Oberengstringen
«Viele Anträge, die wir als realisierbar erachten»

Gemeindepräsident Reto Cavegn erklärt, was die Zukunftskonferenz der Gemeinde gebracht hat

Sandro Zimmerli
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Reto Cavegn

Reto Cavegn

Limmattaler Zeitung

Der Oberengstringer Gemeinderat macht vorwärts mit der Umsetzung der an der «Zukunftskonferenz Oberengstringen» erarbeiteten Anträge. Wenige Tage nach dem Erscheinen des Schlussberichtes des Steuerungsausschusses «Attraktivitätssteigerung Oberengstringen» (AOE) hat die Exekutive erste Beschlüsse gefasst (siehe Kontext). Der Bericht der AOE enthält insgesamt 24 Anliegen.

Basis dieser Anträge sind die Ergebnisse der acht Arbeitsgruppen, die sich an der Zukunftskonferenz im November vergangenen Jahres aus den rund 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmern gebildet hatten. Ihre Aufgabe war es, dem Gemeinderat Massnahmen vorzuschlagen, um die Gemeinde attraktiver zu gestalten. Am 5.Juni dieses Jahres stellten die Arbeitsgruppen ihre Ideen auf einer Ergebniskonferenz der Öffentlichkeit vor. Auftrag des AOE war es, die zur Diskussion gestellten Vorschläge in einen Schlussbericht zuhanden des Gemeinderates zu fassen. Gemeindepräsident Reto Cavegn erklärt im Interview, welche dieser Anträge der Gemeinderat als dringlich erachtet und welche Wünsche schwierig zu realisieren sind.

Reto Cavegn, die Zukunftskonferenz ist Geschichte. Der Schlussbericht des Steuerungsausschusses zur Attraktivitätssteigerung von Oberengstringen ist fertig. Er beinhaltet 24 Anträge an den Gemeinderat. Sind Wünsche darunter, die Sie überraschen?

Reto Cavegn: Eigentlich beinhaltet der Schlussbericht nicht wirklich Überraschendes. Am ehesten erstaunt, wie wichtig das Thema des Limmatraums für die Leute ist. So klar wurde die Forderung nach der Aufwertung des Lebensraums noch nie formuliert.

Wenn der Bericht nur wenig Überraschendes enthält, hat es dann eine Zukunftskonferenz überhaupt gebraucht?

Unbedingt. Es ist immer gut den Leuten die Möglichkeit zu bieten mitzureden. Zudem wurden beispielsweise Wünsche rund um den Verkehr, wie eine Beruhigung der Zürcherstrasse oder die Einführung von Tempo30 auf allen Gemeindestrassen, konkretisiert. Viele Forderungen des Berichtes waren bereits Bestandteil unserer Legislaturziele. Die Zukunftskonferenz hat nun aber die Motivation gestärkt, diese Dinge anzupacken.

Der Gemeinderat ist also zufrieden mit dem Ergebnis der Zukunftskonferenz?

Absolut. Wir sind beeindruckt, mit welchem Engagement die Arbeitsgruppen ihre Ideen weiterverfolgt haben. Wir haben profitiert. Man profitiert immer, wenn man mit den Leuten spricht. Im Bericht des Steuerungsausschusses hat es viele Anträge, die wir als realisierbar erachten. Natürlich gibt es auch Wünsche, die schwieriger zu realisieren sind.

Welche?

Beispielsweise die Neugestaltung der Zentrumskreuzung. Aber auch die Belebung des Dorfplatzes wird nicht einfach. In dieser Sache wurden schon einige Anläufe unternommen. Wir werden nun einen neuen Versuch starten.

Es wird aber auch, wie schon an der Zukunftskonferenz angekündigt, bei der Umsetzung der Vorschläge Enttäuschungen geben?

Ja. Beispielsweise beim geforderten Rückbau der Zürcherstrasse. Das scheint dem Gemeinderat nicht realistisch. Wir können uns aber durchaus eine gewisse Neugestaltung vorstellen.

Anders sieht es bei der Einführung von Tempo30 aus. Dort ist der Gemeinderat bereits daran, Offerten für die Realisierung solcher Zonen einzuholen.

Wir sind daran Vorschläge einzuholen, wie man solche Zonen gestaltet. Aber auch in diesem Bereich gibt es Schwierigkeiten. In Oberengstringen sind viele kleine Strassen im Privatbesitz. Wir hoffen aber, im Laufe des nächsten Jahres Nägel mit Köpfen zu machen.

Kann man dann bereits mit einem Gemeindeversammlungsgeschäft rechnen?

Es muss zuerst abgeklärt werden,
ob ein allfälliges Geschäft vor die Gemeindeversammlung oder an die Urne muss.

Ein anderes brennendes Thema ist das Wohnen im Alter. Auch in diesem Bereich hat der Gemeinderat erste Entscheidungen getroffen.

Wir haben die Erstellung einer Broschüre zu «Wohnen im Alter» in Auftrag gegeben. Dort soll das gesamte Angebot der Gemeinde für ältere Menschen zu Papier gebracht werden, um allen Interessierten einen Überblick zu verschaffen. Zudem werden wir abklären, ob das Angebot von betreuten Alterswohnungen im Dorf überhaupt zu realisieren ist und wie die weitere Zusammenarbeit mit dem Seniorenzentrum «Im Morgen» in Weiningen aussehen wird.

Das bedeutet eine Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden. Auch das ist ein oft geäusserter Wunsch der Bevölkerung. Wie sieht die Marschrichtung in diesem Punkt aus?

Die Gemeinden im Limmattal haben schon immer gut zusammengearbeitet. Klar ist aber, dass wir für den Wunsch nach einer Schliessung des Autobahnrastplatzes und dem Bau zusätzlicher Lärmschutzwände entlang der Autobahn intensiver mit Unterengstringen und Schlieren zusammenarbeiten werden. In der Zusammenarbeit mit Unterengstringen werden wir den mit einem gemeinsamen Betreibungsamt eingeschlagenen Weg im Bereich der Feuerwehr oder des Zivilschutzes weiterverfolgen.

Um all diese Ideen umzusetzen, braucht es Geld. Gerade aber in diesem Bereich und bei der Entwicklung einer Liegenschaftenstrategie für einen besseren Bevölkerungsmix innerhalb der Gemeinde haben die Teilnehmer der Zukunftskonferenz den grössten Handlungsbedarf ausgemacht. Wie präsentiert sich die Situation in dieser Angelegenheit?

Mit unserem Liegenschaftenkonzept haben wir die Weichen bereits gestellt. Die Zukunftskonferenz hat uns bestätigt, dass wir diesen Weg weiterverfolgen sollen. Die finanzielle Gesundung der Gemeinde ist ein Dauerauftrag. Für uns ist es natürlich gut, dass die Ideen des Steuerungsausschusses finanziell nicht völlig utopisch sind.

Für die Zukunft von Oberengstringen muss einem also nicht bange werden?

Ich war immer überzeugt, dass Oberengstringen eine gute Zukunft vor sich hat. Nach der Zukunftskonferenz kann ich sagen, die Zukunft wird noch besser.