Langenthal
Wie der unerwarteter Landverlust kompensiert wurde

Die Langenthaler Burgergemeinde befand an der Versammlung über die Landgeschäfte und das erste Reglement für Einburgerungen bei Ausländern.

Urs Byland
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Die neue Erschliessungsstrasse im Wolfhusenfeld ist bereits geteert. Der Deckbelag folgt noch. Die Wiese gehört zu einem Teil des Landes, das die Burgergemeinde Langenthal kauft. uby

Die neue Erschliessungsstrasse im Wolfhusenfeld ist bereits geteert. Der Deckbelag folgt noch. Die Wiese gehört zu einem Teil des Landes, das die Burgergemeinde Langenthal kauft. uby

Solothurner Zeitung

Zwei Themen prägten die Versammlung der Burgergemeinde, die von 35 Burgerinnen und Burgern besucht wurde. Einerseits wollte der Burgerrat mit einem Reglement zur Einburgerung Gegensteuer zur abnehmenden Anzahl Burger geben, und andererseits sollte die Versammlung verschiedenen Landgeschäften die Zustimmung geben.

Burgerratspräsident Marc Howald bereitete es sichtlich Mühe, der versammelten Burgergemeinde einen Landverlust von 49,09 Aren mitteilen zu müssen. Aber die Hector Egger Holzbau AG hat das im Baurechtsvertrag eingeräumte Kaufrecht für die Parzelle in der Steinackermatte innerhalb der gewährten zehn Jahre eingelöst und dafür 630000 Franken bezahlt. Mit Erstaunen mussten er und der Burgerrat feststellen, dass auch in weiteren Baurechtsverträgen ein Kaufrecht eingeräumt wurde. Dabei will die Burgergemeinde heute Land doch nur noch im Baurecht abgeben und sich so eine langfristige und nachhaltige Einnahmenquelle sichern.

Verlust wieder aufgewogen

Umso glücklicher war der Burgerratspräsident, dass er ein Kaufgeschäft vorweisen konnte, das den Verlust beinahe aufwog. Für das Grundstück von Dr. Böhlen im Wolfhusenfeld, gleich anschliessend an Burgerland, sei nun ein akzeptables Preisangebot eingegangen, das man sich nicht entgehen lassen wolle. Für die 4585 Quadratmeter sind insgesamt 810000 Franken zu bezahlen. «Sicher kein Schnäppchen, aber nachdem wir für dieses Grundstück bereits die Erschliessung bevorschusst haben und nicht wussten, ob wir dieses Geld verlieren würden, macht der Kauf Sinn.»

Dem stimmte die Versammlung einstimmig zu, worauf Howald auch mitteilen durfte, wem dieses Land im Baurecht abgegeben werden soll: Die Hälfte davon wird Geiser agro.com nutzen, um den Garagenbetrieb für Lastwagen in Langenthal zu halten. Geiser agro.com plant mittelfristig den Wegzug aus der Stadt (wir berichteten). Nun konnte der anwesende Stadtpräsident Thomas Rufener erfreut zu Kenntnis nehmen, dass ein Teil der Firma in Langenthal bleiben wird.

Günstig Burger werden

Zu den Landgeschäften passend, konnte der Burgerpräsident zudem mitteilen, dass für das Immobiliengeschäft der Burgergemeinde eine Stelle von 10 Prozent befristet auf etwa drei Jahre geschaffen wurde. Rita Zbinden soll in dieser Zeit die Liegenschaftsverwaltung für die Burgergemeinde aufbauen.

Beinahe schon modern darf man das Reglement über die Aufnahme in das Burgerrecht der Burgergemeinde nennen. Das vom Burgerrat umsichtig vorbereitete Geschäft wurde nach einigen marginalen Änderungen einstimmig angenommen. Damit verfügt die Burgergemeinde erstmals überhaupt über ein Reglement, welches die Einburgerung regelt. Zuvor waren nur die Gebühren geregelt.

Neues Einbürgerungsreglement

Die Versammlung folgte der Argumentation von Burgerratspräsident Marc Howald. So verminderte sich die Anzahl der Burger und Burgerinnen in den letzten zehn Jahren kontinuierlich von 437 auf aktuell noch 344 Personen. Im Vergleich zu vor zehn Jahren drängt auch der Nachwuchs weniger nach. Damals gab es 54 Jungburger und Jungburgerinnen, die noch nicht stimmberechtigt waren, heute liegt diese Zahl bei 33. «Wir haben ein Problem», so Howald. Wie sollen nun die Reihen gefüllt werden und mit wem? Dazu wurden neben anderen zwei Kriterien im Reglement aufgenommen, die die Einburgerung wesentlich erleichtern sollen.

So kann nach fünf Jahren Wohnsitz in Langenthal, oder wer eine besonders enge Beziehung zu Langenthal hat, bereits nach zwei Jahren, ein Gesuch zur Einburgerung stellen. Dabei werden die unmündigen Kinder sowie Ehepaare und Personen, die in einer eingetragenen Partnerschaft leben, gleichzeitig eingeburgert. Nach übergeordnetem Recht hätten bereits zwei Jahre Wohnsitznahme genügt.

Radikaler könnte sich die Höhe der Aufnahmegebühren auswirken, wurde doch bisher für jede Person eine Gebühr erhoben. Die volle Gebühr beträgt neu 2000 Franken. Diese gilt für eine Einzelperson wie für ein Paar (nach obiger Definition) und dessen unmündige Kinder. Jeder volljährige Nachkomme eines Gesuchstellers oder einer Gesuchsstellerin einschliesslich Partner und unmündige Kinder zahlt ein Viertel der vollen Gebühr. Die Auswirkungen dieser Gebührenregelung sind im Kasten (siehe links) beschrieben. «Mit dieser Regelung wird die Burgergemeinde für genau diese Personen attraktiv, die wir suchen: Familien mit Kindern.»