Schulleiter
«Viele Schulleiter leisten massiv Überstunden»

Seit 14 Jahren gibt es im Kanton Zürich geleitete Schulen, seit 2008 ist das Modell obligatorisch. Doch Führungsposten seien schwer zu besetzen, sagt Peter Gerber, der Präsident des Zürcher Schulleiterverbandes.

Anna Wepfer
Merken
Drucken
Teilen
Schulleiterposten sind im Kanton Zürich imnoch schwer zu besetzen (Symbolbild)

Schulleiterposten sind im Kanton Zürich imnoch schwer zu besetzen (Symbolbild)

Keystone

Herr Gerber, laut einer Umfrage haben 43 Prozent der Schulen Mühe, Schulleiterposten zu besetzen, knapp 5 Prozent beurteilen die Situation sogar als «hoffnungslos». Wie kommt das?

Peter Gerber: Erstens sind viele der ersten Zürcher Schulleiter, die wie ich Ende der 90er-Jahre angefangen haben, inzwischen im Pensionsalter. Sie hinterlassen Lücken.

Zur Person Peter Gerber ist Präsident des Zürcher Schulleiterverbandes (VSLZH)

Zur Person Peter Gerber ist Präsident des Zürcher Schulleiterverbandes (VSLZH)

Limmattaler Zeitung

Lehrerinnen und Lehrer haben nicht viele Möglichkeiten, die Karriereleiter hochzusteigen. Schulleiterposten müssten da doch eigentlich begehrt sein.

Das Problem ist, dass die Arbeitsbedingungen einfach noch nicht genügen. Gibt es da keine deutlichen Verbesserungen, wird sich die heute schon prekäre Situation noch weiter akzentuieren. Der zunehmende Schulleitermangel ist übrigens ein europaweiter Trend.

Was heisst «ungenügende Arbeitsbedingungen»?

Die Zeit, die wir für unsere Arbeit zur Verfügung haben, reicht bei weitem nicht aus. Eine Schule zu leiten, ist vergleichbar mit der Führung einer mittelgrossen Firma. Nur dass bei uns noch die gesellschaftliche Verantwortung dazu kommt, dass aus unseren Schülerinnen und Schülern etwas werden soll. Viele Schulleiter leisten massiv Überstunden. Genaue Zahlen habe ich noch nicht, aber es sieht auf jeden Fall düster aus.

Bräuchte es also mehr Personal?

Es würde in vielen Fällen schon helfen, wenn die Pflichtzahl an Unterrichtslektionen reduziert würde. Heute muss jeder Schulleiter mindestens vier Lektionen pro Woche unterrichten, an kleineren Schulen mehr, weil dort der übrige Aufwand weniger gross ist. Inzwischen sehen wir aber, dass wir deutlich mehr Zeit für Schulleiteraufgaben bräuchten, als der Kanton uns zugesteht.

War der Wechsel von den nicht geleiteten zu den geleiteten Schulen also schlecht aufgegleist?

Nein, das würde ich nicht sagen. Das Problem ist die Politik, der Kantonsrat, der von der Schule immer mehr verlangt, aber kein Geld spricht. Die Regierung oder das Volksschulamt können nichts dafür.

Schon vor fünf Jahren haben Sie auf die schwierigen Bedingungen aufmerksam gemacht. Damals war auch der Lohn ein zentrales Thema.

Daran hat sich nichts geändert. Aus unserer Sicht ist die Lohndifferenz zwischen Lehrpersonen und Schulleitern zu klein. Ich verdiene jetzt nur unwesentlich mehr, als noch zu meiner Zeit als Sekundarlehrer. Und dies, obschon ich jetzt viel unregelmässigere Arbeitszeiten habe und vor allem viel mehr Verantwortung trage.

Der Kantonsrat will, dass auch Personen ohne Lehrerausbildung eine Schule leiten dürfen. Dagegen haben die Lehrerverbände das Referendum ergriffen. Warum die Schulleiter nicht?

Wir finden, jemand kann eine Schule leiten, ohne Lehrer an der Volksschule zu sein. Wir hätten es allerdings gut gefunden, wenn der Kantonsrat darauf eingeschwenkt wäre, dass «in der Regel» eine PH-Ausbildung nötig ist. Diese Formulierung hätte klare Verhältnisse geschaffen, aber auch Ausnahmen ermöglicht.

Sie befürchten also nicht eine «Managerisierung» der Volksschule?

Natürlich sind auch wir dagegen, dass irgendein Manager eine Schule führt, ohne vom Lehrerberuf eine Ahnung zu haben. Es braucht schon eine pädagogische Ausbildung. Aber wir finden, ein Gymilehrer zum Beispiel sollte eine Schule leiten dürfen. Mit der heutigen Regelung ist das nicht möglich.