Ratgeber Gesundheit
Whirlpool-Benützung bei Rheuma problematisch?

Wir haben uns einen Whirlpool für den Aussenbereich gekauft. Nun habe ich aber Bedenken, ob sich die Benutzung auf meine rheumatischen Beschwerden negativ auswirken kann. Zur Zeit nehme ich zur Linderung der Schmerzen täglich eine Tablette des Medikaments "Ecofenac CR 75". Ist der Whirlpool für mich ohne Bedenken nutzbar?

Dr. med. Andreas Thueler
Dr. med. Andreas Thueler
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Gesundheit Aargau
Dr. med. Andreas Thueler Chef der Abteilung für Rehabilitation und Rheumatologie am Kantonsspital Baden (KSB)

Dr. med. Andreas Thueler Chef der Abteilung für Rehabilitation und Rheumatologie am Kantonsspital Baden (KSB)

Gesundheit Aargau

Der Einfluss von Wasser auf den menschlichen Körper, insbesondere den Bewegungsapparat, beschäftigt die Menschheit schon seit Jahrtausenden. Auch in der Schweiz gibt es eine teils Jahrhunderte alte Tradition, Wasser in der Behandlung von Krankheiten einzusetzen. Im Wesentlichen werden die physikalischen und chemischen Eigenschaften des Wassers genutzt. Aus heutiger Sicht stehen die physikalischen Eigenschaften des Wassers im Vordergrund. Der Auftrieb, den der Körper im Wasser erhält, entlastet die Gelenke. Dies ermöglicht dem Patienten, Bewegungen leichter und mit mehr Wiederholungen auszuführen. Dies fördert die Durchblutung der Gelenkkapsel und somit eine bessere Ernährung des Gelenkes, was beispielsweise bei degenerativen rheumatischen Krankheiten wie Arthrosen sehr hilfreich sein kann. Die Wärme des Wassers hilft der Entspannung der Muskulatur. Wenn es zu Verhärtungen der Muskulatur kommt, hilft die Wärme zur Schmerzlinderung. Wärmezufuhr führt zu Öffnung der arteriellen Blutgefässe und somit zur Verbesserung von Ernährung und Abtransport von Schadstoffen in beschädigten Körperregionen. Zudem können Wasserstrahlen aus gezielten Düsen lokale Massageeffekte auslösen und zur Entspannung verhärteter Muskulatur beitragen. Wasser kann aber auch negative Einflüsse haben. Der Auftrieb gibt vor allem beim Stehen im Wasser Druck auf die untere Körperhälfte. Es kommt zu vermehrtem Rückfluss von Blut zum Herz und somit zur Herz-Kreislauf-Belastung. Solche negativen Einflüsse können verstärkt werden durch hohe oder tiefe Wassertemperaturen. Übermässiger Druck aus Massagedüsen kann bei Personen mit Blutungsneigung oder medikamentöser Blutverdünnung lokale Blutergüsse verursachen. Wärme kann bei akuten entzündlichen Krankheiten einen Krankheitsschub auslösen oder verstärken. Wassertemperaturen über 28°C sind hier nicht zu empfehlen. Für das Baden im Whirlpool kann kurz zusammengefasst werden: Handelt es sich um eine chronische, nicht entzündlich rheumatische Krankheit wie zum Beispiel Arthrosen, haben Auftrieb und Wärme einen eher positiven Einfluss. Bei akuten entzündlichen Krankheiten (Rheumatoide Arthritis, Psoriasisarthritis, Systemischer Lupus, ...) ist in einer aktiven Phase vom Baden eher abzuraten. Ist die Krankheit nicht stark entzündlich, sollte die Wassertemperatur nicht höher als 28°C betragen. Bei schweren Erkrankungen von Herz, Venensystem, Lunge und anderen sollte die Hausärztin um Rat gefragt werden.