Unterengstringen
Villa Sparrenberg: Wo Senioren bald wie Adlige altern

Die Villa Sparrenberg wird zum Luxus-Altersheim für ein gutes Dutzend vermögender Senioren.

David Egger
Drucken
Senioren altern bald wie Adlige
18 Bilder
Pflegeassistentin Elvedina Agic (links) und Geschäftsführerin Aila Haavisto von der Ahaa Clean & Care GmbH verwirklichen einen Traum.
So präsentiert sich der Eingang der Villa Sparrenberg in Unterengstringen. Das Anwesen befindet sich zuoberst im Dorf am Waldesrand.
Seit Freitag wird gezügelt: Zügelhelfer tragen den Flügel der Villa in ein Zimmer im Erdgeschoss.
Im Mai zieht die erste Bewohnerin ein. Im Bild einer von zwei alten Brunnen auf dem Sparrenberg-Anwesen.
Das teuerste Zimmer im Seniorendomizil kostet 460 Franken täglich. Im Bild der Springbrunnen im Garten des Anwesens.
Der Keller der Villa wurde bisher als Partyraum gebraucht. Schon bald soll es dort Feinschmecker-Abende mit französischem Käse geben.
Alte Schlüssel für alte Türen im altzürcherischen Landsitz Sparrenberg in Unterengstringen.
Das wird das teuerste Zimmer des Seniorendomizils: Es bietet einen Balkon, Garderobenzimmer und ein wunderschönes Panorama.
Wesentlich grösser als so manches Zimmer in gewöhnlichen Altersheimen: Ein Zimmer im obersten Stock mit 257 Jahre altem Kachelofen.
Steigen Sie auf den Thron: Selbst das WC bietet viel Platz.
Ein anderer Toilettenraum wurde sorgfältig renoviert.
Die Villa Sparrenberg hat gleich zwei Estrich-Geschosse, mit denen man noch so manches anstellen könnte.
Im obersten Estrich lässt sich das Dach von innen ansehen: Holzbalken und Ziegelsteine.
Von aussen sieht der Estrich gar nicht so gross aus.
Der Aufstieg zum Eingangsbereich ist majestätisch.
Auch Gemüseanbau kann auf dem Sparrenberg-Anwesen betrieben werden.
Bald schon wird der Magnolienbaum im Garten der Villa Sparrenberg blühen.

Senioren altern bald wie Adlige

Mario Heller

Am 11. Heumond (Juli) des Jahres 1759 zog Hans Heinrich Landolt mit seiner Frau Anna in den neu erstellten Landsitz Sparrenberg, am Waldrand hoch über Unterengstringen. Das hat Landolt im Ausgabenbuch zum Neubau festgehalten, wo jede Schraube vermerkt ist. Nun, 257 Jahre später, findet am Sparrenberg wiederum eine grosse Züglete statt, in deren Rahmen auch einzelne kleine bauliche Veränderungen nötig sind. Dazu gehört zum Beispiel ein Rollstuhltreppenlift. Denn die Villa wird neu ein Seniorendomizil.

Am letzten Donnerstag ist die fünfköpfige Wohngemeinschaft, die bisher in der Villa wohnte, ausgezogen. Bereits am Freitag nahmen dann Aila Haavisto, Geschäftsführerin der Clean & Care GmbH, und mehrere Zügelhelfer das Haus in Beschlag, um mit der Einrichtung des Seniorendomizils zu beginnen. Läuft alles nach Plan, werden dereinst gut 15 Personen ihren Lebensabend gediegen am Sparrenberg verbringen. Ein weiteres Zimmer ist eingeplant für Maniküre und Pediküre der künftigen Bewohnerinnen und Bewohner.

Zwölf Jahre alten Wunsch erfüllt

Auf einem Spaziergang im Jahr 2004 sah Aila Haavisto, die vor 25 Jahren als Krankenschwester aus Finnland in die Schweiz kam, das edle Anwesen zum ersten Mal. Sofort dachte die Oberengstringerin, dass der Sparrenberg der perfekte Ort ist für eine Pflegeeinrichtung. Damals war das ein schöner Gedanke, mehr nicht.

460

Franken betragen die sogenannten Hotelleriekosten für das teuerste Zimmer im Seniorendomizil Sparrenberg etwa pro Tag. Das günstigste schlägt mit täglich 420 Franken zu Buche. Dazu kommen die Pflegekosten. Zum Vergleich: Im Schlieremer Alterszentrum Sandbühl betragen die Hotellerie- und Betreuungstaxen maximal 194 Franken, dazu kommen dann ebenfalls noch die Pflegetaxen. Pflegekosten sind abhängig von der Bedürftigkeit und werden gemäss der Taxordnung in 13 Stufen unterteilt.

Doch vor einem Jahr erhielt Haavistos Reinigungs- und Spitex-Firma den Auftrag, die Villa zu reinigen. So lernte die 51-Jährige die Eigentümer kennen. Dabei handelt es sich um fünf Nachkommen der früheren Eigentümerin, die 2011 verstorbene Christina Gräfin Podewils von Miller, die das Anwesen 1985 der Gemeinde Unterengstringen abkaufte. Mit dem Wegzug der bisherigen Bewohner ist das Anwesen nun schneller frei geworden als erwartet.

Im Mai wird die erste Frau ein Zimmer beziehen. Vorher bietet sich der Öffentlichkeit am 16. April letztmals die Möglichkeit, die leeren Zimmer mit dem alten Luxus-Charme frei zu besichtigen. «Hoffentlich blüht bis dann der Magnolienbaum im Garten. Das würde meinen Traum vollkommen perfekt machen», sagt Haavisto.

Besonders eindrücklich ist das teuerste Zimmer im oberen Stock (460 Franken Hotelleriekosten pro Tag), in dessen Ecke ein Kachelofen aus dem Jahr 1759 steht. Er wird zwar nicht mehr zum Heizen benutzt, ist mit den Malereien von Jakob Hofmann aber ein echtes Prunkstück. Weiter gehört zum Zimmer ein kleiner hölzerner Balkon, von dem man den Garten und das Limmattal überblickt.

Vorerst können nur fünf Senioren in das Anwesen einziehen. Wären es mehr, müsste Haavisto eine Bewilligung der kantonalen Gesundheitsdirektion beantragen. «Das werde ich erst tun, wenn ich weiss, dass unser Konzept hier funktioniert. Nur wenn wir Erfolg haben, können wir bleiben», sagt Haavisto. Dann, mit der Bewilligung, hätten bis zu 15 Leute Platz in der Villa. Langfristig ist noch mehr möglich. «Wenn das Interesse sehr gross ist, könnten wir in zwei, drei Jahren erweitern und auch die Nebengebäude nutzen.»

Für die Pflege wird die 24-Stunden-Spitex von Haavistos Firma Ahaa Clean & Care GmbH sorgen. Eine selbstständige Köchin bereitet Zmittag und Znacht zu. Es soll Klavier- und Flügelkonzerte geben. Und im riesigen hohen Keller, wo vorher noch eine Discokugel hing, wird vielleicht schon bald ein berühmter französischer Käsehändler exquisite Käseabende durchführen. Langfristig ist auch ein öffentliches Café geplant. Haavisto hat ihren Kopf voller Pläne, noch so vieles am Sparrenberg lässt sich verändern. So wird zum Beispiel das frühere Gewächshaus derzeit nur als Abstellkammer gebraucht.

Ein Zimmer der Villa gehört nicht zum Luxussegment und wird für Tagesaufenthalte von Senioren zur Verfügung stehen. Der Preis dafür steht noch nicht fest.

Tag der offenen Tür: Am Samstag, dem 16. April, von 14 bis 18 Uhr, kann die Öffentlichkeit die Villa Sparrenberg besichtigen.

Aktuelle Nachrichten