Region
Wächter in warmen Sommernächten

Endlich sind sie da: Die warmen Sommerabende, an denen sich das Leben auf Plätzen, Wiesen und Terrassen abspielt. Um Sachbeschädigung und Lärm vorzubeugen, patrouillieren vielerorts in der Region Sicherheitsfirmen.

Marco Wölfli
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Während der Sommermonate patrouillieren die Broncos in über zehn Gemeinden

Während der Sommermonate patrouillieren die Broncos in über zehn Gemeinden

Keystone

Bis spätnachts draussen sitzen, plaudern und das warme Wetter geniessen gehört, besonders für viele Jugendliche zum Sommer wie Eiscreme. Dieses zeitlich befristete mediterrane Lebensgefühl hat aber auch seine Schattenseiten. Lärm, Abfall und Sachbeschädigungen sind unerwünschte Nebenwirkungen. Um diese negativen Auswüchse einzudämmen, setzen verschiedene Gemeinden im Sommer auf private Sicherheitsdienste, die zum Rechten schauen.

Abschreckung und Dialog

So auch die Gemeinden Bätterkinden und Utzenstorf, welche die Patrouillen gemeinsam engagieren. Seit Anfangs Mai ist jeden Freitag- und Samstagabend eine Patrouille der Broncos in den beiden Dörfern unterwegs. Mit dieser Massnahme hätten die Gemeinden bereits letzten Sommer gute Erfahrungen gemacht, sagt Bätterkindens Gemeindepräsident Beat Linder (SVP): «In den letzten Wochen gab es bereits leicht weniger Sachbeschädigungen.»

Für Linder sind die Broncos aber nicht nur geeignet, um Vandalen-Schäden einzudämmen: «Viele Leute stören sich daran, wenn die Jugendlichen in grossen Gruppen auftreten und Lärm verursachen. Auch hier können die Broncos einwirken.» Der Erfolg der Broncos-Patrouillen hat für Linder zwei Gründe. Einerseits würden die Broncos abschreckend wahrgenommen, andererseits würden sie das Gespräch suchen und auf Vernunft setzen. Ein erfolgreiches Konzept, wie die bisherigen Erfahrungen zeigen.

Ein Sommer ohne Reklamationen

Eine sichtbare Präsenz von Sicherheitsdiensten ist aber nicht nur ein Bedürfnis von grösseren Gemeinden wie Bätterkinden und Utzenstorf. Auch das 1600-Seelen-Dorf Ersigen setzt diesen Sommer bereits zum zweiten Mal auf die gelb-schwarze Präsenz der Broncos.

Auslöser waren auch hier Sachbeschädigungen, sagt Gemeindeschreiber Thomas Balsiger: «Letztes Jahr gab es vermehrt Schmierereien an öffentlichen und privaten Gebäuden. Mit den Broncos hat sich die Situation schlagartig gebessert.» Weil es daraufhin während des ganzen Sommers zu keinen Reklamationen kam, beschlossen die Behörden, die Broncos erneut zu engagieren.

Nun patrouillieren die Sicherheitsleute bis Anfang Oktober jedes Wochenende zwei Mal durch Ersigen. Die Gemeinde kostet das 7000 Franken. Laut Balsiger bedeutend weniger als die Reparaturen von Sachschäden. Wie Beat Linder schwärmt auch der Gemeindeschreiber von der Dialogfähigkeit der Broncos. Die würden den Jungen auch einmal einen Abfallsack geben, damit sie ihren Müll nicht liegen lassen, erzählt Balsiger.

Wachsende Bevölkerung als Grund

So wie die Aussagen seitens der Gemeinden tönen, müssten sich die Broncos vor Aufträgen kaum retten können. «Richtig ist, dass die Gemeindepatrouillen mittlerweile einen beträchtlichen Teil unserer Aufträge ausmachen», sagt Role Steiner, Mitglied der Geschäftsleitung der Broncos Security AG aus Jegenstorf.

Die Broncos sind mittlerweile in mehr als zehn Gemeinden tätig. Ein Grund für das stärker werdende Bedürfnis nach Sicherheitsdiensten sieht Steiner in der wachsenden Bevölkerung: «Es halten sich immer mehr Leute in dem gleichbleibenden öffentlichen Raum auf. Durch Lärm und Abfall fühlen sich Anwohner gestört, die dann die Gemeinden zum Handeln zwingen.»

Das Geschäftsmodell der Gemeindepatrouillen fusst aber auch auf der Neuorganisation der Polizei. Durch die Fusion von Gemeinde- und Kantonspolizei wurden die Gemeinden vor sechs Jahren selber für ihre Sicherheit verantwortlich. Statt alle Leistungen bei der Polizei einzukaufen, griffen die Behörden für manche Aufgaben auf private Sicherheitsdienste zurück.

«Damit hat sich für uns eine Marktlücke aufgetan», räumt Steiner freimütig ein und betont auch gleich die Vorteile der Broncos: «Wir bieten den Gemeinden massgeschneiderte Lösungen an und patrouillieren wann und wo es die Kunden wünschen.» Der Erfolg der Gemeindepatrouillen dürfte für die Broncos anhalten. Wie Steiner sagt, sei die Zahl der Gemeinden steigend.

Niederbipp setzt auch auf Kameras

Dies, obwohl vielerorts auch der Ruf nach Überwachungskameras lauter wird. Schliesslich könnten Kameras eine mögliche Alternative zu den Sicherheitsdiensten sein. Bisher sind sie allerdings mehrheitlich in Städten oder an Bahnhöfen zu finden.

Seit letzten Sommer setzt aber auch Niederbipp auf die elektronischen Augen. «Die Kameras haben sich bewährt», sagt die Sicherheitsvorsteherin Edith Born (SVP). Mit den Kameras habe sich die Situation um die Schule merklich entspannt. In Niederbipp sind die Kameras aber nur ein Teil der Sicherheitsstrategie. Die Gemeinde setzt nämlich zusätzlich auf Securitas, die im Dorf patrouillieren. Die Sicherheitsleute sind unter der Woche, wie auch am Wochenende unterwegs.

Trotz der positiven Auswirkungen, der Sicherheitsmassnahmen sind die Gemeindevertreter noch nicht zufrieden. Sie alle beklagen, dass Littering ein riesiges Problem sei in ihrer Gemeinde. Gegen diesen Sommernachts(alb)traum scheinen Behörden wie Sicherheitsfirmen machtlos.

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