Urdorf
Werner De Luca: «Das Schulklima wird sich nicht gross verändern»

Rektor Werner De Luca sieht dem Wachstum der Kantonsschule Limmattal gelassen entgegen. Der Fokus bleibe auf dem Austausch zwischen Schülern und Lehrern.

Alex Rudolf
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Der Rektor der Kantonsschule Limmattal, Werner De Luca, weiss, dass man grösseren Schulen vorwirft unpersönlich zu sein.

Der Rektor der Kantonsschule Limmattal, Werner De Luca, weiss, dass man grösseren Schulen vorwirft unpersönlich zu sein.

Jiri Reiner

Herr De Luca, vergangene Woche gab der Regierungsrat seinen Entscheid bekannt, die Kantonsschule Limmattal (KSL) auszubauen und vorerst auf ein Gymnasium im Knonaueramt zu verzichten. Wie reagierten Sie darauf?

Werner De Luca: Mir geht es primär nicht um den Entscheid für oder gegen den Standort Urdorf oder Affoltern am Albis, sondern viel eher darum, dass die Regierung nun endlich einen Entscheid gefällt hat. Jetzt wissen wir, in welchem Zeitrahmen wir zu unserer Aula und den beiden Turnhallen kommen. Diese beiden Projekte wurden aufgeschoben, bis die Regierung sich für einen der beiden Standorte entscheidet. Ebenso wichtig ist, dass nun eine zeitlich adäquate Lösung für die prognostizierte, steigende Schülerzahl in der Region möglich scheint. Natürlich nur, wenn keine Verzögerungen eintreten.

Nun wissen Sie, woran Sie sind. Über einen Entscheid für den Neubau einer Mittelschule in Affoltern am Albis hätten Sie sich also gleichermassen gefreut?

Alles hat seine Vor- und Nachteile. Beispielsweise wird die KSL mit diesem Ausbau von heute rund 740 vermutlich auf zwischen 1000 und 1100 Schüler im Jahr 2040 anwachsen. Grösseren Schulen wirft man vor, unpersönlich zu sein.

Wie werden Sie dieser Entwicklung begegnen?

Wir werden unsere heutige Schulkultur sicher beibehalten können. Diese zeichnet sich zum Beispiel dadurch aus, dass wir mit 15-Minuten-Pausen ein grosses Augenmerk auf den Austausch zwischen Schülern und Lehrpersonen legen.

Welche Vorteile oder Chancen ergeben sich durch die Erweiterung?

Voraussichtlich müssen wir keine Mischklassen, die aus Schülern mit unterschiedlichen Profilen bestehen, mehr führen. Aus pädagogischer Sicht ist dies erfreulich. Zudem können wir mehr Freifächer und Ergänzungsfächer anbieten, da diese abhängig von der Nachfrage durchgeführt werden.

Wie wird sich dieses Wachstum auf das Schulklima auswirken?

Ich denke nicht, dass sich dieses gross verändern wird. Ich stelle fest, dass die Durchmischung von Schülern aus dem urbanen Limmattal und denjenigen aus dem ländlich geprägten Knonaueramt für beide Seiten eine Bereicherung ist.

Wie reagieren Schüler aus dem Knonaueramt auf den Entscheid der Regierung? Sind Reaktionen zu Ihnen vorgedrungen?

Nein. Das war auch noch nie ein Thema. Wegen der angesprochenen 15-Minuten-Pausen ist das Ende unserer Unterrichtszeit um 17.50 Uhr im kantonalen Vergleich eher spät. Dies gibt zu diskutieren, da die Schüler aus dem Bezirk Affoltern noch den Heimweg auf sich nehmen müssen. Diesbezüglich müssen wir im Rahmen des Fahrplanwechsels der SBB ohnehin über die Bücher und möglicherweise neue Lösungen finden.

Politiker aus dem Knonaueramt haben sich stets für eine Kantonsschule in Affoltern am Albis eingesetzt. Eines der Hauptargumente war, dass mit einer Dezentralisierung weniger gependelt werden müsste. Was sagen Sie dazu?

Natürlich hätten Schüler aus dem Knonaueramt einen kürzeren Weg, gäbe es dort eine Kantonsschule. Es fragt sich jedoch, was sinnvoller ist: Eine neue Kantonsschule von Grund auf zu erbauen oder eine Erweiterung in einem ohnehin überbauten Gebiet wie hier in Urdorf zu realisieren?

Der Regierungsrat sieht einen sportlichen Zeitplan vor. So soll im Frühling 2016 bereits der Architekturwettbewerb ausgeschrieben werden. Haben Sie im Rahmen des Vorprojekts die Gelegenheit, Wünsche anzubringen?

Bei einem Bauvorhaben kommen immer verschiedene Interessen zusammen. Die KSL als künftige Nutzerin, die Bildungsdirektion als Investorin, das Immobilienamt als Besitzerin und das Hochbauamt als Bauexpertin werden Vertreter im Projektausschuss haben. Dass wir darin Einsitz haben, gibt uns die Möglichkeit, von Anfang an mitzugestalten.

Haben Sie schon konkrete Vorstellungen davon, wofür Sie sich im Projektausschuss einsetzen werden?

Nein. Aber es ist klar, dass jeder Schülerzuwachs auch Auswirkungen auf die bestehende Infrastruktur hat. Ich denke hierbei an die Mensa, aber auch an die Turnhallen oder die Laborräume, um einige Beispiele zu nennen. Dies alles muss jedoch erst mit allen vier Partnern besprochen werden. Es steht noch gar nichts fest. Bekanntlich ist eben erst der Entscheid des Regierungsrats gefallen.

Auf dem Gelände, wo früher die Sieber-Siedlung war — gleich neben dem Besucherparkplatz —, sollen dereinst der Anbau, die Aula sowie die beiden Turnhallen stehen?

Auch dies steht noch nicht fest. Ich denke aber, dass dies die sinnvollste Lösung wäre. Die Rahmenbedingungen für den Wettbewerb werden in den nächsten Monaten erarbeitet.

Im Rahmen der Allianz Pro Limmattalbahn setzen Sie sich für die Stadtbahn ein. Haben Sie das Gefühl, dass der Regierungsratsentscheid auch durch die Erschliessung der KSL mit der Stadtbahn beeinflusst wurde?

Das weiss ich nicht. Dadurch, dass die Limmattalbahn eine Haltstelle gleich neben unserem Schulgebäude haben wird, ist die KSL auch von der Stadt Zürich aus gut erreichbar. Möglich, dass dies in den Entscheid miteingeflossen ist.

Ist es demzufolge auch denkbar, dass Schüler aus Altstetten nach dem KSL-Ausbau hierher nach Urdorf kommen?

Ja. Das ist sicher möglich, falls der Andrang auf die Kantonsschulen der Stadt zunehmen sollte. Wie weit dies in die Entscheidung, die KSL auszubauen, Einfluss genommen hat, ist mir jedoch nicht bekannt.

Weil die Schülerzahlen der Mittelschulen im Kanton wachsen, braucht es mehr Schulraum. Oft ist die Rede von einer Akademisierung der Gesellschaft. Es gibt mehr arbeitslose Uni-Absolventen, Arbeitnehmer mit einer handwerklichen Berufslehre fehlen mancherorts. Müsste man das Wachstum von Mittelschulen stoppen?

Hier darf man nicht ausser Acht lassen, dass meines Wissens bis 2040 die Schülerzahlen der Berufsfachschulen im Kanton um 6500 steigen werden — diejenigen der Kantonsschulen um rund 3000. Man sollte das eine nicht gegen das andere ausspielen. Die einen werden mit einer akademischen Laufbahn glücklich, die anderen nicht. Zudem ist die Durchlässigkeit zwischen den verschiedenen Laufbahnen relativ gross. Zudem ist der prozentuale Anteil der Mittelschüler seit Jahren konstant und dürfte es auch in Zukunft bleiben.

Kantonsschule Limmattal: Bald gehört sie zu den grössten Mittelschulen im Kanton Zürich

Derzeit besuchen rund 740 Schüler die Kantonsschule Limmattal in Urdorf. Glaubt man den Wachstumsprognosen, werden die Schülerzahlen bis ins Jahr 2040 anwachsen. So rechnet man für die KSL mit 330 zusätzlichen Schülern. Der Zürcher Regierungsrat gab vergangene Woche bekannt, dass aufgrund dieses Wachstums die Kantonsschule Urdorf ausgebaut wird — bis ins Jahr 2022 sollen knapp 1000 Schüler in Urdorf die Mittelschule besuchen. Damit wird sie nach den Kantonsschulen Rämibühl und Zürich Nord (beide rund 2000 Schüler) und den Mittelschulen Zürcher Oberland, Rychenberg und Enge (rund 1000 bis 1200 Schüler) zu den grössten der insgesamt 18 Gymnasien im Kanton Zürich werden.