Schlieren
Wegen der Limmattalbahn ist unklar, wo Randständige künftig essen

Weil ab kommendem Jahr die Limmattalbahn gebaut wird, braucht der Mittagstisch des Sozialdienstes einen neuen Ort.

Alex Rudolf
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Täglich besuchen zwischen 20 und 30 Personen den Mittagstisch der Sozialdienste Limmattal auf dem Chilbiplatz.

Täglich besuchen zwischen 20 und 30 Personen den Mittagstisch der Sozialdienste Limmattal auf dem Chilbiplatz.

Alex Rudolf

Ein Mann und eine Frau Anfang 40 stehen neben dem hölzernen Treppenaufgang zum Schopf auf dem Schlieremer Chilbiplatz. Sie rauchen kurz vor zwölf Uhr mittags noch eine Zigarette, bevor das Essen auf die Teller kommt. Drinnen haben sich schon zirka 20 Personen auf die kleinen Tische verteilt und warten auf die Spaghetti. In dieser Form wird es den Mittagstisch für Randständige des Sozialdienstes Limmattal (SDL) nur noch bis Ende dieses Jahres geben. Wie Geschäftsleiter Ueli Meier auf Anfrage bestätigt suche man eine neue Bleibe, da auf dem heutigen Chilbiplatz die Limmattalbahn dereinst ihre Schlaufe ziehen wird. Nach 21 Jahren an demselben Ort ist also Schluss: «Wir haben unsere Bedürfnisse an den neuen Raum bei den Städten Schlieren und Dietikon angebracht und sind zuversichtlich, dass sich eine Lösung finden lässt», so Meier.

Auf einem Anforderungsblatt, das der Limmattaler Zeitung vorliegt, zeigt sich, dass nicht wenig Ansprüche an die neue Lokalität gestellt werden. So sei eine Fläche von zwischen 100 und 150 Quadratmetern, eine gegen den Essraum offene Küche sowie ein Büro und eine zentrale Lage von Nöten. Auch sollte sich in unmittelbarer Nähe keine Schule oder Kita befinden und die Liegenschaft sollte über einen separaten Eingang verfügen.

Energetisch veraltetes Holzhaus

Das Holzhäuschen, in dem der Mittagstisch derzeit beheimatet ist, auf eine andere Brache zu transportieren, komme nicht infrage. «Die energetischen Anforderungen haben sich verändert», sagt Meier. Der Bau entspreche den heute geltenden Richtlinien nicht mehr. Nun sei man auf die Unterstützung der Städte Schlieren und Dietikon angewiesen, zeigt sich Meier zuversichtlich.

Ein Grund dafür, dass Meier so hoffnungsvoll gestimmt ist, dürfte Manuela Stiefel sein. Die FDP-Stadträtin ist nicht nur Finanz- und Liegenschaftsvorsteherin, sondern auch Schlieremer Vertreterin der Delegiertenversammlung des SDL-Zweckverbands. Auf Anfrage sagt Stiefel, dass mit dem SDL bereits Gespräche geführt worden seien. «Zwar haben wir derzeit keine städtische Liegenschaft im Angebot, doch verfügt die Liegenschaftsverwaltung über viele Kontakte zu privaten Eigentümern, die der SDL einen Raum vermieten würden», so Stiefel. Es sei zwar noch nichts spruchreif, aber es bestünden verschiedene Optionen, sagt sie. Zwei Faktoren würden die Suche nach einem passenden Ort jedoch erschweren, gibt sie zu bedenken: «Die Anforderungen an eine zentrale Lage sind ziemlich schwierig zu erfüllen. Diesbezüglich muss man wohl Kompromisse eingehen.» Auch die Zonenkonformität sei eine Knacknuss: «Der Mittagstisch darf nicht in einer x-beliebigen Zone betrieben werden. Ideal wäre es, wenn sich ein Gebäude in der Industriezone finden liesse», so Stiefel. Sie verweist auch darauf, dass es der Stadt ein Anliegen sei, dass der SDL-Mittagstisch weiterhin in Schlieren beheimatet bleibe.

Ueli Meier ist sich bewusst, dass es keine leichte Aufgabe ist, etwas Passendes zu finden: «Die Anforderung an eine zentrale Lage ist uns wichtig, da viele unserer Kunden zu Fuss oder mit dem öffentlichen Verkehr kommen.» Auch sei ihm klar, dass einige Menschen lieber keinen Mittagstisch für Randständige in ihrer Nachbarschaft wollten. «Genau um Konflikte zu vermeiden, haben wir eine derart lange Liste an Anforderungen, die erfüllt werden müssen.»

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