständerat Werner Luginbühl zur Wiederwahl. Fotos: sat/zvg

Der abgewählte SVP-Ständerat Adrian Amstutz (r.) gratuliert am Sonntagabend im Rathaus Ständerat Werner Luginbühl zur Wiederwahl. Fotos: sat/zvg

Solothurner Zeitung

Am Sonntag wurde Adrian Amstutz als Ständerat abgewählt. Vor anderthalb Jahren verpasste die einst mächtige SVP bei den Regierungsratswahlen den avisierten zweiten Sitz. Warum tut sich die Berner SVP bei Majorzwahlen plötzlich derart schwer?

Herr Joder, am Tag danach: Schmerzt der Ständerats-Sitzverlust mehr?

Rudolf Joder: Ja. Die Partei und ich sind klar enttäuscht.

Was lief schief? Welche Konsequenzen ziehen Sie aus der Abwahl?

Wir müssen in den Städten und Agglomerationen stärker werden und versuchen, mehr Unterstützung bei den bürgerlichen Partnern zu erhalten.

Für ihre Wahlkämpfe erhält die SVP immer wieder Bestnoten, die Mobilisierung wird gerühmt. Woran scheiterte Amstutz dennoch?

Adrian Amstutz konnte beim zweiten Ständeratswahlgang leider keine zusätzlichen Stimmen holen, während Werner Luginbühl und Hans Stöckli nochmals stark zugelegt haben. Wir waren einmal mehr auf uns alleine gestellt.

Muss nun auch die SVP Schweiz über die Bücher?

Ja. Ich will mehr Autonomie für die Kantonalparteien, damit wir in Zukunft unsere Wahlkampagne wieder individueller zugeschnitten auf den Kanton Bern führen können.

Der national angekündigte «Sturm aufs Stöckli» jedenfalls scheiterte.

Diese Feststellung ist zutreffend.

Rudolf Joder

Rudolf Joder

Solothurner Zeitung

Nach dem verpassten zweiten Sitz im Regierungsrat 2010 verliert Ihre Partei erneut eine Majorzwahl.

Da muss ich widersprechen. Wir haben in den letzten Jahren auch bedeutende Majorzwahlen gewonnen. So stellt die Berner SVP zum Beispiel neu den Stadtpräsidenten von Thun und weiterhin jenen von Langenthal.

Den Mitglieder-Aderlass hat die SVP zwar wettgemacht. Die Folgen der Spaltung sind nun aber, dass die mehrheitsfähigen Politiker aus Ihrer Partei weg sind.

Nein. Wir haben nach wie vor in vielen Gemeinden mehrheitsfähige Exekutivpolitiker.

Jedenfalls fruchtete der Kurswechsel gegenüber der BDP noch nicht. Die Wähler scheinen Amstutz den Schmusekurs nicht abzunehmen.

Das ging zu schnell. Die Idee der ungeteilten Standesstimme fand offenbar bei den Wählern leider noch kaum Rückhalt.

Am Sonntagabend sprachen Sie bereits von den kantonalen Wahlen 2014: Wie kann der bürgerliche Schulterschluss diesmal klappen?

Es ist mein Ziel, im Hinblick auf die nächsten kantonalen Wahlen mit den bürgerlichen Partnern bei den Grossratswahlen Listenverbindungen einzugehen und eine gemeinsame Wahlliste bei den Regierungsratswahlen anzustreben.

Ein paar Plakate werden nicht reichen. Konkret: Wie finden SVP, BDP und FDP wieder eine neue Basis? – Wie Sie unlängst selbst lobten, sind SP und Grüne Ihnen da ja voraus ...

Sachpolitisch gibt es viele Gemeinsamkeiten. Diese müssen in Zukunft besser bearbeitet werden.

Rudolf Joder ist seit 2006 Präsident der SVP Kanton Bern; seit 1999 ist der 61-jährige Nationalrat. Joder ist verheiratet und Fürsprecher mit eigener Kanzlei in Belp.

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