Aarwangen
Wenn der eigene Hund austickt ist Beat Käser zur Stelle

Hunde sind manchmal unberechenbar. In speziellen Sommerkursen lernen Hunde und ihre Halter dehalb, mit brenzligen Situationen zurechtzukommen. Mit seinen Workshops will Hundetrainer Beat Käser Hundegegnern oder -hassern vorbeugen.

Julian Perrenoud (Text und Bild)
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Begegnungen zwischen Hunden und spielenden Kindern sind nicht immer konfliktfrei. Im Workshop wird geübt.

Begegnungen zwischen Hunden und spielenden Kindern sind nicht immer konfliktfrei. Im Workshop wird geübt.

In Reih und Glied sitzen die Hunde bereit, dicht neben ihren Frauchen und Herrchen. Labradore, darunter ein angehender Blindenhund, ein Schäferhund, ein Rottweiler.

Aufmerksam beobachten sie das, was sich um sie herumschlängelt: ein Zwergspaniel. Gefolgt von anderen Kleinhunden. Aufgeregt tapst der Papillon um seine viel grösseren Artgenossen, schnuppert kurz, zieht sich respektvoll zurück und lässt sich am Ende des Parcours von seinem Frauchen ausgiebig loben.

Auf dem Gelände der ZAR Aarwangen, dem Ausbildungszentrum des Zivilschutzes, finden derzeit jeweils sonntags und an zwei Mittwochabenden Ferienworkshops für Familienhunde statt. Hundetrainer Beat Käser trainiert hier mit den Kursteilnehmern Begegnungen von Hund zu Mensch, grossen zu kleinen Hunden und das Führen in grossen Gruppen.

Als sehr wichtig bezeichnet Käser Kurse wie diese, «denn die Leute sind heute einfach unsicher». Wie sollen sich Spaziergänger verhalten, wie die Hundeführer selber, falls es zur Konfrontation kommt? Was, wenn der Hund Angst vor Kindern hat? Oder vor Velos, lauten Geräuschen und anderen Hunden?

An diesem Sonntagmorgen stehen Begegnungen mit Menschen auf dem Programm. 17 Hunde und ihre Halter warten auf Instruktionen – viel mehr, als Käser erwartet hat. Sein Angebot ist beliebt, die Teilnehmer sind bunt gemischt, zwischen 17 und über 70 Jahre alt. Obschon 17 Tiere eine stattliche Zahl ist, erwartet der Hundetrainer keine Probleme, denn er kennt alle Hunde und ihre Besitzer dank seiner Hundeschule.

Metzger wird Welpenspiegruppenleiter

Als Metzger arbeitend, fand Käser über die Papierfabrik und das Lastwagenfahren seine eigentliche Berufung: Er erhielt eine Anfrage als Welpenspielgruppenleiter in Aarwangen. Was vor fünf Jahren im Nebenberuf begann, macht er seit mittlerweile drei Jahren hauptberuflich.

In den Kursen auf dem ZAR-Areal hilft ihm Käthy Brändli, heute Übungsleiterin, früher selbst Besucherin der Welpenspielgruppe.

Die Hundeführer teilen sich in zwei Gruppen auf. Käser übt mit den grossen die Begegnung mit Kindern. Etwas, mit dem Hundehalter fast täglich konfrontiert werden.

Die zwei Mädchen tragen an den Hunden lange Kartonschachteln, sie sollen Einkaufstüten simulieren, vorbei, klatschen diese gegeneinander oder folgen den Tieren klingelnd und rufend auf dem Velo.

Vielen Hunden ist die Hundeschule bereits anzusehen: Sie schenken dem Treiben keinen oder nur einen kurzen Blick, ehe sie sich wieder auf ihre Aufgabe konzentrieren. Für Leiter Käser ist die Zivilschutzanlage ideal.

Fuchs und Katz als Zuschauer

Eine natürliche Umgebung ist bereits vorhanden, nichts muss künstlich arrangiert werden. Vögel zwitschern, mal streifen Katzen um die ausgebrannten Autos und eingestürzten Bunker, mal sogar ein Fuchs.

Etwa 50 Meter entfernt hüpft ununterbrochen ein Mädchen auf einem Pogo Stick, einer Hüpfstange. Irritiert bis leicht verängstigt umrunden die kleinen Hunde das Kind, die Augen starr auf das seltsame Ding gerichtet.

Am Ende folgt die Auflösung: Sie dürfen die Hüpfstange ausgiebig beschnuppern, und, wenn nötig, auch anbellen. Damit, sagt Brändli, liesse sich die Angst der Tiere auflösen.

Es folgen ein Kreuzen in einem engen Durchgang mit anderen Personen, wie bei einer Wanderung oder einem Spaziergang, das Überqueren einer Fussballwiese und noch einige Streicheleinheiten. Brändli bemerkt, dass Unwissende oft falsch streicheln würden. «Viele Hunde schätzen es nicht, wenn man sie am Kopf streichelt. Dagegen am Hals oder Bauch umso mehr.»

Bei der anschliessenden Kaffee- und Gipfeli-Pause reden die Hundehalter übers Spazieren, ungeduldige Velofahrer und viel Verkehr an Sonntagen. Käser weiss um diese Probleme: «Viele Leute fühlen sich durch Hunde belästigt.»

Um Hundegegnern oder gar -hassern vorzubeugen, bietet Käser diese Ferienworkshops an. «Am besten wäre es», ergänzt Brändli, «wenn auch normale Spaziergänger teilnehmen würden.» Denn dann könnten sie sehen, wie professionell mit Hunden gearbeitet werden kann. Käser sieht in den Hunden einen wertvollen Mehrwert für die Gesellschaft. Deshalb müsse man zu ihnen Sorge tragen.

Weitere Workshops: «Begegnungen kleine/grosse Hunde»: Heute Sonntag, 21. Juli, 9.30 bis 11 Uhr. «Mensch-Begegnungen»: Mittwoch, 31. Juli, 19 bis 20.30 Uhr. «Führtraining in grosser Gruppe»: Sonntag, 28. Juli, 9.30 bis 11 Uhr.