Ratgeber Gesundheit
Wie der Vater, so der Sohn

Ich (37) habe mich schon oft gefragt, was mit mir nicht stimmt, hatte wiederholte depressive Einbrüche und fühlte mich ausgebrannt, war einige Male auch in Behandlung: Ich bin leicht ablenkbar, fange tausend Dinge an, die ich nicht zu Ende bringe, und vergesse Termine oder komme zu spät, was mir beruflich und privat Schwierigkeiten bereitet. Mein Sohn (7) hat nun die Diagnose ADHS erhalten. Da ich Verhaltensweisen bei ihm sehe, die ich als Kind auch gezeigt habe, frage ich mich, ob ich ebenfalls ein ADHS haben könnte? Damals hiess es, ich sei ein Zappelphilipp und das wachse sich aus.

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Gesundheit Aargau

Dr. med. Christian Lay

Oberarzt Zentrum für Psychiatrie und Psychotherapie ambulant PDAG

Das Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) ist kein Störungsbild, das sich auswächst – es findet eine Veränderung der Symptomatik statt. Die äussere Unruhe, die sich bei Kindern in einem starken Bewegungsdrang zeigt, wird bei Erwachsenen zu einer inneren Unruhe und Ungeduld, oft begleitet von schnellen Stimmungswechseln sowie Wutausbrüchen. Auch ist eine starke Ablenkbarkeit erkennbar oder der Betroffene ist sehr verträumt und vergesslich. Häufig sind Erwachsene mit ADHS sehr sportlich und entweder in Berufen zu finden mit abwechslungsreichen Aufgaben und Tätigkeiten oder aber sie sind selbstständig, sodass sie sich eine eigene Tagesstruktur und einen eigenen Rhythmus geben können. ADHS ist zwar häufig, jedoch begeben sich viele Betroffene erst in eine Abklärung, wenn sich berufliche und private Schwierigkeiten zeigen oder die eigenen Kinder die Diagnose erhalten. Die von Ihnen geschilderte Symptomatik legt einen Verdacht auf ADHS nahe. Sinnvoll wäre eine Abklärung in Ihrem Fall vor allem auch deshalb, weil die Behandlung einer Depression nicht fruchten wird, sobald ein ADHS als Fundament vorhanden ist. Am wirksamsten ist die medikamentöse Therapie; zur Bearbeitung störender Verhaltensweisen im Alltag kann ein Coaching helfen. Auch eine umfassende Information über das Krankheitsbild und der Austausch mit Betroffenen in einer Psycho-Edukation können beim Umgang helfen. In der Spezialsprechstunde für ADHS bei Erwachsenen bieten wir eine umfassende Abklärung über drei Sitzungen inklusive individueller Behandlungsempfehlung an. Für weitere Informationen wenden Sie sich an das Ambulatorium Rheinfelden: Tel. 056 461 93 00, E-Mail adhs@pdag.ch oder ambulatorium.fricktal@pdag.ch