Ständeratswahlen
Welche Ständeratskandidaten blieben ihrer Meinung treu, welche nicht?

Wie sich Adrian Amstutz, Marc Jost, Christa Markwalder und Ursula Wyss in den letzten 13 Jahren verändert haben. Die Smartvote-Spinnennetze verraten so Einiges.

S. Thomi (Text) und F. Gerber (Fotos)
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Ständeratskandidaten im jahrelangen Vergleich
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Christa Markwalder.
Marc Jost
Ursula Wyss.

Ständeratskandidaten im jahrelangen Vergleich

Solothurner Zeitung

Die «Spinnennetze» der Wahlhilfe www.smartvote.ch haben sich längst verselbstständigt: Werden heutzutage Politikerinnen und Politiker eingeordnet, wird oft der Smartspider beigezogen. Ein praktisches Ding, vermag dieser doch auch politisch weniger interessierten Personen einen Gesamteindruck von abstrakten Themen zu vermitteln. Womit Politiker einigermassen vergleichbar werden. Ergibt sich doch je nach Antwort auf dieselben Fragen für jede Partei respektive Person ein anderes Bild.

Kinderkrankheiten aus dem Geburtsjahr 2003 hat Smartvote längst hinter sich und wurde volljährig. Das ermöglicht nun spannende Vergleiche: Wie haben sich die Exponentinnen und Exponenten über die Jahre entwickelt? Gerade mit Blick auf die bernische Ständerats-Ersatzwahl vom Sonntag werden die Smartspider immer wieder als Argument für oder gegen eine Kandidatur verwendet. – Ein Vergleich drängt sich also auf.

Markwalder weniger gesellschaftsliberal

Christa Markwalder etwa antwortet heute auf Smartvote-Fragen wesentlich weniger umweltfreundlich als noch 2007. Auch ist sie offenbar noch halb so gesellschaftsliberal wie vor vier Jahren. Fast schon klassisch für eine Freisinnige gibt sich die heutige Teilzeit-Juristin bei Zurich Financial Services wirtschaftsliberaler und bevorzugt eine restriktivere Finanzpolitik. Nur bei Themen zur aussenpolitischen Öffnung sowie in Law-and-Order-Fragen antwortet die Burgdorferin vergleichbar wie bei den letzten nationalen Wahlen.

«Ich traue keiner Statistik, die ich nicht selber gefälscht habe»: Dieser Satz wird zwar meist dem britischen Ex-Premier Winston Churchill in den Mund gelegt. Wann immer jedoch – bestenfalls sich widersprechende – Ratings publiziert werden, erhält er bis heute neue Aktualität. So auch im Fall von Smartvote: «Ich komme mir vor wie ein Zauberlehrling, der befremdet beobachtet, wie seine Zaubereien sich verselbstständigen», hielt Michael Hermann von der Zürcher Forschungsstelle Sotomo jüngst im «Bund» fest. Der in Huttwil aufgewachsene Politgeograf war seinerzeit bei der Entwicklung des Smartspiders mit dabei und blickt nun bange auf die laufende bernische «Schlacht der Ratings», wie er schreibt: «Wenn man solche Ratings und Analysen erstellt, weiss man, dass diese immer nur eine mögliche Sicht der Realität widergeben und wesentlich von den gewählten Grundannahmen abhängen.»

Wyss mit härterer Gangart in Migrationsfragen

Ursula Wyss votiert heute – überraschend eigentlich für eine Linke – leicht stärker für Themen der wirtschaftlichen Liberalisierung sowie je eine leicht härtere Gangart in Law-and-Order- und Migrationsfragen. Ansonsten scheint sich die SP-Fraktionspräsidentin im Bundeshaus ihrer Politik treu geblieben zu sein. Die Berner Ökonomin und hauptberufliche Politikerin – das zeigen die Smartspider deutlich – ordnet sich klar links der Mitte ein.

Marc Jost erscheint dagegen wie die Mitte in Person: Der Thuner EVPGrossrat kandidierte vor vier Jahren zwar erfolglos für den Nationalrat, füllte Smartvote aber ebenso aus. Generell lässt sich daher sagen, dass der CEO eines evangelischen Hilfswerks ausser in Fragen der politischen Öffnung sowie der wirtschaftlichen Liberalisierung überall offener wurde. Er will nun einen ausgebauteren Sozialstaat, mehr Umweltschutz sowie eine restriktivere Migrationspolitik.

Amstutz weniger strikt in Rechtsfragen

Adrian Amstutz, ansonsten als politischer Hardliner bekannt, hat eben als Letzter die Smartvote-Fragen beantwortet und überrascht nun damit, dass er heute in Law-and-Order-Fragen weniger strikt ist als noch bei den letzten nationalen Wahlen 2007. Ganz auf der Parteilinie stellt er sich inzwischen jedoch gegen jeden Ausbau des Sozialstaates und steht für eine noch restriktivere Finanzpolitik ein als vor vier Jahren. Nichts wissen will der Sigriswiler Nationalrat nach wie vor von politischer Öffnung, gesellschaftlicher Liberalisierung und kaum etwas von Umweltschutz.

Die Rating-liste wurde für diesen Artikel bewusst auf Smartvote beschränkt; lässt die Online-Plattform mit den Nationalratswahlen 2007 doch als einziges Rating für alle Kandidierenden einen einheitlichen Vergleich zu. Im laufenden Wahlkampf berichtete das az Langenthaler Tagblatt aber auch über das KMU-Rating des Schweizerischen Gewerbeverbandes (Markwalder liegt prozentual ganz knapp vor Amstutz) oder übers Rating der bernischen Umweltverbände (wo Wyss vor Jost liegt). Ergänzend gäbe es noch das Rating der Komplementärmediziner (hier rangiert Wyss vor Amstutz). Nur ein Rating, das Mitte-Mann Jost anführt, hat die Redaktion bis heute nicht erreicht.

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