Müll
Volle Windeln und leere Drinks neben der Strasse

Es ist ein Elend: Abfall aus dem fahrenden Auto zu werfen, ist nicht nur hässlich, sondern ein echtes Problem für Anstösser. Die Behörden versuchen bei Säuberungsaktionen das Gröte zu beseitigen.

Andrea Marthaler
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Solothurner Zeitung

Kaum ist der Schnee geschmolzen, präsentieren sich neben den Strassen leere PET-Flaschen, Bierdosen, Energiedrinks und Pappbecher. Auf der Strecke zwischen Aarwangen und Niederbipp ist es besonders schlimm. Auf der Fahrt zum und vom Autobahnzubringer werfen die Autofahrer ihren Abfall bei Tempo 80 aus dem Fenster, direkt in den nahen Wald oder in die Wiesen und Felder von Landwirten.

Betroffen vom Littering ist auch Samuel Bösch, Landwirt in Bannwil. Ihm gehört ein Feld direkt neben der viel befahrenen Strasse. «Im Frühling füllen wir hier jeweils eigenhändig drei bis vier Kehrichtsäcke à 60 Liter.» Denn geraten die Abfälle – insbesondere Glas- oder PET-Flaschen – ins Heu für die Kühe, kann dies im schlimmsten Fall zum Tod des Tieres führen. Beim Schneiden zerstückeln diese in tausend Teile. Das Littering, so Bösch, habe in den letzten Jahren massiv zugenommen.

Zwei Mal im Jahr wird gesammelt

Zuständig für das Einsammeln des Abfalls sind innerorts die jeweiligen Gemeinden, ausserorts aber – wie bei der Strasse zwischen Niederbipp und Aarwangen – der Kanton. Im Oberaargau macht dies das Strasseninspektorat in Aarwangen. Doch dieses hat keine Zeit, jede Woche den Abfall einzusammeln. Nur zweimal im Jahr machen sie die Abfalltour. Im Frühling werden sie wieder unterwegs sein. Dann laufen sie die rund 160 Kilometer Kantonsstrasse im Oberaargau Meter für Meter ab.

15 Mann sind jeweils eine Woche lang damit beschäftigt, das Strassenbord in Sisyphusarbeit zu säubern. Drei bis fünf Tonnen Müll kommt jedes Mal zusammen. Dieser wird auf Kosten der Steuerzahler entsorgt. Dazu kommen die Arbeitszeit sowie die Kosten für die Fahrzeuge. Alles in allem kostet die Säuberungsaktion jedes Mal rund 40000 Franken.

Kommt hinzu: «Für meine Mitarbeiter ist es sicher nicht die Lieblingsbeschäftigung, den Abfall anderer Leute zu entsorgen», sagt Alfred Hutmacher, Strasseninspektor Oberaargau. Es gibt nichts, was nicht schon gefunden wurde: ein aufgebrochener Tresor, Koffern, Kleider, volle Windeln. Am häufigsten liegen derzeit Aludosen von Energydrinks neben der Strasse.

Busse wäre möglich

Die Strasse von Niederbipp nach Aarwangen ist aber nur eines von vielen Beispielen. Auf dem ganzen Gebiet gibt es Strecken, neben denen sich der Abfall häuft. Besonders nach den Wochenenden und wenn in der Nähe ein Fest stattfindet, wird viel weggeschmissen. «Es ist eine Zeiterscheinung», sagt Hutmacher. Wir leben, so der Strasseninspektor, in einer wortwörtlichen Wegwerfgesellschaft. Es sei heute offenbar üblich, nicht mehr Gebrauchtes gleich während der Fahrt wegzuschmeissen.

Im Gegensatz zum Kleinabfall habe hingegen das illegale Entsorgen von Haushaltkehricht abgenommen. Früher stapelte sich dieser oft neben Abfalleimern an Halteplätzen. Seit es diese offiziellen Eimer, die der TCS zur Verfügung stellte, aber nicht mehr gibt, hat auch das illegale Entsorgen ganzer Säcke abgenommen.

Rein theoretisch könnten Autofahrer, die Abfall aus dem Fenster werfen, gebüsst werden. Allerdings müsste dafür jemand Anzeige erstatten und die Tat auch beweisen können. 40 Franken kostet das Wegwerfen von Kleinabfällen, 100 Franken beträgt die Busse fürs Hinauswerfen aus dem Fahrzeug. Faktisch werde jedoch nie gebüsst.

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