Wattenwil
Wattenwil: Italienische Pferde aus Deutschland

Der 61-jährige Pferdeliebhaber Walter Brawand aus Wattenwil will bald die Rasse Bardigiani züchten. Die Tiere seien für Kinder und Jugendliche ideal, um aus ihnen Pferdeliebhaber zu haben.

Jürg Amsler
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Walter Brawand mit Tochter Sandra und deren Gottekind Angela auf den beiden Bardigianostuten.sl

Walter Brawand mit Tochter Sandra und deren Gottekind Angela auf den beiden Bardigianostuten.sl

Ans Kürzertreten denkt Walter Brawand schon. Der 61-Jährige reduziert schrittweise sein Arbeitspensum. Seine gewonnene Freizeit will der Wattenwiler für sein Hobby nutzen. «Ich ‹pönele› seit 1988.»

Brawand zeigt auf die vielen Fotos, die an der Stallwand hängen. Pferde mit einem Stockmass nicht über 1,50 Meter haben es ihm besonders angetan.

Diese Tiere seien für Kinder und Jugendliche ideal, um aus ihnen Pferdeliebhaber zu machen. Genau das ist es, was er mit seiner Freizeitbeschäftigung erreichen will.

«Jeden Morgen um sechs Uhr fahre ich hoch zu meinen beiden Pferden nach Riggisberg.» Hier, im Freilaufstall auf dem Land seiner Schwiegereltern, haben nicht nur die beiden Bardigianostuten Furia und Gina eine neue Heimat gefunden.

«Wenn ich bei den Pferden bin, kann ich so richtig abschalten», sagt Brawand. Die Arbeiten im Stall sind für ihn nichts Lästiges. Dass es die beiden Pferde in ihrem «Schlafzimmer» gut haben, sieht der Besucher auf den ersten Blick.

Und dass sie punkto Bewegung nicht zu kurz kommen, ist sofort klar. Tochter Sandra Fuss-Brawand und ihr Gottekind Angela warten auf Gina und Furia sitzend nur noch den Fototermin ab – dann gehts los auf den Ausritt.

«Pro Woche mindestens zweimal wird richtig geritten. Falls dies nicht möglich ist, dann führe ich die beiden Tiere spazieren.» Der Pferdenarr weiss seine Pferde jetzt in guter Obhut und findet Zeit zu erzählen. Zum Beispiel darüber, wie er zu diesen gekommen ist.

Liebe auf den ersten Blick

Vor acht Jahren, an der «Eurocheval» in Offenburg (D) habe er diese Pferderasse aus Italien zum ersten Mal gesehen – «und mich sofort in sie verliebt».

Zusammen mit Pascal Mosimann aus Belp sei er fünf Jahre später an die Pferdeschau ins norditalienische Bardi gereist. «Wir wollten uns im Ursprungsland der Bardigiani umsehen. Mit dem festen Ziel, mit Pferden in die Schweiz zurückzukehren.»

Aus Kostengründen hätten sie dieses Vorhaben aber fallen gelassen. «Im Mai 2010 sind wir im Internet darauf gestossen, dass in Plattling (Bayern) eine Bardigianostute zum Kauf angeboten wird. Beim ersten Besuch haben wir erfahren, dass sogar zwei Stuten zur Auswahl standen.»

Nach einigen Mails und weiteren Kontakten habe die deutsche Züchterin sogar ein Angebot unterbreitet, das nicht ausgeschlagen werden konnte. «Wir wurden handelseinig und die damals zwölfjährige Zuchtstute Furia, die sechsjährige Gina und die zweieinhalbjährige Marinella sollten bald in Riggisberg ein neues Zuhause haben.»

Brawand erinnert sich an diese entscheidenden Tage, als ob es gestern gewesen wäre. Vor allem auch deswegen, weil es bei der Einfuhr der drei Pferde am österreichischen Zoll Schwierigkeiten gab und der Amtsschimmel überlistet werden musste. «Erst beim zweiten Mal an einem anderen Grenzübergang konnten wir problemlos passieren.»

Über ein Jahr sind die drei Huftiere jetzt in der Schweiz, zwei in Riggisberg und Marinella, die Jüngste des Trios, im Tessin. «Sie ist bei unserem Freund Pietro Fontana, wo sie unter anderem zu Therapiezwecken beim Reiten mit Behinderten wertvolle Dienste leistet. Die Bardigiani sind sehr genügsam und eignen sich dazu hervorragend.»

Brawand hat noch mehr vor: «In ein bis zwei Jahren will ich mit den Stuten züchten, um so die Rasse in der Schweiz noch mehr zu verbreiten. Erst müssen die Bestimmungen des Schweizerischen Verbandes für Ponys und Kleinpferde erfüllt sein und die Rasse in dessen Zuchtbuch aufgenommen werden.»

Auf dem Bock sicherer als im Sattel

Etwas anderes schwebt dem gelernten Landwirt ebenfalls vor: «Furia und Gina würden doch ein schönes Gespann geben.» Gespannfahren ist eine weitere Leidenschaft, der Brawand mit grosser Hingabe nachgeht.

Im Gegensatz zu seiner Tochter, die lieber auf dem Pferderücken im Sattel sitzt, bevorzugt er es, vom Bock aus die Pferde zu lenken: «Das Turnierfahren – ein- oder zweispännig – verlangt von mir nicht nur hohe Konzentration, sondern setzt grösstes Vertrauen zwischen Mensch und Tier voraus.»

Wohl nicht unschuldig daran, dass er ein angefressener Fahrer geworden ist, ist Fritz Nussbaum, sein verstorbener Schwiegervater. «Zu seinen Lebzeiten war es über Jahre ein gemeinsames sonntägliches Ritual. Am Morgen fuhr ich zu meinen Schwiegereltern. Die Pferde hatte mein Schwiegervater schon eingespannt und dann fuhren wir gemeinsam los. Nach fast zweistündiger Ausfahrt kehrten wir jeweils pünktlich zum Mittagessen zurück.»

Noch heute, wenn er mit seinem Gespann unterwegs sei, werde diesem viel Beachtung geschenkt. «Es ist halt je länger je mehr eine Attraktion, nur mit einer oder zwei Pferdestärken unterwegs zu sein.»