«Zürcher Pioniergeist»
Widerstand machte Werner Kieser erfolgreich

Der Limmattaler hat das Krafttraining salonfähig gemacht — und bekommt dafür einen Platz im Buch «Zürcher Pioniergeist».

Carolin Teufelberger
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Buch: «Zürcher Pioniergeist»
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Sein erstes Fitnessstudio wurde 1963 in Dietikon eröffnet.
Werner Kieser (19 Jahre) trainiert im Garten seines Elternhauses in Bergdietikon.
Arthur Jones (links) war Werner Kiesers Mentor.

Buch: «Zürcher Pioniergeist»

René Ruis

Zum Krafttraining kam Werner Kieser durch einen Unfall. Mit 17 Jahren zog er sich im Boxtraining eine Rippenfellentzündung zu, sein Arzt empfahl ihm eine mehrmonatige Trainingspause. Doch ein spanischer Boxer meinte durch das Training mit Gewichten würde die Genesung schneller voranschreiten. Kieser glaubte dem Sportler und wurde nicht enttäuscht. Schon nach sechs Wochen konnte er wieder trainieren. Er macht mit dem Krafttraining auch dann noch weiter, als seine Mutter sich gar nicht begeistert zeigte vom muskulösen Körper ihres Sohnes. Heute gehören zu der Franchise-Kette «Kieser Training AG» über 130 Fitnessstudios in acht Ländern.
Mit seinem Erfolg hat Werner Kieser den Wissenschaftsjournalisten und Biologe Beat Glogger schwer beeindruckt.

Dieser hat Kieser nun zusammen mit 60 weiteren Pionieren im Buch «Zürcher Pioniergeist» ein Denkmal gesetzt. Vorgestellt werden Zürcher Persönlichkeiten und ihre bahnbrechenden Ideen. Unter ihnen ist auch der Limmattaler Fitnesspapst Werner Kieser. Zwar wisse man nicht, ob Kieser wirklich der Erste war, der die Vorteile des Krafttrainings entdeckte, aber er war es, der die Idee durchzog. Und das mache eben einen Pionier aus, sagt Glogger gegenüber der Limmattaler Zeitung. Dieses Durchhaltevermögen habe die Autoren bei fast allen Pionieren beeindruckt. «Man merkt, dass diese Leute wissen, was sie geleistet haben, und dies nicht mehr an die grosse Glocke hängen müssen.»

Ein Buch, das sich gegen alle Nörgler und Miesmacher richtet

Der Stewi, die Migros oder auch Maggi-Würze — alles Dinge, auf die man als Schweizer nur ungern verzichten würde. Zu verdanken haben wir sie Zürchern. Der Wissenschaftsjournalist und Biologe Beat Glogger hat zu diesem Thema jetzt ein Buch herausgegeben. In «Zürcher Pioniergeist» findet man Porträts, Interviews und Ich-Erzählungen zu 60 Pionieren seit 1900. Darunter befinden sich zum Beispiel Gottlieb Duttweiler (Migros), Maria und Walter Düring (WC-Ente) oder auch Globi. Auf die Idee kam Glogger durch eine Produktausstellung in Bern. «Im historischen Museum wurden Berner Erfindungen, wie Ovomaltine oder Toblerone vorgestellt. Danach hat es mich interessiert, was es aus Zürich gibt», sagt er. Er sei gleich auf einen riesen Fundus gestossen. Es kamen 130 Zürcher mit guten Ideen zusammen. Diese mussten aus Platzgründen aber auf 60 reduziert werden. Oberstes Kriterium bei der Auswahl sei die eigene Lust gewesen. Das Buch sollte aber auch einen guten Mix an unterschiedlichen Menschen und Themen bieten.

Nach vier Jahren recherchieren, fotografieren und interviewen, ist das Buch nun fertig und richtet sich gemäss Glogger gegen alle Nörgler und Miesmacher. «Es soll Mut machen und zeigen, was für ein tolles Land wir sind und was wir alles können», erklärt Glogger. Die Schweiz sei ein Land mit viel Grips, der praktisch die einzige Ressource darstelle und deshalb sehr wichtig für uns sei. Heute Abend um 20 Uhr findet die Vernissage im Kaufleuten Zürich statt, wo Glogger das Buch in einer Talkshow vorstellen wird.

«Zürcher Pioniergeist», Beat Glogger (Autor, Herausgeber), Lehrmittelverlag Zürich, 304 Seiten. Zirka 58 Franken.

Aller Anfang ist schwer

Kieser ist 1940 geboren und in Bergdietikon aufgewachsen. Heute gilt er als Vater des therapeutischen Krafttrainings. 1958 richtete er sich im ehemaligen Trockenraum seines Elternhauses seinen ersten Trainingsraum ein. Die Gewichte dafür bastelte der gelernte Tischler aus Altmetall, das er für 40 Rappen pro Kilo bei der Firma Neomontana in Altstetten kaufte. 1963 eröffnete er sein erstes Fitnessstudio in Dietikon, das aber fast ausschliesslich von seinen Freunden benutzt wurde. Nach einem Jahr musste er wieder schliessen, da der Sohn der Vermieterin eine Autofahrschule einrichten wollte.

1966 eröffnete er schliesslich sein erstes richtiges Studio. Seine Freunde blieben ihm weiterhin treu, doch das reichte nicht zum Überleben. Kieser musste nebenher in einem Waffenladen arbeiten, was seinem Vater gar nicht gefiel. Zu dieser Zeit verliess ihn auch seine erste Frau Gerda mit dem gemeinsamen Sohn Ketill. Trotz des Gegenwindes liess sich Kieser nicht beirren und gründete 1967 die Kieser Training AG. Aber nicht nur ein Teil seiner Familie stellte sich quer, für seine Idee brauchte es viel Überzeugungsarbeit und etwas Glück. Denn erst nach der Mondlandung fand das Krafttraining öffentliche Beachtung. Ab diesem Moment habe plötzlich jeder fit sein wollen. Immer wieder während seiner Karriere traf Kieser Entscheidungen entgegen alle Empfehlungen, wie er gerne erzählt, und war damit erfolgreich.

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Daria Küng, Weiningen Jemand sollte eine Maschine erfinden, die einem den richten Weg in die Zukunft weist und einem die Richtung zum Erfolg zeigt.
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Olivier Meier

Es gibt keine Hanteln mehr

Seit der Anfangsphase von Kiesers Fitness-Imperium hat sich einiges verändert, Hanteln zum Beispiel finden sich keine mehr in seinen Trainingsräumen. Denn 1972 wurde er auf den Amerikaner Arthur Jones aufmerksam, der neue Maschinen für ein optimales Krafttraining entwickelt hatte. Diese Geräte bieten in jedem Gelenkwinkel den richtigen Widerstand und machen das Training effizienter. Da Kieser sich die Geräte von Jones nicht leisten konnte, baute er sie selbst nach. Doch schnell wurde ihm bewusst, dass er dafür die Originale brauchte. Für rund 100 000 Franken, die er sich von Familie und Freunden pumpte, holte er sich 1978 die gesamte Produktepalette von 22 Maschinen. Jones entwickelte später Maschinen, die von Rückenproblemen befreien sollten. Kieser sei von dieser Idee nicht recht überzeugt gewesen. Anders sah das Gabi, Kiesers dritte Frau und bis heute an seiner Seite. Die Ärztin riet ihrem Mann zum Kauf. Bald darauf eröffneten sie die erste Arztpraxis für medizinische Kräftigungstherapie. Da die Leute von ihren Schmerzen befreit wurden und weitertrainieren wollten, beschlossen sie Reha und Training in einer neuen Art von Fitnessstudio zu kombinieren. Heute entwickelt die Kieser Training AG ihre eigene Maschinen, auch solche, die sonst niemand baut.

Die Erkenntnis, dass Fitness in vielen Fällen den Arzt ersetzen kann, ist für Kiesers Arbeit bis heute zentral. Der 74-Jährige weist gerne auf eine Untersuchung hin, die gezeigt habe, dass fast 90 Prozent aller Patienten, die eine Rückenoperation gebraucht hätten, nach dem Training auf Kiesers Maschinen darauf verzichten konnten.

Limmattaler Erfindungen: Nicht jeder Pionier ist in der Öffentlichkeit bekannt

Verschlussetiketten Diese selbstklebende Verschlussetikette von Reinigungs- und Pflegetüchern wird von der «CCL Label AG» in Bergdietikon entwickelt. Im Gegensatz zu anderen wiederverschliessbaren Standardetiketten ist dieses Verschlussetikett zweilagig. Es schützt somit besser gegen das Austrocknen der enthaltenen Lotionen – wie hier bei den Feuchttüchern von Pampers. Seit über 50 Jahren entwickelt die ehemalige «Bandfix AG» Selbstklebeprodukte. Das Unternehmen hat eine ganze Reihe weiterer Klebe-Innovationen auf den Markt gebracht.
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Handykamera-Linse Die sogenannte «fokusvariable Linse» – die kleiner als ein Fingernagel ist – wurde von der «Optotune AG» erfunden. Das Dietiker Unternehmen entwickelt solche Produkte seit seiner Gründung im Jahr 2008. Diese Linse kann so gut wie das Auge fokussieren und kommt beispielsweise bei Handykameras zum Einsatz sowie bei der Lasermaterialverarbeitung und industriellen Bildverarbeitung . Das Unternehmen wurde wegen dieser neuen Technologie bereits mehrmals ausgezeichnet. Im Juni gewann die «Optotune AG» den Swiss Economic Award.
Kartoffelschälmaschine Die erste Kartoffelschälmaschine mit hydraulischem Antrieb wurde 1946 in Dietikon von der damaligen «Reppisch-Werke AG» erfunden. Bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts tüftelten internationale Technologen an solchen Maschinen, um die mühsame Handarbeit zu rationalisieren. Die ersten Schälmaschinen waren aus Grauguss und sehr schwer. Die heutige Immobilien-Firma «RWD» stellte damals ebenfalls solche Maschinen in der eigenen Giesserei her. Dann brachten sie das deutlich leichtere Modell aus Aluminium auf den Markt. Der «RWD-Imperator» war nur halb so schwer, multifunktional und elektrifiziert.
Börsen-Tastatur Anno 1994 schaffte die «Wey Elektronik AG» ihren Durchbruch. Dank ihrer eigens entwickelten Video-Matrix erhält das Unterengstringer Unternehmen den Zuschlag, ein Handelszentrum einer Schweizer Grossbank neu auszurüsten. Mit einer speziellen Tastatur, die der Schlieremer Hubert Wey 1982 entwickelte, war es möglich, die Daten von drei Terminals (heute PC genannt) auf 600 Bildschirme zu verteilen. Bald interessierten sich auch andere Börsen auf der ganzen Welt für dieses Produkt. Das Unternehmen ist heute Marktführerin auf diesem Gebiet.
Krebsdiagnose Prostatakrebs soll anhand eines verlässlichen Bluttests diagnostiziert werden. Daran forscht das Schlieremer Unternehmen «ProteoMediX AG» mit weiteren Partnern seit 2010. Prostatakrebs ist die am häufigsten bei Männern vorkommende Krebsart. Derzeit wird diese Krankheit anhand einer Methode diagnostiziert, die immer wieder zu falschen Ergebnissen führt. Der neue Bluttest soll die Diagnose insgesamt verlässlicher machen. Anhand von vier krebsspezifischen Proteinen wird gemessen, ob ein Tumor vorhanden ist. Im Jahr 2012 wurde das Spin-off der ETH Zürich mit dem «Life Sciences Prize» gekürt.

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zvg

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