Konzert
Wenn das Schlieremer Orchester dem Publikum schmeichelt

Das Stadtorchester spielte Stücke von romantischen Komponisten – eine Wiederentdeckung.

Susanne Brem
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Virtuose Klänge vom Stadtorchester Schlieren
9 Bilder
Stadtorchester Schlieren
Muriel Gabathuler (Konzertmeisterin)
Schlieren: Stadtorchester spielt in der reformierten Kirche
Der Dirigent Hugo Bollschweiler
Der Applaus nach dem Konzert war riesig
Die Solistin Isabell Weymann

Virtuose Klänge vom Stadtorchester Schlieren

sbr

Wer kennt François-Joseph Gossec, Charles Gounod, Benjamin Godard oder André-Modeste Grétry? Die Antwort ist wohl: niemand! Tatsache aber ist, zu ihrer Zeit im 19. Jahrhundert waren sie alle sehr bekannte Komponisten Frankreichs. Doch dann gerieten sie weitgehend in Vergessenheit. Mit dem Winterkonzert hat das Stadtorchester Schlieren diese Namen wieder aufleben lassen. Als Solistin an der Flöte wirkte Isabell Weymann.

Es war eine fantastische Reise in die Vergangenheit. Leicht, transparent, luftig, elegant dies sind einige Attribute, die die Flötenklänge der damaligen Zeit, der Zeit der Romantik, umschreiben könnten. Die Flöte gilt als urfranzösisches Instrument schlechthin. Wie sinnlich-betörend, schmeichelnd und zugleich hochvirtuos dieses Instrument klingen kann, stellte die Solistin Isabell Weymann am Sonntagabend gleich selber unter Beweis. «La Flûte fantastique», so das Motto des Konzertabends. «Fantasie für Flöte und Orchester» von Gabriel Fauré (1845–1929) war einer der Höhepunkte des Abends. Das Werk, ursprünglich für Flöte und Klavier komponiert, war hier als Bearbeitung für Flöte und Orchester zu erleben. Und schloss der Zuhörer die Augen, durfte er sich tragen lassen von den Klängen des Orchesters. Setzte nun die Solistin an der Flöte mit ihrem Spiel ein, erlebte der Zuhörer einen wahren Strauss voller musikalischer Bilder. Es war märchenhaft, fast als schwebten Feen und Elfen durch das Kirchenschiff.

Die reformierte Kirche war bis in die hintersten Ränge besetzt. «Es freut mich», fand Dirigent Hugo Bollschweiler im Verlauf des Konzerts, «dass so viele Menschen heute Abend hierhergefunden haben. Zumal die Komponisten Gossec, Gounod, Godard Gretry kaum mehr jemand kennt.»

Das Publikum durfte sich freuen auf diese Neuentdeckungen. Nehmen wir François-Joseph Gossec (1734–1829). Ihm war ein langes Leben beschieden. Geboren wurde er zu Lebzeiten von Johann Sebastian Bach. Als Komponist überlebte er nicht nur Haydn, Mozart und Beethoven, sondern auch Schubert und Weber. Gossec wurde später zum offiziellen Komponisten der Französischen Republik. Seine Sinfonie in D-Dur, sie bildete den Auftakt des Konzertabends, war noch geprägt von den Einflüssen des Barock. Doch dann führte die musikalische Reise direkt in die Romantik. Mit Gounod (1818–1893), Godard (1849–1895) und Fauré (1845–1924) wurden die Zuhörer bald umgeben von plüschigen Schmeicheleien oder virtuosen Parlandi des 19. Jahrhunderts, sodass sie bald vergessen durften, dass das Stadtorchester Schlieren hauptsächlich aus Laienmusikern besteht. Dass hier Leidenschaft jedes Einzelnen mitschwingt, spürte das Publikum beim Zuhören. Zu den Konzerten zieht Dirigent Hugo Bollschweiler jeweils eine Anzahl Profimusiker hinzu, sodass das Erlebnis zum Genuss wird.

«Es macht Spass, als Laie beim Stadtorchester mitzuwirken», fand Norbert Hess nach dem Konzert. Er ist einer der Streicher, ein Urgestein im Stadtorchester: «Sobald wir gemeinsam spielen, kann ich den Alltag hinter mir lassen und alles vergessen.»

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