Gefängnisausbruch Limmattal
Wann werden Angela M. und Hassan K. an die Schweiz ausgeliefert? Klar ist: Ins Limmattal kehren sie nicht zurück

Seit Freitag sitzen die Gefängnisaufseherin Angela Magdici und der verurteilte Vergewaltiger Hassan Kiko in einem italienischen Gefängnis. Gemäss ihres Anwalts stimmen sie nun einer Auslieferung in die Schweiz zu.

Alex Rudolf
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Die Wärterin Magdici und der Sexualstraftäter Hassan Kiko werden die Dietiker Gefängnismauern bei ihrem Ausbruch von Anfang Februar wohl zum letzten Mal gesehen haben.

Die Wärterin Magdici und der Sexualstraftäter Hassan Kiko werden die Dietiker Gefängnismauern bei ihrem Ausbruch von Anfang Februar wohl zum letzten Mal gesehen haben.

Bettina Hamilton-Irvine

Angela Magdici und Hassan Kiko zeigen sich kooperativ. Die ehemalige Gefängniswärterin und der Vergewaltiger, die Anfang Februar aus dem Gefängnis Limmattal verschwanden und am Karfreitag von einer Sondereinheit der italienischen Polizei in ihrem Unterschlupf in Romano di Lombardia in Norditalien gefasst wurden, stimmen einer Auslieferung an die Schweiz zu. Dies sagte ihr Rechtsvertreter Mario Campagna gegenüber der Gratiszeitung «20 Minuten». So könne sich kooperatives Verhalten positiv bei ihren Verfahren in der Schweiz auswirken, wie der bergamesische Rechtsvertreter weiter sagt. Auch rechnet er damit, dass die italienische Justiz in 10 bis 15 Tagen alle rechtlichen Schritte für eine Auslieferung in die Wege geleitet habe.

Doch: Laut Bundesamt für Justiz wurde das Gesuch auf Auslieferung noch gar nicht gestellt. Auf Anfrage der Limmattaler Zeitung heisst es, dass man dies in den kommenden Tagen tun werde. Mediensprecherin Ingrid Ryser sagt weiter, dass solche Auslieferungsverfahren erfahrungsgemäss zwei bis drei Monate aber auch länger andauern können. Einem abgekürzten Auslieferungsverfahren müssten neben den Inhaftierten auch die italienischen Behörden zustimmen.

Magdici im Talk Täglich, 23.Mai 2016 Angela Magdici mit ihrem Verteidiger Urs Huber und Moderator Markus Gilli.
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Angela M. und Hassan K. - was bisher passierte In der Nacht auf Dienstag, 9. Februar, verhalf die Gefängniswärterin Angela M. (32) dem Häftling Hassan K. (27) zur Flucht aus dem Gefängnis Limmattal in Dietikon.
Sie schloss die Türen auf, während ihr Kollege auf Nachtschicht schlief. Und: Bald ist klar, dass Angela M. und Hassan K. ein Liebespaar sind.
Hassan K. kam 2010 in die Schweiz. Er wurde vom Bezirksgericht Dietikon wegen Vergewaltigung einer knapp 16-Jährigen zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig, weil er es an das Zürcher Obergericht weiterzieht.
Angela M. ist in Wohlen AG aufgewachsen, trainierte dort Kickboxen. Vor der Flucht lebte sie seit drei Monaten von ihrem Mann getrennt, den sie 2014 geheiratet hatte.
Nach ihrer Flucht wurde bekannt, dass sie mit einem Auto über die Grenze zu Italien geflüchtet waren. Es handelte sich um einen schwarzen BMW X1 mit dem Kennzeichen ZH 528 411.
Am 21. März tauchte eine Video-Botschaft vom M. und K. auf: Die ehemalige Gefängniswärterin entschuldigte sich darin bei ihrer Familie und beteuerte, Kiko sei «der Mann ihres Lebens».
Gott habe sie für seine Flucht gesandt: So äusserte sich Hassan K. im Video über Angela M. Er beteuerte, er sei zu unrecht verurteilt worden und beklagte sich über die Haftumstände.
Gefängnispaar: Hat es das Video verraten? Wochenlang fahndeten die Behörden nach Angela Magdici und Hassan Kiko. Dann veröffentlichen diese eine Videobotschaft – und gaben der Polizei damit entscheidende Hinweise.
In der Nacht auf Karfreitag, 25. März, klickten die Handschellen: Sie und er waren im Bett, als nachts um 3 Uhr Polizisten die Wohnung stürmten. Die Wohnung befand sich in einem Hochhaus in Romano di Lombardia (I), rund 100 Kilometer von der Schweizer Grenze und 60 Kilometer östlich von Mailand entfernt. Angela M. wehrte sich so sehr, dass vier Beamte nötig waren, um sie zu überwältigen.
Seither sitzen sie in einem italienischen Gefängnis. Gemäss ihres Anwalts haben sie ihrer Auslieferung in die Schweiz zugestimmt.
Nach 66 Tagen war Angela M. am Donnerstag, 14. April 2016, zurück in der Schweiz. Bis zur Urteilsverkündung sass sie in Untersuchungshaft. In Chiasso übernahmen Schweizer Polizisten Angela M.

Magdici im Talk Täglich, 23.Mai 2016 Angela Magdici mit ihrem Verteidiger Urs Huber und Moderator Markus Gilli.

Screenshot Tele Züri

Er sprach davon, misshandelt worden zu sein. «Dies ist absolut haltlos und wird entschieden zurückgewiesen. Eine Platzierung im Gefängnis Limmattal wäre aufgrund der belastenden Vorgeschichte für alle Beteiligten jedoch nicht sinnvoll», so Maise. In welchen Gefängnissen die beiden unterkommen werden, unterliege dem Amtsgeheimnis und werde aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes und aus Sicherheitsgründen nicht kommuniziert.

Ebenfalls noch wenig Konkretes weiss der Vater der 32-jährigen Magdici: «Es ist sehr schwierig, an Informationen zu kommen, weil niemand etwas sagt», sagt Kurt Bill auf Anfrage. Er ist jedoch froh, dass sich Angela, nachdem sie sich bei der Verhaftung arg wiedersetzt hatte, nun kooperativ verhält. «Ihr Gemüt scheint sich während der Zeit im Gefängnis ein wenig beruhigt zu haben.» Ein Gefängnis-Besuch in Norditalien sei derzeit nicht geplant.

Drei Schweizer Kontakte

Darüber hinaus wurden gestern noch weitere Details zur Flucht der beiden bekannt. Eine Fotografie vom Küchentisch der Wohnung, die auf «Blick.ch» veröffentlicht wurde, zeigt mehrere Fresszettel, auf denen drei Schweizer Adressen erkennbar sind. Eine in Winterthur, eine in Oberglatt und eine Dritte in Winkel. Handelt es sich dabei um Fluchthelfer von Magdici und Kiko?

Einem Zürcher Ayurveda-Therapeuten gehört eine der Adressen. Gegenüber «Blick» gibt dieser zu Protokoll, dass er den 27-jährigen Kiko im Gefängnis Limmattal kennen gelernt habe, er aber erstaunt sei, dass seine Adresse bei den beiden in Italien auftauche. Kiko müsse die Adresse ohne das Wissen des Ayurveda-Therapeuten abgeschrieben haben. Er habe seit der gemeinsamen Zeit im Gefängnis Limmattal nichts mehr vom syrischen Vergewaltiger gehört. So sagt der Ayurveda-Therapeut: «Ich hätte ihnen auf der Flucht auch kein Asyl gewährt.» Gestern war er für diese Zeitung mit einem Weiterverweis auf seinen Anwalt nicht mehr zu sprechen.

Welche Rolle die auf dem Küchentisch der Wohnung in Romano di Lombardia gefundenen Kontakte bei der Flucht von Magdici und Kiko spielen, darüber gibt die Staatsanwaltschat Limmattal/Albis ebenfalls noch keinen Kommentar ab.