Gemeinden
Werden die Gemeinden abseits der Verkehrsachsen links liegengelassen?

Gestern wurden die Ergebnisse der Mitwirkung am Regionalen Gesamtverkehrs- und Siedlungskonzept Oberaargau (RGSK) vorgestellt. Vor allem kleineren Gemeinden verfolgen die Entwicklung skeptisch.

johannes reichen
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Vor fünf Jahren sah es so aus. Die Zukunft sehen die Wyssacher allerdings nicht so rosig. archiv

Vor fünf Jahren sah es so aus. Die Zukunft sehen die Wyssacher allerdings nicht so rosig. archiv

Solothurner Zeitung

Zieht man die wichtigsten Achsen über die Karte des Oberaargaus, zeigt sich eine grosse Ähnlichkeit mit dem Sternbild des Grossen Wagens. Die Verbindung Langenthal–Herzogen-
buchsee–Wangen/Wiedlisbach–Niederbipp–Langenthal ergibt das Viereck. Dazu kommt noch die Achse Langenthal–Huttwil. Das wäre dann die Deichsel. Fertig ist der Wagen. Und der soll jetzt den Oberaargau in die Zukunft ziehen.

Auf diese Achsen stützt sich grob das Regionale Gesamtverkehrs- und Siedlungskonzept Oberaargau (RGSK). Die Frage ist: Zieht der Wagen? Und ziehen die anderen mit? Dafür hat im letzten Herbst eine Mitwirkung zum RGSK stattgefunden. 35 von 47 Oberaargauer Gemeinden und dazu Pfaffnau LU, 7 Organisationen, 2 Unternehmen und 1 Ehepaar haben eine Eingabe gemacht.

Die anderen, dass sind die kleinen Landgemeinden, die nicht regionales Zentrum sind wie Langenthal, nicht «Zentrum 4. Stufe» wie Herzogenbuchsee, Niederbipp und Huttwil, und die auch keinen Autobahnanschluss haben wie Wangen a. A. und Wiedlisbach.

Kritische Äusserungen...

Im RGSK werden die Weichen für die Zukunft gestellt. Wo wird gearbeitet, wo gewohnt, wo gefahren? Das Planungsinstrument wird auf Geheiss des Kantons Bern in allen sechs bernischen Regionen erarbeitet – und da und dort heiss gekocht.

«Wir waren gespannt auf die Reaktionen», sagte Thomas Rufener. Der Langenthaler Stadtpräsident stellte gestern in seiner Funktion als Präsident der Kommission Planung der «Region Oberaargau» vor den Medien die Ergebnisse der Mitwirkung vor. «Der Gesamteindruck ist positiv», sagte er.

Wie die Reaktionen allerdings auch zeigen, verfolgen viele Gemeinden die Entwicklung skeptisch und fürchten, wie etwa Ursenbach: «Gemeinden abseits der Verkehrsachsen werden links liegen gelassen.»

Rumisberg schreibt: «Das vorhandene Entwicklungspotenzial in den Landgemeinden wird nicht thematisiert.» Attiswil meint: «Die ländlichen Gemeinden spielen keine Rolle.» Und die dramatischsten Worte kommen aus dem Süden: «Die Aussagen zu Nichtausdehnung der Siedlung im ländlichen Raum sind der finale Todesstoss für Wyssachen. Damit wird zementiert, dass die kleinen Gemeinden für den Kanton nur noch eine Last sind.»

Im Norden etwas umstritten ist die Wahl Niederbipps als Subzen-trum. Wangen a. A. sähe sich zusammen mit Wiedlisbach ebenfalls gerne in dieser Position. «Sie sehen aber, dass sie dafür etwas tun müssen», sagte Projektleiter Markus Ischi.

...und pragmatische Stimmen

Die Gemeinden geben sich auch durchaus pragmatisch. «Sie stehen hinter den Achsen», sagte «Region»-Geschäftsführer Stefan Costa. Die zentrale Bedeutung Langenthals wird allgemein anerkannt. Dazu wertete «Region»-Präsident Robert Sutter positiv: «Keine einzige kleinere Gemeinde will eigene Arbeitszonen.»

Dennoch möchten viele dem Verhältnis zwischen peripheren und zentralen Orten noch mehr Beachtung schenken.