Niederbipp
Wasser-Klau an den Hydranten wird bestraft

Wer an einem der über 300 Hydranten heimlich Wasser abzapft, wird künftig gebüsst. Die Busse beträgt 100 Franken. Im Wiederholungsfall verdoppelt sich die Busse jeweils. «Ich kann meinen Gartenschlauch auch nicht einfach bei meinem Nachbarn anhängen», sagt Gemeinderat Schönmann.

Stefan Aerni
Drucken
Teilen
Brunnenmeister Mario Probst (links) und Gemeinderat Martin Schönmann zeigen an einem Hydranten beim Räberhus, wie das öffentliche Wassernetz geknackt werden kann – zum Schaden der Allgemeinheit. Marcel Bieri

Brunnenmeister Mario Probst (links) und Gemeinderat Martin Schönmann zeigen an einem Hydranten beim Räberhus, wie das öffentliche Wassernetz geknackt werden kann – zum Schaden der Allgemeinheit. Marcel Bieri

Eigentlich ist Mario Probst für die Wasserversorgung zuständig. Doch in letzter Zeit kommt sich der Niederbipper Brunnenmeister eher als Polizist vor. Denn das öffentliche Wasserversorgungsnetz, auf das der 34-jährige Gemeindeangestellte aufpassen muss, wird immer häufiger unerlaubt angezapft. Einmal findet er eine nasse Stelle bei einem Hydranten, ein andermal liegen noch Schläuche herum, und manchmal ertappt er die dreisten Wasserdiebe sogar auf frischer Tat.

Allzu oft sind dem Brunnenmeister dann aber die Hände gebunden. Er hat keine Befugnis, die Ertappten zu bestrafen. Das wissen offenbar viele und nehmen den Brunnenmeister gar nicht richtig ernst. «Es ist schon vorgekommen, dass sie mich ausgelacht haben», klagt Probst gegenüber der Berner Zeitung.

Baufirmen bedienen sich

Der Wasserklau ab den insgesamt 307 Hydranten auf Gemeindegebiet ist in Niederbipp zu einem Problem geworden. Hauptgrund dafür ist die vermehrte Bautätigkeit und die damit verbundene Präsenz fremder Baufirmen in der Gemeinde. «Da wird etwa ein Hydrant angezapft, bloss um eine Maschine zu waschen», berichtet Brunnenmeister Probst. Oft sei «reine Bequemlichkeit» im Spiel.

Neben der Baubranche gehört bekanntermassen die Landwirtschaft zu den heimlichen Wasserbezügern. Aber auch Private scheuen nicht vor dem Wasserklau zurück – zum Beispiel, um ihren Swimmingpool gratis aufzufüllen. Wie viel Wasser der Gemeinde auf diese Weise verlustig geht, kann Probst nicht genau beziffern. «Wir haben aber Beweise dafür, dass die illegalen Wasserbezüge zugenommen haben.»

Der Lösch-Schutz ist gefährdet

Das ist ein finanzielles Problem. Zwar ist Wasser billig – in Niederbipp kostet ein Kubik (1000 Liter) nur gerade Fr. 1.90. Dennoch ist der Wasserpreis gerade in Bipp ein heikles Thema: Als der Gemeinderat Ende 2010 den Preis hatte erhöhen wollen, gab es mehrere Beschwerden. Schliesslich pfiff der Statthalter den Rat zurück. So dürfte die Wasserrechnung auch künftig rote Zahlen schreiben.

Noch grösser als der finanzielle Schaden ist jedoch die Einbusse an Sicherheit: Wenn ein Laie unsachgemäss Wasser abzapft, besteht die Gefahr, dass er den Hydranten beschädigt: Das Wasser könnte verschmutzt werden, oder bei einem Brand könnte die Feuerwehr kein Löschwasser beziehen. «Das wäre der Worst Case», warnt der für die Wasserversorgung zuständige Gemeinderat Martin Schönmann (SVP). «Denn für die Feuerwehr sind die Hydranten ja primär da.»

Jetzt hat die Gemeinde dem «unerlaubten Wasserbezug», wie sie es nennt, den Kampf angesagt: Wie dem aktuellen Anzeiger zu entnehmen ist, sollen Wasserdiebe künftig mit 100 Franken gebüsst werden. Im Wiederholungsfall verdoppelt sich die Busse jeweils. «Ich kann meinen Gartenschlauch auch nicht einfach bei meinem Nachbarn anhängen», sagt Gemeinderat Schönmann.

Aktuelle Nachrichten