Zu Besuch beim einst grössten Arbeitgeber im oberen Fricktal
Vom Erzbergwerk zum Besucherbergwerk

Im stillgelegten Bergwerk ist es seit ein paar Jahren alles andere als ruhig – der Verein Eisen und Bergwerke gräbt sich durch die stillgelegten Stollen und stiess vor zwei Jahren unverhofft auf eine geologische Sensation.

Helen Dietsche
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Der 165 Millionen Jahre alte Meeresboden im alten Erzbergwerk Herznach.

Der 165 Millionen Jahre alte Meeresboden im alten Erzbergwerk Herznach.

Zur Verfügung gestellt

Zufällig sind freiwillige Helfer des Vereins in einem Seitenstollen auf einen rund 165 Millionen Jahre alten Meeresboden gestossen. Darin befindet sich ein Ammoniten-Friedhof, der in Feinarbeit freigelegt und jetzt der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Geologen datieren die dort zu Hunderten, ja Tausenden angeschwemmten und inzwischen zu Stein gewordenen Meerestiere auf rund 165 Millionen Jahre – eine Einzigartigkeit von internationaler Bedeutung. «Für uns ist die Entdeckung des Meeresbodens ein absoluter Glücksfall», erklärt Geri Hirt, Vizepräsident des Vereins, «und die Nachfrage nach Führungen ins stillgelegte Bergwerk, das jetzt dank einer Stollenöffnung wieder teilweise begehbar ist, ist erfreulich gross.»

Eines von vielen Fundstücken. Bild: Geri Hirt

Eines von vielen Fundstücken. Bild: Geri Hirt

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Ein Blick in die Vergangenheit
Der älteste schriftliche Hinweis auf einen Eisenerz-Bergbau im Fricktal stammt aus dem Jahr 1207. Das Hauptabbaugebiet lag bei Wölflinswil, wo östlich und nordöstlich des Dorfes spätestens seit dem Hochmittelalter bis ins 18. Jahrhundert, vereinzelt noch im 19. Jahrhundert Eisenerz abgebaut wurde. Kleinere Gruben befanden sich zudem bei Herznach und Ueken. Auf der Summerhalde oberhalb von Zeihen wurde im 17./18. Jahrhundert Bohnerz aus der frühen Erdneuzeit gewonnen.
Letzte Betriebsphase
Einen letzten Höhepunkt erreichte der Erzabbau mit dem Betrieb des Bergwerks Herznach von 1937 bis 1967. In dieser Zeit haben bis zu 140 Mitarbeiter insgesamt 1,7 Millionen Tonnen Eisenerz
abgebaut. Entstanden ist ein Stollensystem von rund 32 km Länge. Grosse Strecken dieses unterirdischen Labyrinths sind eingebrochen. Jetzt werden einzelne Abschnitte schrittweise gesichert und für die Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht. Zum Schluss stellt sich noch die Frage, was aus der halben Tonne Eisen geworden ist, die in der letzten Betriebsphase bis 1967 gewonnen wurde. Man kann es nur erahnen: Ein Teil davon ist sicher auch heute noch in alten Eisenkonstruktionen verbaut, vielleicht zu einer rostenden Eisenskulptur geworden oder dank Recyclingprozessen irgendwo im Umlauf auf der grossen weiten Welt – es wäre spannend zu wissen, wo.
www.bergwwerkherznach.ch