Ratgeber Gesundheit
Was tun bei Gürtelrose?

Seit mehr als einem Jahr leide ich unter Gürtelrose, und zwar hinter dem rechten Ohr und im Hals-Kopf-Bereich. Was kann ich dagegen tun? Gibt es wirklich nur Schmerzmittel und keine Behandlung?

Dr. med. Christoph Andreas Fux
Dr. med. Christoph Andreas Fux
Merken
Drucken
Teilen

Gesundheit Aargau
Dr. med. Christoph Andreas Fux Chefarzt Infektiologie und Spitalhygiene Kantonsspital Aarau KSA

Dr. med. Christoph Andreas Fux Chefarzt Infektiologie und Spitalhygiene Kantonsspital Aarau KSA

Gesundheit Aargau

Brennende Schmerzen sind gefürchtete Komplikationen einer Gürtelrose, weil sie für Jahre fortdauern können. Eine Gürtelrose kann jeder kriegen, der die Windpocken, auch „spitzen Blattern“ genannt, durchgemacht hat. Diese Kinderkrankheit wird durch Varizella zoster-Viren verursacht. Während der Erkrankung nisten sich Viren in den Nervenzellen ein. Jahre oder Jahrzehnte später können sie sich – begünstigt durch eine Schwächung unseres Immunsystems etwa durch Stress, Krankheit oder auch nur das Alter –wieder vermehren, sich in die vom Nerven versorgten Hautareale ausbreiten und dort eine Gürtelrose mit typisch gruppierten Bläschen ausbilden. Die dabei entstehende Nervenschädigung erklärt die langwierigen Schmerzen, im Fachjargon postherpetische Neuralgie genannt. Eine Gürtelrose kann durch zwei Strategien verhindert werden: Eine Impfung im Frühkindesalter, wie beispielsweise in den USA praktiziert, verhindert die Windpocken - und damit auch die Gürtelrose - mit grosser Wahrscheinlichkeit. Diese Strategie hat sich in der Impf-kritischen Schweiz aber nicht durchgesetzt. Gehört man denn zu den über 90% Schweizern, die Varizellen durchgemacht haben, muss man darauf vertrauen, dass das Immunsystem die Viren in Schach hält. Wiederholte Kontakte mit Windpocken während des ganzen Lebens wirken dabei als Training für unsere Abwehr – als natürliche Booster-Impfung. Deshalb ist eine Gürtelrose auch seltener bei Müttern, die vermehrt in Kontakt mit „spitzen Blattern“ kommen als bei kinderlosen Frauen. Kommt es zu einer schmerzhaften Gürtelrose heisst es schnell handeln. Je schneller man reagiert, desto wirksamer die Behandlung. Schmerzmittel sollen dabei bereits früh eingesetzt werden. Paracetamol oder nicht-steroidale Entzündungshemmer wie Ibuprofen oder Diclofenac sind leider wirkungslos. Mit Pregabalin (u.a. Lyrica®) und Gabapentin (u.a. Neurontin®) stehen zwei Mittel zur Verfügung, die sehr gut gegen Nervenschmerzen wirken. Da sie Schwindel und Müdigkeit bewirken können, müssen sie in tiefer Dosierung begonnen und dann gesteigert werden. Sehr wirksam sind auch einzelne gegen Depressionen eingesetzte Medikamente wie Amitritptilyn (Saroten®), da sie die Schmerzverarbeitung positiv beeinflussen. Versucht werden sollte zudem die lokale Anwendung von Capsaicin-Crème oder Pflaster. Häufig braucht es eine Kombination dieser Mittel oder die Zugabe von Morphium-Präparaten (die müde machen) – in jedem Fall aber viel Geduld!