Strafuntersuchung
Weder Veruntreuung noch Urkundenfälschung: Stefaninis Vertraute entlastet

Gegen vier Vertraute des Winterthurer Unternehmers und Kunstsammlers Bruno Stefanini wird keine Anklage erhoben: Die Vorwürfe wegen Veruntreuung, Sachbeschädigung und Urkundenfälschung werden nicht weiterverfolgt. Der Machtkampf um das milliardenschwere Stefanini-Imperium ist damit aber noch nicht entschieden.

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Bettina Stefanini, die Tochter des Immobilienmoguls, hat 2014 Beweismittel gegen die Stiftungsräte vorgelegt.

Bettina Stefanini, die Tochter des Immobilienmoguls, hat 2014 Beweismittel gegen die Stiftungsräte vorgelegt.

Keystone

In Zusammenhang mit dem Streit, wer mit welchen Befugnissen in der Stefanini-Stiftung Einsitz nehmen kann, wurde im November 2014 gegen vier damalige Stiftungsratsmitglieder eine Strafanzeige eingereicht.

Den vier Vertrauten des heute 91-jährigen Stefanini wurden Veruntreuung, ungetreue Geschäftsbesorgung, Sachbeschädigung und Urkundenfälschung vorgeworfen.

Einstellung nach eingehender Prüfung

Nach eingehender Prüfung dieser Vorwürfe sei die Untersuchung nun in allen Punkten eingestellt worden, sagte der zuständige Staatsanwalt Martin Wyss am Freitag gegenüber der Nachrichtenagentur sda.

Stefaninis Terresta Immobilien- und Verwaltungs AG schreibt in einer Medienmitteilung von "haltlosen Vorwürfen", die nun "durch die sorgfältige Untersuchung offiziell widerlegt sind".

So sei das "Gros der wertvollen Kunstgegenstände", die sich im Eigentum von Stefaninis Stiftung befinden, "ordnungsgemäss eingelagert". Von einer problematischen Lagerung seien vor allem Güter geringen Wertes betroffen: Bei diesen stelle sich die Frage, ob sich eine äusserst teure Lagerhaltung rechne, heisst es in der Terresta-Mitteilung.

Zudem gebe es auch keine Anhaltspunkte für eine Urkundenfälschung: Die Protokollierung der umstrittenen Stiftungsratssitzung sei korrekt erfolgt.

Streit um Stiftung nicht entschieden

Trotz Einstellung des Strafverfahrens ist der eigentliche Streit um die Stiftung nicht beendet, der sich um eine Anpassung der Stiftungsurkunde dreht.

Diese sah ursprünglich vor, dass die Kinder nachrücken und auch die weiteren Mitglieder des Gremiums bestimmen könnten, sollte sich Bruno Stefanini zurückziehen. Der Stiftungsrat änderte diesen Passus aber ab. Das entspreche dem Willen des Stifters, brachten die damaligen Stiftungsräte vor.

Die sich ausgebootet fühlenden Kinder sprachen hingegen davon, dass ihr Vater zu einer solchen Entscheidung gar nicht mehr fähig sei, da er an Demenz leide. Sie warfen dem Stiftungsrat Machtgelüste vor: Es gehe letztlich "durch die enge Verquickung von strategischer und operativer Ebene" auch um das milliardenschwere Stefanini-Imperium, sagte deren Rechtsvertreter im September 2014.

Entscheid steht noch aus

Ob nun diese Änderung der Stiftungsurkunde rechtens war oder nicht, das ist mit der Einstellung des Strafverfahrens noch nicht geklärt: Die fragliche Sitzung dürfte zwar offenbar richtig protokolliert worden sein, doch ob der Entscheid inhaltlich zulässig war, bleibt offen.

Der Fall liegt derzeit beim Bundesverwaltungsgericht. Die Eidgenössische Stiftungsaufsicht hatte zuvor die Änderung abgelehnt. Die Stiftung wird, bis die Frage geklärt ist, von einem eingesetzten Sachwalter geführt.

Bruno Stefanini wurde im Bauboom der Nachkriegszeit zum Multimillionär. Dem Winterthurer Immobilienkönig gehören auch vier Schlösser, darunter Grandson am Neuenburgersee. Einen Grossteil seines Vermögens investierte er in Kunstschätze, die er in seiner Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte einbrachte. Sie soll rund 100'000 Werke umfassen.

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