Zürich Niederdorf
Wer kann sich das leisten? - Horrende Mietpreise für Starbucks Nachfolger

Der Starbucks verlässt nach über 9 Jahren die malerischen Gässchen des Zürcher Niederdorfs. Nach Meinung der Stadt soll erneut ein Café den Stüssihof beleben, doch dafür verlangen sie 10'000 Franken Monatsmiete - zu hoch, wie Gastroprofis und Politiker finden.

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Das Niederdorf ist unter Passanten beliebt, doch ob ohne Aussensitzplätze genug Umsatz generiert werden kann, lässt Gastroprofis zweifeln.

Das Niederdorf ist unter Passanten beliebt, doch ob ohne Aussensitzplätze genug Umsatz generiert werden kann, lässt Gastroprofis zweifeln.

Keystone

Es ist eine Meldung, die überraschen mag: der Starbucks am Niederdorf schliesst bis Ende September seine Tore. Bisher schossen die Filialen der amerikanischen Kaffeekette wie Pilze aus dem Boden - was ist passiert?

Der Konzern bestätigte gegenüber dem «Tagesanzeiger», dass sie das Kaffeehaus schweren Herzens schliessen würden. Der auslaufende Mietvertrag würde nicht verlängert. Über die Gründe schweigen sie sich aus.

120'000 Franken soll nun ein Nachfolger berappen, was sich auf 10'000 Franken Monatsmiete beläuft. Im Innenbereich beherbergt das Café bis zu 50 Sitzplätzen, vor dem Lokal jedoch fast keine. Das sei ein Problem, sind sich Gastroprofis einig.

600 Tassen Kaffees pro Tag

Für einen jährlichen Zins von 120'000 Franken müsse ein Lokal rund 1,2 Millionen Franken Umsatz generieren. Für ein Café an der Ecke Stüssihofstatt/Rindermarkt bedeute das einen täglichen Umsatz von 3000 Franken, oder in Getränken ausgedrückt: mehr als 600 Tassen Kaffee für je fünf Franken müssten pro Tag verkauft werden, so Michel Péclard gegenüber dem «Tagesanzeiger». Er selbst ist erfolgreicher Gastronom mit diversen Restaurants in Zürich. Vor allem die wenigen Sitzplätze kritisiert er, dafür sei der Preis sehr hoch bemessen.

Alvaro Marangoni, der am Limmatquai das «Grande» führt, bemängelt nicht nur den hohen Preis; ihm sind besonders die wenigen Aussenplätze ein Dorn im Auge. Das sei in den Sommermonaten sehr schwierig, meint er.

Da die Stadt mit rund 80 Restaurants und Take-aways unter Gastronomen als moderate Vermieterin bekannt ist, überrascht der hohe Preis am Rindermarkt doch ein wenig. Das zuständige Finanzdepartement rechtfertigt gemäss «Tagesanzeiger» die Marktmiete damit, dass städtische Lokale an attraktiven Lagen jene mitfinanzieren würden, die weniger rentabel sind.

Politiker kritisieren hohe Mietpreise

Rebekka Wyler findet diese Praxis zwar sinnvoll, dennoch sei es Aufgabe der Stadt, günstige Gewerberäume im Zentrum zur Verfügung zu stellen. Mit derart hohen Mietpreisen seien kleinere Unternehmen nicht überlebensfähig, was die Vielfältigkeit dieser begehrten Orte bedrohe, so die SP-Gemeinderätin.

Auch FDP-Gemeinderat Urs Egger zweifelt am hohen Mietpreis. 120'000 Franken Jahresmiete zu erwirtschaften, sei an diesem Standort nicht einfach. Es müsse sicher eine Gastro-Firma sein, die eine gewisse Grösse und finanzielle Sicherheit habe.

Wer die Starbucksfiliale am Stüssihof ersetzen wird, ist noch unklar. Wenn es nach Wunsch des Quartiervereins Zürich 1 geht, soll es auf jeden Fall ein Lokal sein, dessen Charakter nicht austauschbar ist. Die Tage von prominenten Kaffeegiganten scheinen am Rindermarkt gezählt. (sm)